11. Januar 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Die blinden Forscher und der Elefant

Unschärferelation

KRITIK: Was ist der Stand der Forschung zum Thema KI? Das ist kaum in einem Satz zu sagen. Erstens, weil die Entwicklung so stürmisch verläuft. Zweitens, weil das Anwendungsfeld dermaßen breit ist. Da muss man sich fokussieren.

Das machen die Autoren (KI im Personalmanagement). Doch auch diese Überschrift ist noch zu breit. Sie drehen ihr Objektiv noch enger und betrachten die Mensch-KI-Kollaboration. Doch auch dieser Zuschnitt erscheint mir noch viel zu breit. Schließlich haben wir schon einiges zum Thema vernommen. Dass beispielsweise KI zum Teammitglied avancieren sollte (Assistent oder Partner?). Oder dass KI die Personalführung übernehmen sollte (Nix Pathie). So richtig der Bringer war das nie. Was ist es also, auf das die Autoren ihren Scheinwerfer richten wollen?


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Es sind drei Metaanalysen. Das sind Studien, die andere Studien zusammenfassen in der Hoffnung, so ein Maximum an Erkenntnis herauszufiltern. Doch die Erkenntnis kommt nicht von selbst. Die Wissenschaftler müssen solche Studien erst einmal vergleichbar machen. Und zu diesem Zweck müssen diverse Anpassungen erfolgen. Ich sage mal: Hier einen Bierdeckel drunter schieben, dort eine Stellschraube etwas lösen. Etwas drastischer kommentierte das einmal der ehemalige Statistikprofessor Jürgen Kriz: „Datenbelletristik“. Nun denn … Schauen wir uns einmal an, was die Autoren Biemann und Weckmüller, die regelmäßig die Rubrik „State of the Art“ in der PERSONALquarterly bespielen, ihrer Leserschaft auf den Tisch legen.

Vertrauen

Die erste Forschergruppe kommt zu dem Ergebnis, dass Mensch-KI-Teams durchschnittlich schlechter abschneiden als die jeweilige Solokomponente. Das dürfte überraschen. Doch noch überraschender sind die Details: Die Mensch-KI-Kollaboration ist besser als der Mensch allein. Es kommt zudem auf die Art der Aufgabe und die relative Leistung an. Menschen tun sich schwer mit Entscheidungsaufgaben. Sie profitieren aber von KI, wenn es um kreatives Schaffen geht. Die Forscher mutmaßen, dass wichtig sei zu schauen, ob und wann Menschen der KI vertrauen. Tja, schießt es mir durch den Kopf, das Thema Technikakzeptanz ist schon etwas länger relevant. Sollte man da inzwischen nicht etwas gelernt haben?

Der nächste, referierte Übersichtsartikel thematisiert ebenfalls das Thema Vertrauen. Und zwar indem kognitives und emotionales Vertrauen unterschieden wird. Da verdrehe ich doch gleich die Augen! Offensichtlich sind die Erkenntnisse von Lisa Feldman-Barrett zur Konstruktion von Emotionen (Emotionen: Gefühlsduselei vermeiden) noch nicht in diese Forschergemeinde vorgedrungen. Folglich knarzt es gehörig im Gebälk, wenn Transparenz und Erklärbarkeit von KI-Systemen (kognitiv) von positiven Emotionen, die das Vertrauen durch Anthropomorphismus stärken, separiert werden: Fröhliche Wissenschaft!

Die dritte Metaanalyse unterscheidet Merkmale des menschlichen Nutzers, Eigenschaften der KI und Aspekte des Interaktionskontextes. Auch da reibe ich mir die Augen: 2+2=grün, wäre – um mit Heinz von Foerster zu sprechen – die Antwort. Ein soziotechnisches System in seine Einzelteile zu zerlegen, macht nicht nur in den Augen eines Systemikers keinen Sinn. Und die statistischen Ergebnisse der Forschergruppe sind dann auch eher schwach. Also, was soll’s?

Schaumschlägereien

Tja, was macht man mit solchen Ergebnissen? Lustig, dass die Autoren Biemann und Weckmüller im Vorspann ihres Beitrags erwähnen, man hätte lange gezögert, aber dann doch gedacht, man müsse mal was schreiben … Hmmm, das haben andere Autoren in dieser Schwerpunktausgabe wohl auch gedacht, denke ich mir. Ich habe dann immer weitergeblättert.

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Thomas Webers

Dipl.-Psych., Dipl.-Theol., Fachpsychologe ABO-Psychologie (DGPs/BDP), Lehrbeauftragter der Hochschule Fresenius (Köln), Business-Coach, Publizist

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