KRITIK: Kinder in der Schule sollen Programmieren lernen, nun also auch noch Manager. Es gibt Unternehmen, die schicken ihre Führungskräfte in Programmierkurse. So soll Start-up Atmosphäre entstehen und den Managern ein Bewusstsein vermittelt werden, was in der neuen Welt auf sie zukommt.
Mein erster Gedanke, als ich den Beitrag las (Nerd-Niveau) war: Quatsch! Um die Veränderungen in einer digitalisierten Welt zu begreifen und Entscheidungen treffen zu können, sollten Manager natürlich Basiswissen besitzen, z.B. was man unter sozialen Medien versteht und wie diese funktionieren. Oder was Virtual Reality bedeutet, was die Blockchain ist und was Klickraten sind. Einige Unternehmen nutzen dafür das Instrument des „Reverse Mentorings“, bei dem junge technikaffine Mitarbeiter den Manager betreuen und in die Geheimnisse der digitalen Welt einführen. Aber selbst programmieren?
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Beim genaueren Hinschauen bin ich nachdenklich geworden. Programmieren können bedeutet, eine Programmiersprache zu „beherrschen“. Nicht fließend natürlich, das schaffen die meisten auch nicht im Englischen oder Spanischen. Aber zumindest die Grundbegriffe. Und wenn man einmal mit einem IT-ler spricht, der ganz begeistert von seiner Arbeit und den Möglichkeiten der neuen Technologien schwärmt, dann ahnt man, wie nützlich es sein könnte, zumindest einige ihrer Gedankengänge nachvollziehen zu können.
Ich kann selbst nicht programmieren, verfüge maximal über absolutes Anfängerniveau in Sachen HTML – und ich kann versichern, dass das nicht ausreicht, um mit einem Fachmann auf Augenhöhe zu diskutieren. Ob ein Schnupperkurs genügt, wage ich zu bezweifeln. General Electric schickt seine Manager auf ein mehrtägiges Camp, um gemeinsam zu programmieren, dort ist man von dem Nutzen überzeugt.
Natürlich gibt es auch Gegenargumente. Angeblich sei Steve Jobs ein schlechter Programmierer gewesen, und Jeff Bezos von Amazon soll auch nicht selbst programmieren. Aber es geht ja auch weniger darum, die Arbeit der Fachleute selbst zu übernehmen. Wenn Programmieren eine eigene Sprache ist und diese die Voraussetzung, sich mit den Experten zu unterhalten, dann scheint mir der Weg durchaus reizvoll. Die Alternative ist, den Fachleuten beizubringen, ihre Botschaften für Nicht-Fachleute verständlich zu formulieren. Also IT-ler zu Dolmetschern ihrer Sprache auszubilden.
Vielleicht kann man ja beides anbieten im Unternehmen? Eine Aufgabe für die Personalentwicklung. Möglicherweise handelt es sich aber auch nur um eine Übergangsphase – irgendwann sitzen die Nerds an den Schlüsselstellen der Wirtschaft – dann hat sich das Problem erledigt…
