INSPIRATION: Das haben vermutlich die meisten von uns schon erlebt. Die Führungskraft bittet uns, eine bestimmte Aufgabe zu erledigen, und wir sind fassungslos. Wieso? Weil wir diese Aufgabe als illegitim wahrnehmen. Gemeint ist entweder, dass wir sie für überflüssig halten, für schlicht sinnlos. Oder aber für unzumutbar, weil wir definitiv Besseres zu tun haben. Bzw. die Aufgabe eindeutig unter unserem Niveau ist. Berüchtigt: ”Da kommt gleich ein wichtiger Kunde. Wären Sie so nett und setzen frischen Kaffee auf?“
Das ist das Thema: Aufgaben, die Führungskräfte ihren Mitarbeitenden auftragen, die von diesen aber abgelehnt werden. Weil sie ein anderes Verständnis von ihrem Job haben. Selbst wenn die Aufgaben formal zulässig sind – entscheidend ist, wie sie subjektiv wahrgenommen werden. Was passiert in so einem Moment? Zum Verständnis benötigt man sicherlich keine wissenschaftliche Theorie (Wenn die Arbeit zum Affront wird), von wegen ”Bedrohung des beruflichen Selbstwertes einer Person” oder ”Infragestellen der eigenen Identität”.
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Empfundene Respektlosigkeit
Natürlich empfinden wir solche Aufgaben als abwertend, die Frage allein schon als respektlos. Schlicht als eine Zumutung. Und dann? Viele ziehen vielleicht nur ein Gesicht und erledigen die Aufgabe mit Murren. Andere wehren sich, erfinden Begründungen: ”Passt gerade nicht!” Oder versuchen sie auf andere abzuschieben: ”Kann doch der Mustermann machen, das wäre nicht das erste Mal!”
Allerdings ist auch klar, dass es nun mal in jedem beruflichen Umfeld Tätigkeiten gibt, die niemand freiwillig machen würde. Das dürfte auch den Führungskräften klar sein. Oder vielleicht auch nicht. Dann sind die Abläufe nicht durchdacht, die Zuständigkeiten nicht geklärt. Oder manche Aufgaben längst überflüssig, aber sie werden beibehalten, weil es sie schon immer gab. Wie manche Berichte, die nun mal verfasst werden müssen, auch wenn sie anschließend niemand liest.
Transparenz hilft
Was dagegen hilft? Der Fachmann, seines Zeichens Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie, hat die passenden Tipps: Die Aufgaben, die keinen echten Mehrwert liefern, identifizieren und wenn möglich beseitigen. Wenn das nicht geht, transparent machen, warum es nun mal sein muss. Und dann wertschätzen, dass jemand sich bereiterklärt. Nach dem Motto: ”Ich weiß, dass das Kaffeekochen nicht zu Ihrer Stellenbeschreibung passt. Aber der Kunde ist nun mal wirklich wichtig, und der Kollege, der das sonst macht, ist heute nicht da. Daher bin ich wirklich dankbar, wenn Sie das ausnahmsweise übernehmen.”
Jau, kann man so machen. Aber nicht allzu oft. Denn die Botschaft ist klar: ”Ihre Arbeitszeit ist weniger wert als die der Kolleginnen, die gerade noch im Büro sind, deshalb habe ich Sie ausgewählt.” Kommt nicht gut an, oder? Vielleicht hilft es ja, zu überlegen, ob der Kaffee für den Kunden wirklich so wichtig ist, dass man die wertvolle Zeit des Kollegen verschleudert? Und wenn man zu dem Ergebnis kommt, dass es sein muss, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, bevor man eine frustrierte Mitarbeiterin mehr hat?
Tja, was für einen Eindruck macht das denn? Der Chef persönlich kocht Kaffee? Weil er sich nicht traut, einen Kollegen zu bitten? Weil er keinen Ärger haben möchte? Weil er nicht delegieren kann und alles selbst machen muss? Da sieht man mal wieder, wie sehr es auf den Kontext ankommt. Wenn die Führungskraft solche Aufgaben hin und wieder selbst übernimmt, dann aber auch – mit kurzer Begründung – andere darum bittet, wird das für niemanden ein Problem. Die Botschaft lautet dann: ”Es ist mir wichtig, und Ich bin mir nicht zu fein dafür. Erwarte also, dass es in vergleichbaren Situationen kein Problem ist, wenn ich dich darum bitte!“
Problem ansprechen
Natürlich hat der Professor Recht: Aufgaben, deren Sinn niemand einsieht, lassen sich mit noch so viel Entgegenkommen und Transparenz nicht glaubhaft delegieren. Das gilt auch für’s Kaffeekochen. Ich kenne Büros, in denen es klar ist, dass die Mitarbeitenden im Abteilungsbüro offiziell hierfür zuständig sind. Die aber furchtbar angefressen sind, wenn sie von Kollegen aufgefordert werden, für frischen Kaffee zu sorgen. Da hilft dann nur noch, das Thema in einem Teammeeting auf den Tisch zu packen. Um dann vielleicht sogar zu erkennen, dass frischer Kaffee Privatsache ist und niemandes Arbeitszeit so ”wertlos” ist, dass er für den Koffeinkonsum der anderen zuständig sein sollte.
Wenn ich solche tollen Tipps gebe, dann bekomme ich von Chefs hören: ”Es kann doch nicht sein, dass ich wegen so einer Lappalie Diskussionen führen muss!” Doch, ist so. Denn die Lappalie zerstört Motivation und beeinträchtigt das Betriebsklima ungemein. Wer das besser verstehen will, sei auf die entsprechende Theorie verwiesen (SOS: Stress as a Offense to Self).
Wenn es gar nicht anders geht
Ach ja, noch ein Hinweis für diejenigen, die solche Aufgaben auf’s Auge gedrückt bekommen und sie widerwillig ausführen. Weil Chef nun mal Chef ist. Aber es gibt eine Möglichkeit, auf solche Ansinnen angemessen zu reagieren, statt abends nach Hause zu gehen und der Partnerin etwas vorzujammern, von wegen: Stell dir vor, was der Chef heute wieder von mir verlangt hat!”: Ungeliebte Aufträge annehmen.
