8. Mai 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Weniger Gespräche führen!

INSPIRATION: Sie sind Chef – womöglich noch in der Top-Etage – und haben gelernt, möglichst viele Einzelgespräche zu führen? Und bemühen sich nach Kräften, auch genau das zu tun? Dumm gelaufen, hier kommt eine neue Erkenntnis: Lassen Sie das! Wer ständig die Bürotür schließt, um mit einzelnen ”Unterstellten” zu reden, macht etwas falsch. Warum?

Weil das viel zu viel Zeit kostet. Weil Sie zwar immer wieder neue Aspekte zu hören bekommen, diese dann aber in ihren Entscheidungen berücksichtigen und sie dann im nächsten Einzelgespräch wieder kommunizieren müssen. Weil Ihre Mitarbeitenden dann über den Flurfunk erfahren, was der Chef gerade mal wieder mit einer Kollegin besprochen hat und sich das nicht unbedingt mit dem Kenntnisstand der anderen deckt. Das sorgt für Reibungsverluste und es muss ständig nachjustiert werden. Und schließlich: Es schürt die Konkurrenz untereinander: Wer besonders häufig beim Chef sitzt, der wird misstrauisch beäugt und man fragt sich, was er wohl wieder einfädelt hat.


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Kompetenzmeetings

Die Alternative? Kompetenzmeetings (Leere Worte). Gemeint sind ”kleine, funktionsübergreifende” Treffen mit Managern, deren Bereiche zusammenarbeiten müssen und die für das jeweilige Thema zuständig sind. So dass immer die Richtigen am Tisch sitzen, um alle wichtigen Aspekte eines Themas zu erfassen. So können auch Missverständnisse und unterschiedliche Auffassungen direkt geklärt werden.

Einzelgespräche sollten nur noch dann geführt werden, wenn es um persönliche Entwicklung geht. Um Feedback und um die Karriere des Betroffenen. Hier sollten Projekte, das Tagesgeschäft oder anstehende Entscheidungen außen vorbleiben. Widerstehen Sie der Versuchung, wenn in diesem Rahmen der Mitarbeitende noch mal eben ein Sachthema klären möchte. Was allerdings nur dann klappt, wenn klar ist, wann dieses Thema auf den Tisch kommt.

Das macht die Sache schwierig. Wenn jemand mal eben etwas mit seiner Führungskraft klären möchte, müsste diese eigentlich erst einmal überlegen, wer zu dem Thema noch an den Tisch gehört. Und dann diese Personen zusammenholen. Das ist lästig und wird vermutlich aus genau diesem Grund gern vergessen.

C-Titel-Inflation und die Folgen

Sollte man dann nicht lieber viel häufiger mit dem ganzen Führungsteam zusammen sitzen und gleich alles gemeinsam besprechen? Keine gute Idee, erklärt der Autor im gleichen Heft (Raus aus der Chief-Lage). Gemeint ist in diesem Fall die Inflation von C-Titeln, die dazu führt, dass es inzwischen Management-Teams in zweistelliger Größenordnung gibt.

Wobei zu unterscheiden ist zwischen jenen, die dem CEO zwar direkt unterstellt sind, aber eher beratende Funktion haben und nicht mit am Tisch sitzen müssen, wenn es um strategische Entscheidungen geht. Bitter – da ist man dann Chief von irgendwas und darf nicht mitreden. Fünf Teammitglieder sei eine gute Zahl, um sinnvoll zu diskutieren und zu entscheiden – also gelte es, das eigentliche Führungsteam zu reduzieren.

Ich frage mich, wozu es überhaupt ein Führungsteam benötigt. Klar, es geht immer auch um Status. Wer einen Titel hat, möchte natürlich auch dabei sein, wenn es um wichtige Dinge geht. Wie erklärt man seinen Mitarbeitenden, dass man nun Chief Digital Officer oder Chief Legal Officer ist, aber trotzdem nicht zum Führungsteam gehört?

Vergesst die Führungsteams

Statt die Anzahl zu beschränken – wäre es nicht sinnvoller, die oben empfohlenen Kompetenzmeetings auch hier zu nutzen und ganz auf ein Führungsteam zu verzichten? Dass immer diejenigen am Tisch sitzen, die wirklich etwas beitragen können zum jeweiligen Thema? Ich glaube, die ”Titelträger” werden letztlich dankbar sein, wenn sie nicht ständig mitreden oder sich anhören müssen, wie sich die Kolleg*innen ihre Meinungen um die Ohren hauen zu Dingen, die sie eher nicht interessieren. Solange sie vertrauen können, dass sie bei den Themen, wo sie wirklich mitreden können und wollen, auch tatsächlich gehört werden.

Überhaupt: Unter einem Team verstehe ich Menschen, die tagtäglich zusammenarbeiten, und auch gemeinsam für das Erreichen von Zielen zuständig sind. Ich kenne kaum Führungsteams, auf die das zutrifft.

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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