9. September 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Mit erhobenem Haupt

PRAXIS: Keine schöne Vorstellung – man sitzt nichtsahnend im Büro seines Vorgesetzten und erfährt, dass sich das Unternehmen von einem trennen will. Da fällt es schwer, rational zu reagieren. Tausend Gedanken schießen durch den Kopf. Nichts wie weg, dürfte einer davon sein. Zum Angriff übergehen ein anderer. Klug ist beides nicht. Wer es in diesem Moment schafft, die Fassung zu bewahren, der könnte den einen oder anderen typischen Fehler vermeiden.

So raten die Experten, auf keinen Fall in diesem Moment einen Auflösungsvertrag zu unterzeichnen. Wenn der Arbeitgeber hier drängelt, ist das definitiv unseriös. Und doch akzeptieren offenbar zwei Drittel aller Betroffenen das erste Angebot ohne zu verhandeln. Statt sich Bedenkzeit zu erbitten und dann einen Anwalt zu konsultieren. Der nicht nur bei den Verhandlungen helfen, sondern in der Situation eine echte Stütze sein kann. Allein deshalb, weil man durch ihn früher oder später lernt zu akzeptieren, dass eine Kündigung ein ganz normaler Bestandteil eines Arbeitslebens ist (Souverän im Abgang).


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Letzteres dürfte allerdings alles andere als leicht fallen. Denn die ersten Gedanken werden sein: ”Warum ich?” Da hilft es vermutlich wenig, wenn man weiß, dass zur Zeit 54.000 Führungskräfte ohne Job sind.

Ebenso bitter wird die Erkenntnis sein, dass alle Erfahrung und die Treue zum Arbeitgeber am Ende keine Rolle spielen, weil allein ökonomische Gründe zählen. Auch schlimm wird es sein, wenn jemand feststellt, dass er offenbar blind war und die Anzeichen nicht erkannt hat. Denn manchmal gibt es etliche Hinweise für das drohende Unheil (Miese Tricks).

Was man nicht tun sollte

Aber zurück zu den Fehlern, die man in diesem Moment vermeiden sollte. Neben dem raschen Akzeptieren des Auflösungsvertrages gehören dazu Rechtfertigungen oder gar das Eingeständnis möglicher Versäumnisse. So etwas fällt einem bei den folgenden Verhandlungen auf die Füße nach dem Motto: ”Sie haben doch selbst zugegeben, dass …”. Am besten also die Tatsache hinnehmen und sich vorerst dazu nicht mehr äußern – weder gegenüber dem Vorgesetzten noch Kollegen. Zumindest nicht ohne Rücksprache mit dem Anwalt.

Es lohnt sich in der Regel auch nicht, nach den Gründen zu forschen. Bei sich selbst oder beim Arbeitgeber. Das kostet nur Energie und die Erfolgsaussichten sind gering. Ehrlichkeit ist hier ohnehin nicht zu erwarten.

Aber wohin dann mit dem Frust, dem Ärger, der Kränkung? Nicht am Arbeitsplatz abladen, sondern sich mit Freunden unterhalten, mit der Familie. Auch das wird so manchem schwerfallen. Der eine oder andere wird sich sogar schwertun, überhaupt von der Kündigung zu erzählen. Gar so tun, als gäbe es sie gar nicht. Ein besonders gravierender Fehler. Denn so bringt man sich selbst um den Zuspruch wohlmeinender Freunde als auch um die Chance, dass das nähere Umfeld seine Fühler ausstreckt und sein berufliches Netzwerk nutzt.

Angefangenes beenden

Und in der Firma? Erst mal zuverlässig weiter arbeiten. Sich aus Trotz krankschreiben lassen ist keine gute Idee, den Gefallen sollte man seinem Arbeitgeber nicht tun. Auch nicht schlecht reden über die Firma, keine Schuldzuweisungen. Das spricht sich herum und erschwert den Einstieg bei anderen Unternehmen.

Ich kenne einen Fall, da empfahl ich dem Betroffenen, einfach weiterzumachen. Die Aufgaben abzuschließen und alles ordnungsgemäß zu übergeben. Die Kollegen reagierten eher verständnislos – ”Wie, du lässt dich nicht krankschreiben?”, der Chef war auch verblüfft. Und bot am Ende sogar an, den Betroffenen bei anderen Unternehmern zu empfehlen bzw. ihm ein Empfehlungsschreiben aufzusetzen.

Und schließlich: Sich angemessen verabschieden. Ob mit einer wertschätzenden Mail oder mit einem persönlichen Rundgang am letzten Tag. Mag sein, dass der eine oder andere Mitleid signalisieren wird – die Hochachtung wird überwiegen.

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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