31. Mai 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Abwertungsmatrix

PRAXIS: Das folgende Modell als ”Coaching-Tool” zu bezeichnen, würde zu kurz greifen. Es ist eher ein gedankliches Konstrukt, das aus der Transaktionsanalyse stammt und sich in Situationen anbietet, in denen der Klient der Meinung ist, alles versucht zu haben, um ein Problem in den Griff zu bekommen und sich davon überzeugt gibt, dass es einfach keinen Ausweg gibt.

Da es natürlich immer einen Weg gibt, liegt es nahe, hier von einem (oder mehreren) blinden Flecken beim Klienten auszugehen. Aspekte an sich selbst, anderen Personen oder der Umgebung, die er ignoriert, missachtet oder schlicht nicht wahrnimmt. Warum? Das Modell geht davon aus, dass dahinter Selbstschutz steckt: Die Anteile werden ausgeblendet, um Muster aus der Vergangenheit aufrecht zu erhalten. Denn würde man sie zulassen, müsste man handeln – das aber bedeutet Veränderung und das wiederum führt zu Unsicherheit.


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Vier-Ebenen-Modell

Wer nun eine klassische Matrix erwartet mit den üblichen vier Feldern, in die man Verhalten, Aussagen oder Beobachtungen einsortieren kann, liegt falsch. Es sind eher vier Ebenen, die man als Coach im Hinterkopf hat und mit dem Klienten der Reihe nach anspricht.

  • Existenzebene: Der Klient leugnet, dass es überhaupt ein Problem gibt. Eigentlich ist ja alles in Ordnung, die angeblichen Schwierigkeiten sind gar keine. Es wird sich schon alles (irgendwie) regeln.
  • Bedeutungsebene: Der Klient sieht zwar, dass es ein Problem gibt, aber er hält es nicht für so gravierend. Probleme gibt es doch überall, das ist doch völlig normal.
  • Möglichkeitsebene: Der Klient erkennt, dass es ein richtiges Problem gibt, aber sieht sich außerstande, etwas daran zu ändern. Klar, es ist schlimm, aber was soll ich machen? Ich habe keine Wahl, ich muss da durch. Bei anderen ist es genauso schlimm.
  • Handlungsebene: Der Klient hat Verschiedenes probiert, aber bisher hat das nichts geändert. Die Haltung: Ich kann machen was ich will, es bringt ja doch alles nichts.

Wie ein Coach dieses Modell nun einsetzt, wird in dem Originalbeitrag (Die Abwertungsmatrix in der Coaching-Praxis) an einem Praxisbeispiel dargestellt. Wobei dies sicher stark von dem persönlichen Coaching-Stil abhängt.

Blinde Flecken aufdecken

Die Idee ist, die einzelnen Ebenen mit Fragen zu erforschen. Ein Klient, der mit einem Problem zum Coach kommt, wird vermutlich auf der Existenzebene das Problem erkennen. Soll heißen: Fragt der Coach direkt danach, ob es (in der Zusammenarbeit, in der Beziehung, zwischen den Kollegen etc.) ein Problem gibt, wird es es beschreiben können.

Auf der Bedeutungsebene geht es darum, ganz konkret nach dem Problem zu fragen und es sich erklären zu lassen. Wenn der Klient hier abwiegelt und es als nicht so dramatisch abtut, dann könnte z.B. eine Nachfrage lauten, was denn die Konsequenzen sein könnten, wenn alles bleibt, wie es ist. Stellt der Klient dann fest, dass diese durchaus gravierend sein können, hat er hier noch keinen blinden Flecken.

Dann geht es zur Möglichkeitsebene. Glaubt der Klient nicht daran, dass er selbst etwas bewegen kann, helfen verschiedene Nachfragen: ”Was genau haben Sie denn schon versucht?” Danach nähert sich der Coach dem ”Knackpunkt”: ”Darf ich mal provokant werden?” Dann: Wenn die Situation durch Ihr eigenen Handeln entstanden wäre – wie könnten Sie es mitverursacht haben?

Wenn es gelingt, auch hier einen blinden Flecken zu beheben, dann fängt der Klient an, seine eigene Rolle in der Situation zu erkennen, dann kann es an die Handlungsebene gehen.

Es geht nun um die Auslotung von Handlungsalternativen. Fragen wie: ”Was könnten Sie ausprobieren, ohne gleich alles auf den Kopf stellen zu müssen?” – ”Woran könnten Sie erkennen, dass sich etwas verändert?”

Interessant an dem Modell: Auch ein Coach kann an seine Grenzen stoßen und in eine der vier ”Fallen” tappen. Wenn er merkt, dass er ungeduldig wird, könnte ihm helfen zu schauen, ob er z.B. auch einen blinden Flecken auf einer der vier Ebenen hat.

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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