4. Juni 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Jolts

INSPIRATION: Haben Sie schon mal daran gedacht zu kündigen? Vermutlich ja, irgendwann kommt der Moment, in dem man denkt: ”Das muss ich mir nicht mehr jeden Tag antun!” Wenn man aber Menschen fragt, ob sie weiter arbeiten würden, auch wenn sie nach einem Lottogewinn über ausreichend Geld verfügen würden, sagen ca. 70%, dass sie genau das tun würden.

Kann ich nachvollziehen: Menschen möchten etwas bewirken, schaffen, Sinnvolles tun. Nur meist nicht genau das, was sie zur Zeit in ihrem Job machen. Laut Anthony Klotz (Meistens ist Kündigen sowieso nicht das Richtige) finden Kündigungen in der Hälfte der Fälle nach einem rationalen Prozess statt. Die andere Hälfte erfolgt nach einem einzelnen Ereignis, das zum Auslöser wird. Er nennt diese Ereignisse ”Jolts” (Erschütterungen).


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Negative und positive Jolts

Also selbst wenn sie vorher nicht darüber nachgedacht hatten oder im Grunde ganz zufrieden waren, kann es passieren, dass ein einziger Moment die Entscheidung herbeiführt. Es gibt mehrere Arten von Jolts:

  • Direct Jolts: Negative Erlebnisse, die dazu führen, dass wir unsere Beziehung zum Job überdenken und zu dem Ergebnis gelanden, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Wie z.B. die Änderung des Dienstplanes, der unser Privatleben massiv beeinträchtigt. Oder eine Belästigung. Oder ein Scheitern wie das Vorziehen eines Kollegen bei der Beförderung.
  • Collateral Jolts: Wenn im direkten Umfeld meiner Arbeit etwas geschieht, das Auswirkungen auf uns hat. Wenn z.B. einer Kollegin gekündigt wird. Oder ein Kollege, den wir mögen, hat gekündigt. Und wir auch noch seine Aufgabe mit übernehmen müssen.
  • Crossover Jolts: Hier beeinträchtigen Aspekte der Arbeit uns plötzlich so sehr, dass unser Privatleben leidet.
  • Remote Jolts: Gemeint sind negative Ereignisse weit außerhalb unseres Jobs. Dinge, die auf der Welt geschehen und uns an der Sinnhaftigkeit dessen, was wir tun, zweifeln lassen. Wir uns fragen, ob das, was wir tun, uns wirklich glücklich macht.
  • Positive Jolts – die gibt es auch. Jemand wird befördert und denkt sich: Huch, meine Arbeit ist offenbar doch mehr wert als ich dachte, da schaue ich mich mal woanders um.

Nicht sofort handeln

Ob man tatsächlich nach einem singulären Ereignis spontan kündigt, ohne vorher jemals darüber nachgedacht zu haben, bezweifle ich etwas. Aber es mag sein, dass der Gedanke vorher nicht im Vordergrund stand. Bei Fällen, die ich kenne, hatten die Betroffenen zuvor schon länger überlegt, dann kam der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Was aber ein guter Rat ist: Erst mal nichts tun. ”Im Krisenmodus lässt sich oft keine rationale Karriereentscheidung treffen.” In der Regel also erst mal innehalten, nichts überstürzen. Und sich fragen, ob tatsächlich die Situation insgesamt so schlimm ist, dass es nur diesen einen Weg gibt.

Denn da gibt es noch einen weiteren ”Jolt” – den Honeymoon Jolt. Studien belegen, dass die Mehrheit derjenigen, die ihren Job wechseln, nicht mehr die gleiche Zufriedenheit wie in ihrem alten erlangen. Bitter.

Engagement reduzieren

Also nicht zu schnell kündigen – gerade in Zeiten wie den aktuellen, in denen die Chancen auf eine neue Stelle gerade nicht sonderlich gut stehen.

Der Hinweis freut vielleicht so manchen Arbeitgeber, aber hier warnt der Forscher. Selbst wenn Menschen doch bleiben, so hinterlassen diese Ereignisse ihre Spuren. Und statt zu gehen, reduzieren sie ihr Engagement. Keine wirkliche Neuigkeit. Daher sollten Führungskräfte stets achtsam sein. ”Das verlässlichste Anzeichen für eine bevorstehende Kündigung ist, dass eine Person stiller wird und in Meetings weniger sagt.”

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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