17. April 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Alles fake

INSPIRATION: Heute staunen wir noch darüber, morgen wird es wohl niemanden mehr hinter dem Sofa hervorlocken. Auf den ersten Blick ein klassischer Hollywood-Film: Auf einem Dach, übersät mit Trümmern, kämpfen zwei Männer miteinander. Der eine ist Tom Cruise, der andere Brad Pitt. Die Schlägerei auf YouTube wirkt etwas steif, also eher wie bei einem schlecht gemachten Hollywood-Streifen. Aber nichts davon ist ”echt” – alles KI-generiert. Und sogar mit schwarzem Humor ausgestattet.

Ohne vorher etwas über den ”Streifen” gehört zu haben, hätte ich vermutlich wirklich geglaubt, die beiden Stars würden in einem gemeinsamen Projekt auftreten. Und hätte mich schön blamiert, wenn ich anderen davon erzählt hätte. Es heißt also nicht erst seit heute, grundsätzlich misstrauisch zu sein gegenüber allem, was uns im Netz angeboten wird. Mehr noch: Was andere mir darüber erzählen, was angeblich gerade passiert ist oder passieren wird. Es könnte ja komplett KI-generiert sein.


Anzeige:

logic systems versteht sich als IT-Unternehmensberatung mit dem Schwerpunkt auf der Entwicklung betriebswirtschaftlicher Softwarelösungen. Seit 1993 ist die Entwicklung von PC-gestützten Unternehmensplanspielen eine der Kernkompetenzen des Unternehmens. Zur Webseite...


Lieber gar nichts glauben

Also erst einmal gar nichts glauben, was ich nicht selbst erlebt habe. Hinter alles ein Fragezeichen machen. Wie anstrengend! Aber welche Wahl haben wir? Wir müssen also die Fakten checken. Genau hinschauen, auf kleinste Hinweise achten, die die Fälschung vom Original unterscheidet.

Genügt nicht, sagt Henning Beck (Erst denken, dann liken). In einem Experiment ließ man Professoren der Stanford Universität eine Verschwörungswebseite untersuchen mit der Frage, ob es sich um eine seriöse Webseite handelte. Nur die Hälfte lag mit ihrer Bewertung richtig. Weil ihnen der gleiche Fehler unterlief wie den meisten: Sie meinten, man könne durch scharfes Beobachten erkennen, ob eine Information Widersprüche enthalte. Aber unser Gehirn wird von der Vorlage beeinflusst – sie lenkt unser Denken, so dass es extrem schwer wird, Widersprüche zu erkennen.

Wir müssen anders vorgehen. Statt uns zu fragen: ”Kann das stimmen?” sollten wir, wenn uns etwas verdächtig erscheint (in Zukunft vermutlich fast alles), eine Hypothese aufstellen, die da lautet: Das ist eine Fälschung. Und dann außerhalb der Vorlage nach Quellen suchen, und zwar solchen, denen wir vertrauen. Erst, wenn wir diese geprüft haben, kehren wir zur ursprünglichen Information zurück.

Anstrengende Zukunft

Klingt nach einem anstrengenden Leben für uns alle. Aber es kommt noch schlimmer. Selbst wenn wir sicher sind, dass eine Information, ein Bild, ein Video ”gefälscht” ist, beeinflusst uns das trotzdem. Studien zeigen, dass Menschen, die glauben, gegen Fakes resistent zu sein, davon überzeugt sind, dass andere darauf hereinfallen (Third Person Effect). Was dazu führt, dass wir unser Handeln notgedrungen an den falschen Nachrichten ausrichten müssen. Denn wenn ich weiß, dass eine Info über eine Firma falsch ist, aber viele darauf hereinfallen werden, dann sollte ich die Aktie schnell verkaufen. Und genau das passiert (Wir müssen Fake News anders bekämpfen).

Und noch schlimmer: Es scheint, als ob man falsche Nachrichten nur oft genug hören muss, dann fangen selbst die größten Skeptiker irgendwann an zu glauben, dass doch etwas Wahres dran sein muss. So entstehen kollektive Fehlinformationen.

Was man dagegen tun kann? Sich zu Wort melden. Also nicht nur selbst sicher sein, dass etwas falsch ist, sondern diese Gewissheit verbreiten. Überall. Vor allem Menschen mit Einfluss, Führungskräfte und Manager zum Beispiel. Aber auch jeder einzelne von uns in seinem Umfeld – im Freundeskreis, bei Bekannten, in der Familie.

Das Leben wird also noch anstrengender. Aber dafür nimmt uns die KI ja andere Dinge ab …

Werden Sie diesen Beitrag weiterempfehlen?
Teile diesen Beitrag:

Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

Alle Beiträge ansehen von Johannes Thönneßen →

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert