28. September 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Respektvoller Umgang

PRAXIS: Bei den folgenden Methoden habe ich gleich mehrere Arbeitsgruppen vor Augen, die mächtig hiervon profitieren würden. Es sind zwei ”Tools”, die sich gut ergänzen (Radikal respektvoll). Das Vorgehen stammt aus den ”Liberating structures”.

Eine Bemerkung vorweg: Ich bin davon überzeugt, dass wir, egal wie sicher wir uns sind, ein schiefes Bild von unseren Kollegen haben. Sei es, was deren Motivation, Fähigkeiten als auch Einstellungen betrifft.


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Wir geben uns auch nicht sonderlich viel Mühe, unser Bild regelmäßig zu hinterfragen. Warum auch? Es gibt immer wieder Erlebnisse, die unsere Meinung verstärken und das Bild bestätigen. Wie wäre es denn, wenn sich ein Team einfach hin und wieder mal die Zeit nimmt, genau hieran zu arbeiten?

Gehört, gesehen, respektiert

Eine erste Übung: Es werden Paare gebildet, und in jeder Zweier-Gruppe erzählen sich die Partner ein Erlebnis, bei dem sie sich nicht gehört oder respektiert gefühlt haben. Es wird nicht diskutiert, nicht kommentiert, nur zugehört (8 bis 15 Minuten). Im zweiten Schritt beschreiben beide, wie es sich angefühlt hat, das Erlebnis zu beschreiben und der Geschichte des anderen zuzuhören (3 bis 5 Minuten).

Dann folgt eine ”Still-Arbeit”: Beide Partner notieren sich, welche Muster sie glauben erkannt zu haben und welche Bedeutung sie diesen beimessen (10 Minuten).

Im letzten Schritt finden wieder alle zusammen und tauschen sich aus, was sie aus den gesammelten Erfahrungen für den Alltag mitnehmen können. Z.B. die Erkenntnis, dass es manchmal einfach nur einfaches Zuhören braucht (5 Minuten).

Was ich von dir brauche

Diese Methode täte sicher so manchem Arbeitsteam gut. Vor allen jenen, in denen sich immer wieder Kollegen darüber aufregen, was die jeweils anderen mal wieder versäumt, vergessen, vernachlässigt usw. haben.

Die Anleitung sollte die Zielsetzung klar beschreiben. Es geht darum zu verstehen, was den anderen wichtig ist, um ihre Aufgaben zu bewältigen. Und dass die Bedürfnisse klar und unmissverständlich geäußert werden.

Im ersten Schritt erstellt jedes Mitglied eine Liste der Dinge, die es von den anderen benötigt, um die eigenen Aufgaben zu erfüllen. Dazu bekommen alle ca. 15 Minuten Zeit. Wichtig ist, dass diese Erwartungen in Form von Bitten an einzelne Teammitglieder formuliert werden. Und zwar so, dass die Bitten mit einem klaren ”Ja” oder ”Nein” beantwortet werden können.

Dazu wird eine Matrix vorbereitet, auf der alle Mitglieder eingetragen sind, z.B. auf einem Whiteboard. So kann jeder an jedes andere Mitglied Wünsche richten in dieser Form: ”Was ich von dir brauche, ist …”

Wünsche eindeutig formulieren

Alle bringen ihre Wünsche in dem jeweiligen Feld unter, dann vermerken diejenigen, an die die Erwartung gerichtet ist, in dem Feld schriftlich eine der möglichen Antworten: Ja / Nein / Ich werde es versuchen / Habe ich nicht verstanden.

Andere Antworten sind nicht erlaubt, es wird auch nicht diskutiert. Zum Abschluss wird gefragt, wie zufrieden alle mit dem Ergebnis sind, ob es Überraschungen gab und ob es Ansätze zur allgemeinen Verbesserung der Zusammenarbeit gibt.

Mir gefällt, dass die Antworten nicht in der großen Gruppe besprochen werden. Unklarheiten können anschließend im direkten Kontakt geklärt werden, ebenso alle notwendigen Details zur gewünschten Unterstützung.

Je nach Teamgröße kann die Bearbeitung bis zu 90 Minuten dauern. Sinnvoll eingesetzte Zeit, aber man muss sie sich auch nehmen. Ich denke zudem, dass eine externe Moderation hilfreich wäre.

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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