10. September 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Besser abschalten

PRAXIS: Gehören Sie auch zu den Menschen, die schlecht von der Arbeit abschalten können? Die Probleme und Aufgaben, praktisch oder nur gedanklich, mit nach Hause nehmen? Oder, wenn Sie ohnehin viel im Homeoffice sitzen, erst gar keinen ”Feierabend” machen, sondern nur hin und wieder die Arbeit unterbrechen?

Früher, als alles besser war, gab es diese Grenze zwischen Arbeit und Privatleben noch. Heute verschwimmt sie. Was u.a. daran liegt, dass Menschen, die konsequent ”Feierabend” machen, inzwischen eher verdächtig sind. Wer hingegen zeigt, dass er ständig und überall arbeitet, sorgt halt dafür, dass der Laden läuft. Mal wieder richtig was leisten ist ja auch eine höchst aktuelle Forderung aus Politik und Wirtschaft.


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Dazu kommt, dass viele ihrer Arbeit immer mehr ”hinterherhinken”. Was wiederum damit zu tun hat, dass es viele unproduktive Prozesse gibt und nach wie vor endlose Meetings verhindern, dass wir noch zu unserer ”eigentlichen” Arbeit kommen.

”Toolismus“

Schließlich hängt das Phänomen sicherlich auch mit dem digitalen Zeitalter zusammen, in dem wir jederzeit erreichbar sind und von überall auf Arbeitsthemen zugreifen können. All die schönen digitalen Tools, die das Arbeiten ja so sehr erleichtern – und offenbar gleichzeitig das Gegenteil bewirken.

Was aber tun? Hier die Tipps von Markus Väth (Radikal abgrenzen). Da wären zunächst die Dinge, die jeder Einzelne in Angriff nehmen kann:

Grenzrituale

So kleine Dinge wie die Tür bewusst hinter sich schließen, wenn wir nach Hause kommen. Alternativ die Tür zu dem Zimmer, in dem der Rechner steht. Oder entspannt duschen. Oder das Smartphone ausschalten.

Gedanken parken

Wenn Sie merken, dass die Probleme und Themen des Jobs nachhallen, weiterwirken – dann parken Sie sie. Dazu müssen Sie diese erst einmal bewusst registrieren und akzeptieren: ”Ah, da bist du ja noch!”, um sie dann z.B. auf einem Zettel zu notieren, in einem eigenen Büchlein oder einer digitalen Liste (Stichwort Tools). Damit steigt die Chance, dass sie aus dem Kopf sind – zumindest für eine Weile.

Maßnahmen im Team

Schön wäre es, wenn wir mit dem Problem nicht allein gelassen werden. Also könnte man das Thema auch im Team platzieren – was allein schon für Erleichterung sorgt. Sich austauschen, wie es den anderen geht. Um dann auch Maßnahmen im Team entwickeln:

Autonomes Zeitmanagement

Klingt erst mal paradox, wenn jeder einzelne noch mehr Freiheiten bekommt, seine Arbeit zu planen. Aber ist dennoch plausibel. Wir haben unser Leben nicht mehr in einer festen Struktur organisiert: von 8 bis 17 Uhr arbeiten, dann Feierabend. Die Abläufe sind bei jedem unterschiedlich. Wenn er die Chance hätte, auch die Arbeit zeitlich nach seinen Bedürfnissen einzuteilen, sinkt die Gefahr des ständigen Arbeitens.

Damit das klappt, müsste es klare Verantwortlichkeiten im Team geben – und diese werden im Team selbst geregelt: Arbeitszeiten, Urlaubsregelungen, Pausen, Stellvertreterregelungen. Klar muss nur sein, dass die Aufgaben erledigt werden, wie, das regelt das Team. Auch wichtig: Es muss Transparenz herrschen: wer für was zuständig ist, wer wann vor Ort ist und und wer wann ansprechbar ist. Dabei helfen – natürlich – digitale Tools.

Wobei: Wenn diese Dinge im Team besprochen werden, stellt sich oft schon heraus, dass man gut auf einige Prozesse und Aufgaben verzichten kann. Womit wir beim nächsten Tipp sind:

Not-to-Do-Listen

Gemeint ist, dass sich das Team genau anschaut, welche Aufgaben und Prozesse ohne negative Konsequenzen gestrichen werden können. Müsste in einer eigenen Veranstaltung geschehen, Väth schlägt dafür die 1-2-4-Methode vor.

Übrigens: Not-to-Do-Listen können auch jedem Einzelnen ganz nützliche Dienste leisten.

Maßnahmen des Unternehmens

Und was kann das Unternehmen beisteuern, um der Entgrenzung entgegen zu wirken? Väth schlägt vor, ”Wellbeeing als Bestandteil der variablen Vergütung” der Führungskräfte zu etablieren. Weil man ja Kennzahlen zur Verfügung hat, z.B. die Anzahl der Überstunden. Oder die Krankheitstage im Team.

Bekanntlich bin ich so gar kein Freund solcher Anreizsysteme, weil sie in der Regel absurde Folgen haben. Findige Führungskräfte werden schon Mittel und Wege finden, mit Zahlen zu tricksen. Aber sich mit Überstunden zu beschäftigen und in der Organisation zu schauen, wo diese anfallen und dann gemeinsam zu überlegen, was zu tun ist, könnte ja nicht schaden.

Überhaupt: Gesundheitsmanagement wäre das Stichwort, unter dem man auch mal über die Nutzung von Pausen und über die zunehmende Entgrenzung sprechen könnte. Und dann sind da ja noch die Möglichkeiten, auch technisch für die Unerreichbarkeit von Mitarbeitenden für bestimmte Stunden oder Tage zu sorgen. Die Tools mit einem Tool eingrenzen …

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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