INSPIRATION: Taucht Ihre Führungskraft mitunter unangekündigt an Ihrem Arbeitsplatz auf? Dann hat sie vielleicht in einem Buch oder Artikel vom ”Gemba” gelesen. Stammt aus dem Japanischen und ist angeblich eines der Geheimnisse um den Erfolg japanischer Unternehmen. Bis heute verbringen dort die Chefs „mehr als 50% ihrer Zeit am Gemba, dem Ort, an dem gearbeitet wird“ (Das Geheimnis des Gemba).
Was sie sich davon versprechen? Sie bekommen mit, wie die Stimmung ist, welche Probleme es gibt und welche davon möglichst zügig gelöst werden sollten. Der deutsche Manager, so die Beobachtung, studiert lieber Kennzahlen und glaubt, in ihnen die Ursachen für Probleme erkennen zu können.
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Beobachter und Unterstützer
All das ist nicht neu, ganz im Gegenteil (Einfach reden). Aber viel getan hat sich hierzulande in Sachen ”Lean Management” nicht, sagen Experten. Und sie haben auch ein Beispiel parat. Auf die Empfehlung, seine 18 Mitarbeitende möglichst oft an ihrem Arbeitsplatz aufzusuchen und mit ihnen zu reden, antwortete ein Manager, dass er dafür keine Zeit habe.
Es hapere an der richtigen Haltung, meinen die Fachleute. In unserer Kultur sehen sich die Chefs als diejenigen, die ”Struktur und Steuerung geben”. In der Gemba-Philosophie versteht sich die Führungskraft als Beobachter und Unterstützer, der auch ständig selbst dazu lernt. Dazu gehört vor allem Respekt vor den Fähigkeiten der Mitarbeitenden.
Cleverer Tipp der Berater: Sie empfahlen der Führungskraft, sich auf die Idee einzulassen und jeden Tag mit einem der 18 Mitarbeitenden ins Gespräch zu kommen. Sie gaben ihr also eine Struktur, etwas, das sie ”messen konnte”. Der Rat habe ihr enorm geholfen, erklärt die Führungskraft in dem Beitrag.
Ausreden
So einfach ist das? Ich hänge an der ”Ausrede”, die wohl die meisten anbringen würden, bekämen sie den Rat, doch einfach häufiger bei den Beschäftigten aufzutauchen. Allerdings kenne ich auch viele Führungskräfte, die gar nicht so selten mit ihren Leuten sprechen. Aber worüber? Da plaudert man über das Wochenende, das schlechte Wetter, den letzten Urlaub. Und wandert mit einem guten Gefühl zurück ins Büro.
Aber spricht man dabei auch über das, was den Mitarbeiter gerade am Arbeitsplatz beschäftigt? Das Problem dabei: Er könnte dann aktuelle Probleme ansprechen und sie damit zu meinem Problem machen. Und vielleicht kann ich es nicht einmal lösen. Vielleicht aber ist es auch eines, dass ich lösen könnte, aber dazu müsste ich eine unangenehme Entscheidung treffen. Mit anderen Worten: Wer wirklich wissen will, was die Mitarbeitenden beschäftigt, wie ihre Stimmung ist und was sie bei ihren Aufgaben behindert, der muss nicht nur zuhören, sondern sich mit ihnen auch auseinandersetzen. Auf der berühmten Augenhöhe.
Da ist es doch einfacher zu sagen, man habe zu wenig Zeit. Und sich weiter mit den Zahlen zu beschäftigen. Auch wenn damit die Produktivität wohl kaum steigen wird.
