1. November 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Die Sache mit dem Hadern

INSPIRATION: Wer in heutigen Zeiten entspannt durchs Leben läuft, der gehört entweder zu den unverbesserlichen Optimisten („Alles wird gut“) oder glaubt an Wunder (”Der liebe Gott wird es schon richten”). Beide Haltungen ändern sicherlich wenig. Aber auch das jeweilige Gegenteil (Hoffnungslosigkeit oder Zerstörungsfantasien) bringen niemanden weiter. Nico Rose empfiehlt in der managerSeminare die Haltung des Meliorismus. Die Einstellung, dass „die Dinge grundsätzlich besser (gemacht) werden können” (Mut zum Besseren).

Das passt zum Beitrag von Volker Busch im gleichen Heft (Annehmen statt abwehren). Es geht um die Fähigkeit, Dinge erst einmal so zu akzeptieren, wie sie sind. Was uns verflixt schwerfällt. Angeblich klagen Menschen 20 bis 30 mal am Tag – was an sich nicht schlimm ist. Es gibt ja auch gerade ziemlich viel, über das wir uns aufregen können. Aber was heißt gerade – vermutlich war das schon immer so.


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Nun kann man wie die oben erwähnten Pessimisten in völlige Hoffnungslosigkeit oder Zynismus verfallen, oder wie die unverbesserlichen Optimisten alles schön reden. Oder schlichtweg Dinge ausblenden, ignorieren. Mag sein, dass es dem einen oder anderen so gelingt, nicht ins Grübeln zu verfallen oder sich nicht in endlosen Gedankenspiralen zu verheddern. Gesund dürfte beides auf Dauer nicht sein.

Akzeptanz lautet die Alternative

Laut einer Studie geht häufiges Hadern mit Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Kopfschmerzen und eine Verschlechterung des Immunsystems einher. Was hilft? Akzeptanz. Keine neue Erkenntnis. Aber sagen Sie mal jemandem, der sich gerade wieder furchtbar über die Ungerechtigkeit auf der Welt aufregt, er solle sich in Akzeptanz üben. Oder die gleiche Empfehlung jemandem geben, der gerade seinen Job verloren hat. Oder sogar einen geliebten Menschen …

Das war schon immer schwer. Wird aber offenbar in der heutigen Zeit noch durch etwas anderes erschwert. An vielen Orten wird uns suggeriert, dass wir heute Mittel und Wege an die Hand bekommen, um unser Leben zu kontrollieren. Es gibt für alles eine App, für jedes Problem einen ”Influencer”, der erklärt, wie es sich lösen lässt. Selbst unser Körper lässt sich beliebig optimieren. Da geht die Fähigkeit, sich mit Dingen zu arrangieren, verloren. Weil eine Erwartungshaltung erzeugt wird, die unerfüllt bleibt – was uns noch unglücklicher macht und das Hadern verstärkt.

Bevor wir uns also in Fatalismus stürzen oder verzweifelt versuchen, alles und jedes Problem in den Griff zu bekommen, heißt es also zu akzeptieren. Dazu drei Schritte, die sicherlich auch nicht neu sind, aber – wie so oft – tut es gut, sich hin und wieder daran zu erinnern

Ankommen

Soll heißen: Die Gefühle erst einmal zulassen. Man darf fluchen, weinen, trauern – sogar toben. Und sich dann der Situation stellen. Ich stelle mir vor, dass solche Sätze für ein wenig Distanz sorgen können: ”In was für ein Schlamassel bin ich da geraten?” – ”Da hat es mich aber gerade mal so richtig erwischt!” – ”Schlimmer geht’s kaum noch, so tief bin ich noch nie gefallen!” – ”Es war so lange alles gut, da ist es nicht weiter erstaunlich, dass auch mal so etwas passiert.”

Da fällt mir ein: Das kann man auch auf die gesellschaftliche Situation anwenden. ”Wir haben viele wunderbare und friedliche Jahre erleben dürfen, jetzt ist es gerade alles andere als erbaulich.” Ich muss das nicht gut finden, aber zumindest als Fakt anerkennen.

Perspektivenwechsel

Ein zweiter Schritt wäre sich zu fragen, welche positiven Seiten das schmerzvolle Ereignis bzw. die schwierige Situation hat. Schon klar, dass kann schnell in Sarkasmus enden. Wer seinen Job verliert, der könnte sich überlegen: ”Jetzt habe ich genug Zeit für die Dinge, die ich bisher immer aufgeschoben habe!” Wird ihn in diesem Moment vermutlich nicht trösten.

Aber er könnte auch sagen: ”Das ist eine ganz neue Herausforderung für mich, da kann ich mal mir und anderen zeigen, zu was ich fähig bin!” Wäre schon was anderes, oder? Es geht sicher nicht darum, irgendetwas zu finden nach dem Motto: ”Hauptsache positiv”. Sondern etwas, dass wieder ein wenig Lust auf die Zukunft macht.

Ich bleibe mal bei dem Beispiel der gesellschaftlichen Situation. Ich selbst schwanke oft zwischen Fassungslosigkeit und Resignation. Der Perspektivenwechsel für mich sieht im Moment so aus, dass ich – ganz anders als vorher – inzwischen Petitionen unterschreibe, sie weiterleite, immer mal wieder an Organisationen spende, die sich engagieren. Und damit zumindest das Gefühl habe, nicht ganz den Entwicklungen ausgesetzt zu sein. Und dass ich in Diskussionen stärker Position beziehe.

Das Gute an den Entwicklungen ist also, dass ich mich unbequemen Situationen aussetze und daran – hoffentlich – weiter wachse.

Busch schreibt, dass es natürlich Ereignisse gibt, in denen ein solcher Perspektivenwechsel kaum möglich ist. Bei existenziellen Krisen wie dem oben angesprochenen Verlust eines geliebten Menschen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es auch dann möglich ist. Ungleich schwieriger sicher, aber möglich.

Weitermachen

Der dritte Schritt ist auch nicht einfacher. Es geht darum, das eigene Ziel nicht aufzugeben nach dem Motto: ”Hat ja eh keinen Zweck mehr!” Commitment heißt das Zauberwort. Wenn mir das Ziel noch wichtig ist, gestehe ich mir ein, dass es manchmal Rückschläge und Hürden gibt. Gleichzeitig bekräftige ich mir selbst, dass ich nicht aufgebe und das mir Mögliche unternehmen werde, damit es weitergeht.

Der Schritt ist nach meinem Empfinden der schwierigste von allen, denn mitunter verliert man auch mal sein Ziel aus den Augen. Oder es verliert komplett an Bedeutung. Dann ist vielleicht ein neues Ziel angesagt – was eine enorme Kraftanstrengung erfordert.

Hätten Sie ein Beispiel, wo Ihnen das gelungen ist?

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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