12. Juni 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Abschied vom Revierprinzip

INSPIRATION: Ich habe in meiner Laufbahn in Einzelbüros gesessen, aber auch mit drei Kollegen zusammen in einem größeren Raum mit vier Schreibtischen. Beides hat funktioniert. Wobei ich das EInzelbüro als die schlechteste Variante erlebt habe und deshalb bei mir die Tür stets offen stand, so dass ich zumindest das Gefühl hatte, mit den Kollegen in Kontakt zu stehen.

Am angenehmsten war für mich das Doppelbüro. Wenn der Kollege Besuch bekam, fanden in der Regel Gespräche zu dritt statt, was zu neuen Ideen und Lösungen führte. Wenn ich telefonierte und er zuhörte, entstand daraus meist ein Folgegespräch, sei es als Feedback für mich oder mit Anregungen inhaltlicher Art. Und wenn ich bei einem Problem nicht weiterkam, dann half der Austausch ebenso wie der Besuch im Nachbarbüro. 


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Und schließlich: Ich bin kein „Clean Desk“-Vertreter, bei mir stapeln sich die Vorgänge auf dem Schreibtisch, alles jeden Abend wegräumen zu müssen, wäre für mich lästig und ärgerlich.

Als mehr Kollegen im Raum saßen, war es ähnlich, allerdings gab dann natürlich mehr Telefonate und Besuche, so dass das eigene Arbeiten entsprechend häufiger unterbrochen wurde. Ich würde also heute Zweier-Büros mit offenen Türen bevorzugen. 

Ein Freund, der bei einer Investment-Bank arbeitet, erzählte, dass er das Großraumbüro klassischer Art gar nicht missen möchte. Wenn irgendjemand eine Information erhält, die für alle wichtig ist, dann ruft er in den Raum, so dass der Austausch direkt und unmittelbar ist.

Was zu der Frage führt, was von den Konzepten offener Bürolandschaften zu halten ist. Die Argumente sind ja meist die gleichen: Die Kommunikation untereinander und damit die Kooperation und Ideenfindung wird gefördert. Vor allem aber: Die Kosten können reduziert werden, weil ja nicht mehr jeder sein eigenes „Revier“ braucht, deshalb weniger Platz belegt und damit Geld gespart wird.

Das mit der Kostenreduktion funktioniert aber nur, wenn die Mitarbeiter in den Großraumbüros produktiver und innovativer sind – oder zumindest genauso produktiv wie in den Einzel- oder Doppelbüros. Das aber scheint längst nicht erwiesen. Eine Studie ergab, dass sich die direkte Kommunikation verringert und diejenige über Mail und Messenger deutlich zunimmt. In anderen Untersuchungen fanden sich doppelt so hohe Fehlzeiten in Großraumbüros. Auch die Rückzugsmöglichkeiten an Einzelarbeitsplätze werden nicht wirklich genutzt. Erstens muss man dazu jedes Mal „umziehen“, zum anderen wird das vom Vorgesetzten nicht gerne gesehen (Lost in Open Space), wie frustrierte Mitarbeiter das berichten.

Als Hauptkritikpunkte wird offenbar die ständige Sicht- und Erreichbarkeit gesehen und die Belastung durch den Geräuschpegel. Dass findige Firmen inzwischen empfehlen, „Noise-Cancelling-Kopfhörer“ aufzusetzen mit Scheuklappen rechts und links, damit auch zu signalisieren, dass man nicht gestört werden möchte, mutet schon absurd an.

Die Mitarbeiter, so liest man, sind anfangs durchaus angetan, wenn natürlich längst nicht alle. Dann aber setzen die Klagen ein. In einem Praxisbeispiel wird berichtet, dass man die Klagen inzwischen zum Schweigen bringen konnte, nachdem man einige Änderungen vorgenommen hat. Bezeichnend: „In den ersten sches Monaten kam es nicht zu großen Umbauten, aber ein paar Dinge wurden verändert, beispielsweise Büros abgeklebt, die vorher transparent waren.“ Ich wette, das hat den Architekten so gar nicht behagt, Transparenz ist doch ein entscheidendes Merkmal der neuen Arbeitswelt.

Mein Fazit: Man muss sich schon genau anschauen, welche Tätigkeiten die Mitarbeiter verrichten, ehe man sie aus ihren Büros hinaus in eine offene Landschaft befördert. Und sich vielleicht nicht Hals über Kopf in gewaltige Umbaumaßnahmen stürzen, sondern die Sache langsam angehen lassen. Am besten, so meine Empfehlung, fängt man beim Vorstand an und setzt ihn an eine Schreibtischinsel. Und dann wartet man seine Erfahrungen ab.

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