15. September 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Hauch von Guru

KRITIK: In der Wirtschaftswoche erschien ein längerer Beitrag über ein Unternehmen, das auf dem Weg ist, „der erste echte Coachingkonzern“ zu werden. Es setzt angeblich einen zweistelligen Millionenbetrag im Jahr um und hat 100 Mitarbeiter. Bei näherer Betrachtung hat das für mich wenig mit Coaching zu tun.

Noch ein paar Zahlen aus dem Beitrag vorweg: Ca. 30.000 Menschen in Deutschland nennen sich Coach, 8.000 davon sogar Business Coach. Ein Kritiker (der als kritisch geltende Psychologe Uwe Kanning) ist der Meinung, dass höchstens ein Fünftel hiervon seriös sei (Falsche Prediger).


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Ich habe keine Ahnung, ob diese Zahlen stimmen. Auch die anderen Informationen aus dem Beitrag kann ich nicht überprüfen. Und ich mag auch diese Art von Journalismus nicht (wobei ich die wiwo ansonsten durchaus schätze). Hier werden nämlich ehemalige Mitarbeiter zitiert, die das Weite gesucht haben und das Unternehmen „als Inbegriff der Probleme einer ganzen Branche“ bezeichnen, die zum Großteil „aus Quacksalbern, die entweder selbst therapieren oder geldgeil seien“, bestünde. Oder die von einem miesen Umgang mit Mitarbeitern in dem „Coaching-Konzern“ berichten.

Von Coaches und Hundetrainern

Da mag was dran sein, aber ist deshalb das Geschäftsmodell und das Produkt schlecht? Was mich viel mehr verwirrt, ist, dass hier ständig von „Coaching“ die Rede ist. Tatsächlich wird hier ganz viel Geld verdient mit Großveranstaltungen, auf denen Menschen auftreten (u.a. sogar Barack Obama), die banales Zeugs predigen und für Allgemeinplätze Beifall erhalten. Oder die mit mehr oder weniger gelungenem Humor die Massen unterhalten. Hat ganz viel von Comedy. Das kennt man ja auch aus anderen Szenen, z.B. Hundetrainer, die durch das Fernsehen bekannt geworden sind und nun die Hallen mit ihren Geschichten füllen.

Auch damit habe ich kein Problem – ist eben Unterhaltung. Nur: Es wird nicht so genannt. Stattdessen werden den Menschen Versprechungen gemacht. Zitat: Wir liefern „dir wertvolle Impulse mit denen du dein erfülltes und erfolgreiches Leben selbst gestalten kannst“. Ich glaube, das versprechen kein Comedian oder andere Alleinunterhalter. Ebenso wenig bieten Comedians Menschen, die gerne selbst erfolgreich auf der Bühne stehen wollen, teure Kurse an, mit denen sie anschließend ebenfalls in der Lage sein sollen, ganze Hallen zu füllen (wäre vielleicht eine Geschäftsidee …).

Und sie bieten auch keine Schnupper-Coachings an, die in ein Abo münden, für das man 99 Monate lang  Videos und „Audio-Impulse“ geschickt bekommt, durch die man „persönlich motiviert wird“. Worauf ich hinauswill: Was hat all das mit Coaching zu tun?

Was hat all das mit Coaching zu tun?

Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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