19. September 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Feuerwehr

Komm mit Mann (oder Frau)!

INSPIRATION: Warum sollte man sich das freiwillig antun: Ehrenamt? Freiwillige Feuerwehr, Rettungsdienst, Such- und Rettungsteam oder Bevölkerungsschutz. Wie kommt es zu Commitment unter Hochrisikobedingungen?

Zuletzt erst haben wir über Freiwilligenorganisationen, also über das Ehrenamt berichtet. Die Freiwilligen können, aber müssen nicht mitmachen. Führung kann sich in solchen Organisationen nur auf Sinn, gemeinsame Werte, Vertrauen und das Erleben von gelingender Kooperation stützen. Vielleicht sollte man also eher von Verführung statt von Führung sprechen?


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Doch, mal Hand aufs Herz, was passiert, wenn die Bedingungen dann doch allzu heftig werden? Was bringt ehrenamtlichen Helfer*innen dazu, auch unter hoher Belastung weiterzumachen? Und nicht doch die Brocken zu schmeißen? Diese Fragen stellten sich nun ein Forscherpaar an der Bergischen Universität Wuppertal (Motivation under pressure). Sie werteten dafür die internationale Forschungslage aus: 87 empirische Studien aus 24 Ländern mit insgesamt 8.162 Teilnehmenden, von Freiwilligen Feuerwehren über Rettungsdienste und Such- und Rettungsteams bis zum Bevölkerungsschutz.

Das Team macht‘s

Das zentrale Ergebnis knüpft an der letztens vorgestellten Studie (Ein Sack Flöhe?) nahtlos an: Nicht die persönliche Widerstandskraft entscheidet. Es sind vor allem die Bedingungen, unter denen ehrenamtliches Engagement stattfindet. Stärkster Motivator ist die erlebte soziale Eingebundenheit: Wer bleibt, bleibt wegen des Teams. Es zählen Teamzusammenhalt, Identifikation mit der Organisation und gegenseitiges Vertrauen. Eine gute Ausbildung, eine angemessene Einsatzvorbereitung, Rollenklarheit und konstruktives, nachvollziehbares Feedback der Einsatzleitung sind entscheidend. Hinzukommen Mitsprachemöglichkeiten und Entscheidungsspielraum vor Ort.

Zum Ausstieg kommt es bei dauerhafter Überlastung, Konflikten zwischen Ehrenamt, Beruf und Familie, hoher Alarmdichte, Sekundärtraumatisierung durch das Miterleben fremden Leids, schwacher Führung und Kommunikation sowie erlebter Ungerechtigkeit und fehlender Anerkennung.

Handlungsempfehlungen

Aus der Fülle der Daten lassen sich schon erste Handlungsempfehlungen für die Organisation der Ehrenamtlichen ableiten:

  • „Alarmhygiene“: Eine gezieltere Alarmierung und Zurückhaltung bei weniger dringlichen Alarmierungen können helfen, Frustrationen zu verhindern.
  • Erholung verankern: Die psychologische Betreuung und Nachbesprechungen von Einsätzen sollte nicht nur nach außergewöhnlichen Schadenslagen die Regel sein.
  • Rollenklarheit: Ehrenamtliche sollten wissen, was von ihnen erwartet wird und nach welchen nachvollziehbaren Kriterien sie Verantwortung übernehmen können.
  • Bürokratie vereinfachen: Einfache digitale Formulare sparen Zeit für die eigentliche Einsatzarbeit.
  • Mentoring: Ein Ausbildungs-Pate, der jederzeit ansprechbar ist, stärkt das Zugehörigkeitsgefühl zur Organisation.

Und noch einmal die alte Frage: Sollten sich daran nicht auch die „richtigen“, For-Profit-Manager orientieren?

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Thomas Webers

Dipl.-Psych., Dipl.-Theol., Fachpsychologe ABO-Psychologie (DGPs/BDP), Lehrbeauftragter der Hochschule Fresenius (Köln), Business-Coach, Publizist

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