6. März 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Mikroreflexionen

INSPIRATION: Sich selbst hin und wieder in Frage stellen kann nicht schaden. Einfach sich einen kurzen Moment Zeit nehmen und darüber nachdenken – ja über was eigentlich? Laut den Experten, die in einem Artikel der Wirtschaftswoche zu Wort kommen (Ich fühle was, was du nicht fühlst), kann man diese Weise seine emotionale Intelligenz trainieren.

Das ist übrigens ein interessantes, wenn auch inzwischen langweiliges (Sprach-)Muster: Zuerst wird erklärt, wie schwer es ist, eine bestimmte Fähigkeit zu beherrschen, anschließend kommt der Satz: ”Die gute Nachricht ist: Sie lässt sich wie ein Muskel trainieren!” In diesem Fall geht es also um Emotionen. Und die Herausforderung lautet: Erst die eigenen erkennen, sie sodann verstehen und schließlich sie zu regulieren.


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Das mit den Emotionen ist nun so eine Sache. Sie treten auf, ob wir das mögen oder nicht. Irgendjemand sagt oder tut etwas, und schwups – da ist es, das Gefühl. Ob Angst oder gar Panik, Verwunderung, Überraschung, Freude, Ärger – etwas rührt sich in uns und wird meist unmittelbar in Verhalten umgesetzt (Emotionen: Gefühlsduselei vermeiden). Unser Puls geht hoch, wie weichen zurück, sacken in uns zusammen, richten uns auf, lachen, seufzen, schütteln energisch den Kopf oder ziehen nur die Augenbrauen hoch.

Gefühle benennen

Mit der Folge, dass unser Gegenüber Emotionen erfährt – und seinerseits reagiert. Was genau sollen wir hier also trainieren? Es mag Menschen geben, denen es gelingt, stets ein Pokerface aufzusetzen, egal wie es in ihnen aussieht. Aber das ist hier nicht gemeint. Sondern offenbar die Fähigkeit, diese Emotionen benennen zu können. Wäre schon ein erster Entwicklungsschritt.

Das klappt nicht unmittelbar in der Situation, in der ein Gefühl zum Ausdruck kam. Sondern nachher. Bei einem kurzen Gang zur Kaffeemaschine, auf dem Heimweg, in einem Moment der Ruhe. Sich einfach fragen: Was hat mich da ”erwischt”. Mikroreflexionen. Es gibt – natürlich – schon Apps, in denen man aus einer Liste von Gefühlen auswählen kann. Ich habe noch keine getestet, aber kann mir vorstellen, dass es durchaus hilfreich sein kann.

Nehmen wir mal an, ich habe mich aufgeregt, als ein Kollege anfing, über ”die da oben” zu schimpfen. Habe die Augen verdreht, nichts gesagt, aber hörbar tief eingeatmet. Er hat mich irritiert angeschaut, sonst ist nichts passiert. Aber die Situation beschäftigt mich weiter, auf dem Heimweg überlege ich, welches Gefühl da wohl ausgelöst wurde. Da könnte eine Liste mir vielleicht helfen. Und wenn ich häufiger nach solchen Situationen anschließend festhalte, was in mir passiert ist, stelle ich vielleicht wirklich ein Muster fest. Zum Beispiel, dass ich bei (vermeintlichen) Angriffen auf meinen Status mit Angst reagiere.

Gefühle verstehen

Okay, die erste Lektion gelernt. Ich kenne meine typischen emotionalen Reaktionen, ich kann sie benennen. Ob ich verstehe muss, warum sie auftreten, lasse ich mal offen – meist geht das ja Hand in Hand. Ich erkenne Situationen aus meiner Historie, in denen meine Status in Frage gestellt wurde und ich ihn vielleicht sogar schon mal verloren habe. Hauptsache, ich habe verstanden, welche Verhaltensweisen oder Äußerungen mich triggern.

Und nun? Kann ich das regulieren? Vielleicht ja wirklich. Wenn ich oft genug im Nachhinein eine Emotion benannt und mir klargemacht habe, in welchen Situationen sie immer wieder auftritt, dann kann ich mich vielleicht schon bevor ich mich in bestimmte Situationen begebe (zum Beispiel in ein Meeting mit dem besagten Kollegen) darauf einstellen. Soll heißen: Ich erkenne den Angriff auf meinen Status schneller, eben weil ich ihn erwartet habe, und statt den Kollegen anzuraunzen, hole ich Luft und äußere mich verbal zu dem Angriff.

Bleibt die Frage, was uns davon abhält, häufiger über aufgetretene eigene Emotionen nachzudenken? Was uns viel leichter fällt ist ja, den anderen für unser Gefühl verantwortlich zu machen – womit wir uns die ganze Grübelei ersparen können.

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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