INSPIRATION: Coaching kann viele Formen und Formate nutzen – längst findet es nicht mehr ausschließlich in einem mehr oder weniger heimelig eingerichtetem Raum, vielleicht durch ein Flipchart ergänzt, statt, in dem sich Coach und Klient*in gegenübersitzen und Sprache das vorrangige Medium darstellt. Coach und Klient*in gehen mitunter im Wald spazieren (Waldspaziergang), erkunden die Stadt (Stadtführung) oder besuchen ein Museum. Sie nutzen Fantasiereisen und Körpersignale.
Und offenbar inzwischen auch ”Virtual Reality”. Angeblich hat das Coaching mit der VR-Brille den Status des Experiments verlassen und sich im Business Coaching bewährt (Was Virtual Reality im Coaching leisten kann). Wer, wie ich, das noch nie erlebt hat, fragt sich natürlich, wie das wohl aussehen mag. Genau dafür bietet der Beitrag im Coaching Magazin sehr anschauliche Praxisbeispiele.
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Vom Inneren Team und Probeläufen
- Da ist die erfahrene Führungskraft mit wiederkehrenden Selbstzweifeln, die auf alte Glaubenssätze zurückzuführen sind. Sie betritt mithilfe der VR-Brille ein Gewächshaus, in dem die Glaubenssätze als Pflanzen wachsen. Die übersteigerten wuchern, überholte erscheinen als vertrocknet. Der Klient gießt, entfernt oder beschneidet sie, pflanzt neue Setzlinge oder topft um. Das stärkt das Gefühl der Selbstwirksamkeit und Gestaltungsfähigkeit.
- Der Klient steht vor einer schwierigen Entscheidung, wie sein nächster berufliche Schritt aussehen soll. Die Alternativen zeigt ihm die VR-Brille ”als begehbare Zukunftsszenarien” auf. Er kann die Räume durchlaufen, mit einzelnen Elementen interagieren – praktisch einen Probelauf absolvieren, um zu einer guten Entscheidung zu gelangen.
- Eine Führungskraft möchte ihr Führungsverhalten reflektieren und dazu das ”Innere Team” nutzen. Dessen ”Mitglieder” werden als Avatare dargestellt mit den jeweils typischen Werten, Ausdrucksformen und Aussagen. Der Klient kann sich mit ihnen auseinandersetzen, in die verschiedenen Rollen schlüpfen und Dialoge führen. Wobei der Coach die jeweils andere Rolle übernehmen und den entsprechenden Avatar steuern kann.
- Eine Klientin will an ihrer Belastbarkeit arbeiten und die ihr vertrauten Strategien zur Stressbewältigung reaktivieren. Mithilfe der VR-Brille kann sie diese körperlich spürbar erleben.
Sogar im Rahmen von Konfliktklärungen oder auch in Teamprozessen kann die VR-Brille zum Einsatz kommen, wie weitere Beispiele zeigen.
Von Risiken und Nebenwirkungen
Was deutlich wird: Das Coaching mit VR-Brille ist als Ergänzung zum klassischen Coaching zu verstehen. Sein Einsatz muss methodisch passen, und nicht jede Fragestellung eignet sich für ”immersive Formate”. Und es gibt, wie immer, Risiken und Nebenwirkungen. Bekannte Phänomene wie Schwindel und Übelkeit sind bei professioneller Technik inzwischen selten.
Aber gerade bei emotional sehr sensiblen Themen kann es zur emotionaler Überforderung oder gar zur Destabilisierung von Klienten kommen. Soll heißen: Der Einsatz sollte sorgfältig vorbereitet sein, eine entsprechende Erfahrung und auch technische Kenntnisse auf Seiten des Coachs sind unabdingbar.
Apropos Technik: Diese stellt offenbar keine größere Hürde mehr dar. Es gibt Plattformen, die die Software zur Verfügung stellen. Die Hardware kann – vorkonfiguriert – gemietet werden. Allerdings heißt es auch hier: Aufgepasst! Kostengünstige oder gar -freie Angebote sind mit Vorsicht zu genießen. Das gilt besonders in Fragen des Datenschutzes, der in einem derart sensiblen Bereich sicherlich noch einmal besonders ernst genommen werden sollte!
