INSPIRATION: Das ist ein dickes Brett, das die Autoren im Personalmagazin bohren. Es geht darum, wie Organisationen eigentlich gestrickt sein müssen, damit ihre Mitglieder Verantwortung übernehmen. Sie haben sich über 50 Unternehmen angeschaut und sich dabei die Frage gestellt, welche Strukturen verantwortliches Handeln eigentlich ”verunmöglicht”. Die Antwort lautet:
”Das unsichtbare Betriebssystem unserer sozialen Wirklichkeit: die Ideologie.” (Die unsichtbaren Grenzen der Verantwortung). Mit der optimistischen Nachricht: Dieses lässt sich umschreiben.
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Und sie haben vier unterschiedliche Arten von ideologischen Konfigurationen gefunden, als da wären:
Ideologie entscheidet
Die autoritäre (rote) Organisation: Diese kennen nur eine Währung: Macht. Die ist an der Spitze angesiedelt. Das Eigentum ist konzentriert, die Regelwerke sind engmaschig, Kontrolle, Sicherheit und Stabilität sind handlungsleitend. Menschen sind fehlbar, sie gehorchen statt zu urteilen. Entscheidungsrechte hängen an der jeweiligen Position. Verantwortung wird nach oben delegiert. Klingt vertraut, wenn auch in einer extremen Form vermutlich seltener geworden.
Die neoliberale (gelbe) Organisation: Hier ist die wahre Währung die Marktperformance. Wettbewerb ist das zentrale Prinzip, wahr ist, was der Markt belohnt. Das Eigentum halten die Shareholder, Macht haben diejenigen, die Rendite liefern. Die Kennzeichen sind auch vertraut: Dashboards, Rankings, KPIs, Quartalsziele, Bonus-Systeme, Zielvereinbarungen. Hier rechnen Menschen statt zu urteilen. Sie konkurrieren miteinander, immerhin können sie hier mitdenken – aber nur innerhalb des Systems. Verantwortung wird hier nach außen, an den Markt delegiert.
Die sozialdemokratische (orange) Organisation: Hier ist die Währung Fairness. Wahr und gut ist, was von allen, die betroffen sind, mitentschieden wird. Dialog und Kompromisse sind die Merkmale. Eigentum ist breiter verteilt, Macht liegt bei vielen Stakeholdern. Menschen können und sollen mitdenken, wichtig sind faire Prozesse. Womit Verantwortung an Prozesse delegiert wird. Problem dabei: Alles wird verhandelt, ”die Organisation ist gerecht, aber nicht gerichtet.”
Purple Organisation
Man ahnt, worauf des hinausläuft. Die Alternative lautet: Die purpose getriebene (purple) Organisation. Sie macht ”Verantwortung zum Existenzgrund selbst”. Und da es nicht den einen, den wahren Existenzgrund gibt (die alte Diskussion: Dient eine Organisation dem Eigentümer, dem Kunden, den Mitgliedern oder wem noch?), wird diese Frage immer wieder neu gestellt und diskutiert. Entscheidungen werden dort getroffen, ”wo Sachkenntnis und Betroffenheit zusammentreffen”. Gefragt wird nicht ”Ist das fair?”, sondern: ”Wofür sind wir da?” So dass immer wieder neu entschieden wird, welches Gut gerade Vorrang hat: Exzellenz, Gerechtigkeit oder Nachhaltigkeit.
Zwei Anmerkungen dazu: Diese vier ”Typen” sind – wie immer bei solchen Vereinfachungen, nirgendwo in Reinform anzutreffen. Und die jeweiligen zugrundeliegenden Ideologien dürften in jedem Unternehmen mehr oder weniger Einfluss haben, man denke an börsennotierte Unternehmen mit starker Machtkonzentration an der Spitze, aber auch einer starken Arbeitnehmervertretung.
Purpose Ownership
Einen entscheidenden Einfluss hat das Eigentum. Ist das in den Händen einiger weniger, werden diese auch über die Frage: ”Wofür ist das Unternehmen da?” entscheiden, im Notfall allein. Daher findet sich auch der entscheidende Begriff – wenn auch etwas versteckt – in dem Beitrag: Purpose Ownership. Gemeint ist die ”rechtlich verbindliche Zweckbindung des Eigentums.” So etwas ist möglich, wie Pioniere zeigen. Sonst kann jedes Reflektieren über den Zweck der Organisation leicht ausgehebelt werden und führt am Ende nur zu Zynismus.
Es lohnt sich auf jeden Fall für jede Organisation, sich die Frage ”Wofür sind wir da?” zu stellen. Und für jeden Beschäftigten. Um dann zu schauen, ob er oder sie ihre Energie für diesen Zweck wirklich auf Dauer einsetzen möchte.
