15. April 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Kluger Leitfaden für Führungskräfte

REZENSION: Ina Riechert – Psychische Störungen bei Mitarbeitern. Ein Leitfaden für Führungskräfte und Personalverantwortliche – von der Prävention bis zur Wiedereingliederung. Springer 2014.

Geben wir es gleich zu: Ein nicht leichtes Thema für Führungskräfte! Selbst „ausgewachsene“ Arbeits- und Organisationspsychologen drücken sich gerne darum herum. Schließlich ist die Behandlung psychischer Störungen hierzulande erlaubnispflichtig (PsychThG bzw. HPG). Daher schließen auch Coaches – so haben wir (Werner & Webers) letztens erst gezeigt – lieber „präventiv“ aus, sich mit psychischen Störungen zu beschäftigen, wenn sie nicht im Gegenteil naiv oder dreist die Dinge verharmlosen nach dem Motto: Burnout – das ist doch unser täglich‘ Brot…


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Diese Angst, sich die Finger zu verbrennen, ist verständlich, aber nicht unbedingt angebracht, dreht es sich doch auch beim betrieblichen Gesundheitsmanagement immer wieder um das Thema psychische Gesundheit. Wenn man bereit ist, sich ein wenig schlau zu machen, kann die Lektüre dieses Buchs deshalb sehr hilfreich sein, um verantwortlich handeln zu können.

Präsentismus als eigentliches Problem

Ina Riechert beginnt ihr Buch mit einer Falldarstellung und einer ersten Auswertung, die die Leser unmittelbar involviert. Der Verweis auf das Thema Präsentismus deutet dabei zugleich die Tiefendimension im betrieblichen Alltag an. Wenn in der Folge die Begrifflichkeiten präzisiert werden, fokussiert sich einerseits der Blick. Auf der anderen Seite erhebt sich dieser über den Tellerrand auf die tagtäglichen Über- und Unterforderungen. Sehr kompetent und breit wird daher das Belastungs-Beanspruchungsmodell (ISO 10075) vorgestellt und damit an die Felder Arbeitsschutz und Gesundheitsmanagement angeschlossen. Und das ist eindeutig Ziel führend, weil sich den Führungskräften so unmittelbar eröffnet, dass es nicht nur um die Hotspots psychischer Störungen geht, die im folgenden Kapitel vorgestellt werden, darum, die in den Brunnen Gefallenen zu retten, sondern dass sich darüber hinaus ein weites Feld der Prävention eröffnet, das gleichfalls bearbeitet werden muss.

Führungskräfte sollen nicht, sie dürfen auch keine Psychodiagnostik betreiben. Aber sie können sensibel werden für Verhaltensveränderungen von Mitarbeitern. Sie sollten gleichwohl ihre Rolle als Führungskraft reflektieren und nicht nachlassen, in ihrer Führungsperformance zu reifen. Hierfür gibt die Autorin zahlreiche Beispiele. Ebenfalls bereitet sie ihre Leserschaft auf das Mitarbeitergespräch vor und öffnet ihnen den Blick für kompetente Hilfsangebote und Behandlungsmöglichkeiten sowie das Wiedereingliederungsmanagement. Zudem werden neuere Präventionsstudien dargestellt, diskutiert und mit zahlreichen Checklisten angereichert.

Neu in der 2. Auflage ist das Thema betriebliche Gefährdungsbeurteilung. Denn seit 2013 wurde § 5 des Arbeitsschutzgesetzes auf die psychischen Belastungen erweitert. Die Autorin liefert den betrieblichen Akteuren dazu detailliertes Material sowie zahlreiche Verweise auf Literatur oder Internetquellen. Zum Abschluss wendet sie den Blick noch einmal auf die Führungskraft direkt, auf deren Umgang mit den Themen Balance, Selbstfürsorge und Reflexion. Ein rundum gelungenes Buch.

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Thomas Webers

Dipl.-Psych., Dipl.-Theol., Fachpsychologe ABO-Psychologie (DGPs/BDP), Lehrbeauftragter der Hochschule Fresenius (Köln), Business-Coach, Publizist

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