REZENSION: Valentin Nowotny – Agile Unternehmen – fokussiert, schnell, flexibel: Nur was sich bewegt, kann sich verbessern. BusinessVillage 2016.
Momentan ist „agil“ das Zauberwort, das den mentalen Quantensprung im organisationalen Handeln und im Change-Management markiert. Ist das die übliche Schaumschlägerei? Oder ist das wirklich der Beginn einer neuen Ära, auf die man sich einstellen sollte?
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Nach der „Wiedereinführung der Kommunikation in die Organisation“ (Dirk Baecker) in den 1960er/-70er-Jahren, der Erkenntnis der 1990er-Jahre, dass kaskadenförmige Kommunikationsdesigns angesichts schneller Marktentwicklungen zu langsam sind, um Unternehmen an jene zu adaptieren, daher Simultaneous Change von Nöten sei (Open Space etc.) sowie den neuen Möglichkeiten der Social-Media-Ära nach der Etablierung von Facebook und Co. finden wir uns heute in einer höchst volatilen Welt wieder. Alle reden von Digitalisierung, Agilität und neuen Herausforderungen. Und manch einem geht dabei die berühmte „Muffe auf Grundeis“…
So wie früher geht es nicht weiter!
Es ist das Verdienst von Valentin Nowotny, dieses Konglomerat nicht nur anschaulich zu sortieren, sondern mit Tiefsinn, der aus jahrelanger Erfahrung resultiert, zu strukturieren. So wird die Problematik, mit der heute viele konfrontiert werden, nur allzu deutlich: So wie früher geht es nicht weiter! Aber er zeigt auch klar auf, wie es weiter gehen kann und sollte – und begründet dies ausführlich. Seien wir ehrlich: Es geht um einen radikalen Kulturwandel – für manche auch ein Kulturschock, um eine neue Art der Zusammenarbeit, Führung und Entwicklung in Organisationen. Klein-klein, langwierige Instanzenwege, klare Hierarchien – all das ist von Gestern. Wenn unsere Organisationen in dieser neuen Welt überleben wollen, benötigen sie andere Kompetenzen, andere Strukturen und eine andere Kultur.
Gut beraten ist also derjenige, der sich mit den neuen Formen der Zusammenarbeit beschäftigt, sie einübt und umsetzt.
Genau das spielt Nowotny in den 14 Kapiteln seines Buchs durch und konfrontiert den Leser nicht nur mit Neuem, sondern auch mit alt bekanntem Bewährtem. Er macht das engagiert, anschaulich und immer um den Transfer bemüht. Die Besonderheit: Als Trainer und Berater weiß er um die mentalen Widerstände in den Organisationen. Und er antizipiert diese, spielt sie durch und widerlegt sie zugleich. Das ist mutig, denn er outet sich als kompetenter Wirtschaftspsychologe – wohl wissend, dass Psychologen in der Wirtschaft nicht immer willkommen sind. Doch er macht das überzeugend, gelegentlich anspruchsvoll, immer belesen und trotzdem geerdet. So dass man ihm die Kompetenz definitiv abnimmt und sich überzeugen lässt.
Die Fülle an Beispielen und Umsetzungsvorschlägen sind so reichhaltig und passend, dass der Leser schon große Verdrängungsenergie aufwenden muss, um sich dem Sog der Umsetzung zu entziehen. Nowotny hat zudem im Buch eine klare didaktische Struktur umgesetzt und wartet mit allerlei zusätzlichen Literaturhinweisen sowie Verweisen auf Internetquellen und Videos auf, so dass die Leser auch eigenständig weiterarbeiten können.
Fazit: Agil mag vielleicht ein Modewort sein. Aber wofür es steht, wird nicht verschwinden. Wir alle werden unsere Einstellungen, unsere Methoden, unseren Fokus verändern müssen. Oder wir werden nicht mehr in der Bundesliga mitspielen. „Nur was sich bewegt, kann sich verbessern“ lautet der Untertitel dieses Buchs. Wohl wahr! Doch das muss keine dröge Rüttelstrecke werden. Nowotny zeigt immer auf, wo es zwischen drin leckere Nüsse zu ergattern gibt.
