27. Oktober 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Keine griechischen Tragödien mehr

INSPIRATION: In der Regel läuft das bei MWonline so: Wir lesen eine Reihe von Beiträgen in einer Publikation, stolpern über etwas Neues, Anregendes, Ärgerliches, Verrücktes und entwickeln hieraus unsere Beiträge. In denen wir die ”Fundstücke” kommentieren, kritisieren, in einen neuen Kontext setzen oder einfach nur darüber informieren, was wir selbst beeindruckend fanden.

Was nun tun mit einem Heft, in dem es gleich so viele interessante Beiträge zu einem Thema gibt, das es praktisch kaum möglich ist, jeden einzelnen aufzugreifen und zu verarbeiten. Und gleichzeitig auch nicht gelingt, zentrale Erkenntnisse abzuleiten, die sich durch alle Beiträge ziehen? Meine Lösung: Ich stelle alle extrem verkürzt vor und verweise jeweils auf die Originalquelle. Wer sich inspiriert fühlt, dem sei die Ausgabe 9/2026 der Brand eins wärmstens empfohlen.


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Es geht um eine neue Generation von Unternehmer*innen. Menschen, die – ob freiwillig, mehr oder weniger gedrängt oder einfach hineingestolpert – plötzlich ein Familienunternehmen leiten und vieles anders machen als die Generation vor ihnen.

Etwas bewegen

Edding – kennen wir Trainer und Moderatoren nur allzu gut. Die Firma sitzt bei Ahrensburg, dort gibt es einen Gesellschafterkreis, der zum Großteil aus der jüngeren Generation besteht und sich über Werte Gedanken macht. Man möchte etwas bewegen, und – man staune – Gewinn soll kein Selbstzweck sein, sondern Mittel für soziale und ökologische Zwecke.

Miteinander statt gegeneinander

Viba Sweets in Thüringen. Dort produziert man Süßigkeiten. Die Vorständin organisiert in lokalen Unternehmernetzwerken Deutschkurse für ausländische Fachkräfte und glaubt nicht daran, dass Firmen die Herausforderungen der Zukunft noch allein bewältigen können. Wissen teilen ist angesagt. Und Engagement, z.B. für Demokratie. Was zu Anfeindungen vor dem Firmengelände führte.

Bedürfnisorientierte Führung

W.R.Lang in Neuwied. Hier werden orthopädische Produkte hergestellt. Die Chefin hat im Familienunternehmen ihre Ausbildung gemacht und ”kam dann nicht mehr weg”. Sie steht für eine neue Generation von Managern, die nicht nur stärker auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden achtet, sondern auch auf die eigenen. Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist dort kein leeres Schlagwort. Inzwischen ist der Bruder mit eingestiegen, die geteilte Verantwortung hilft beiden und der Firma.

Einfache Mathematik

Holzner in Baden-Württemberg. Das Unternehmen besetzt eine spezielle Nische (Dampfsterilisatoren). Das Ziel des jungen Chefs: Möglichst viel selbst machen, schon jetzt liegt die Eigenleistungsquote bei 85%. Der Grund: ”Wenn wir mehr inhouse erledigen, kann ich mehr Leute einstellen und die unbequemen Montageeinsätze auf mehrere Köpfe verteilen. Das ist ganz einfache Mathematik.” Offenbar hat hier jemand verstanden, wie man Menschen ans Unternehmen bindet – eben nicht durch alle möglichen ”Incentives”, sondern durch sinnvoll strukturierte Tätigkeiten (Die Antipatriarchen).

Die Frauen müssen es richten

Hitschler bei Köln – vor knapp 100 Jahren als Kaugummi-Produzent gegründet, heute bekannt für saure Drachenzungen. Der junge, hyperaktive Chef ist auf allen möglichen Plattformen mit nervigen Videos unterwegs und nervt auch seine Belegschaft. Er hat praktisch alles auf den Kopf gestellt, was früher galt, heute sind zwei Drittel der Mitarbeitenden Frauen und er hat es geschafft, gegen die Großen der Branche zu bestehen (Der Candy Crusher).

Kein Wachstumszwang

Härle im Allgäu. Eine Brauerei in der vierten Generation, eine Branche, die in der Krise steckt. Der Bierkonsum geht zurück, aber Härle steht noch ganz gut da. Der Inhaber setzte früh auf Nachhaltigkeit und wurde lange als ”grüner Spinner” betrachtet. Sein Vater hat ihm freie Hand gelassen, aber im Alter hat er nun selbst ein Problem: Da er kinderlos ist, kam die Weitergabe innerhalb der Familie nicht in Frage. Die Lösung? Die Tochter der Nachbarn, seit Kind regelmäßig zu Besuch und inzwischen sogar adoptiert. Zusammen führen sie heute das Unternehmen und teilen die Auffassung, dass Gewinnerzielung wichtig ist, aber -maximierung nicht. Und dass Unternehmen nicht zwangsläufig wachsen müssen (Die Tochter, die keine war).

KI, wo es sinnvoll ist

Mey auf der Schwäbischen Alb. Als Wäschehersteller in Deutschland hat es das Familienunternehmen alles andere als einfach. Der Unternehmer setzt auf künstliche Intelligenz, aber höchst pragmatisch. Ihm ist klar, dass KI schon jetzt so manche Tätigkeit vereinfachen und unterstützen kann. Sie ist zum Beispiel im Einsatz, um die Bilder zu erstellen, mit denen die Wäsche im Netz präsentiert wird. Außerdem versucht man, das Wissen der Mitarbeitenden, das kaum dokumentiert ist, mithilfe von KI zu bewahren. Eine spezielle Software soll ihnen die Weitergabe ihrer Erfahrungen so einfach wie möglich machen. Und es gibt die KI, auf die man bewusst verzichtet. KI wird nicht um der KI willen eingesetzt (Therapien gegen die Unternehmensdemenz).

Vom Konzern in die Schreinerei

Biehrer bei Freiburg. Die Tochter macht Karriere bei Mercedes und entscheidet sich, in den Familienbetrieb mit 20 Mitarbeitenden einzusteigen – was selbst der Vater für verrückt hält. Inzwischen teilt sie sich mit ihm die Geschäftsführung. Sie kam zu der Erkenntnis, dass sie ”für keine Teamleitung so brennt wir für unser Familienunternehmen”. Bevor es so weit war, gab es eine vierjährige Probezeit. Die hat sie wohl gut überstanden (Zurück zum Stamm-Geschäft).

Klempnern im Kollektiv

Plewa Installationen bei Schwandorf. Der Unternehmer sollte mit Mitte 20 den Installateur-Betrieb von seinem Chef übernehmen, aber wollte das nicht allein machen. Zusammen mit zwei Freunden gründete er ein Kollektiv, die Idee: ”Jeder muss jeden ersetzen können, und alle sollten dasselbe Geld verdienen.” Und jeder sollte nur 30 Stunden die Woche arbeiten. Das funktionierte, bis das Unternehmen wuchs, das Modell stieß an seine Grenzen. Man ist zur Hierarchie zurückgekehrt, aber die ”alten” Werte gelten immer noch (Wenn alle alles machen sollen).

Analoges Produkt

Columbus-Verlag in Schwaben. Die erstaunlichste Geschichte zum Schluss. Es gibt tatsächlich einen erfolgreichen Globus-Hersteller. In einer Welt, in der sich Grenzen nahezu täglich verschieben, Ozeane und Seen umbenannt werden und man bei Landkarten vor allem an ”Maps” denkt, vertreibt die Familie Oestergaard ein analoges Produkt, für das es offenbar immer noch eine Nachfrage gibt. Als die Mauer fiel und die Sowjetunion zerbracht, landeten Tausende Goben auf dem Müll, von 120 Angestellten blieben sechs übrig. Heute sind es wieder 65 Beschäftigte, und der junge Nachfolger hat festgestellt, dass eine Karriere in einem Konzern nicht sein Ding ist. Dass inzwischen der Kosmos-Verlag Mehrheitseigentümer ist, hat ihm zusätzliche Sicherheit gegeben (Ein Produkt von gestern für die Welt von morgen).

Und dann ist da noch der Professor für Unternehmensnachfolge (”Letztlich arbeite ich immer noch mein eigenes Trauma ab”). Er hatte mit 25 Jahren den elterlichen Betrieb übernommen und sich selbst auch. Als er verkaufte, war das für seinen Vater schwer, aber später waren alle froh. Heute berät er Familien in Sachen Nachfolge. Nach ihm gibt es die klassischen Patriarchen eigentlich nicht mehr, aber die alten Werte leben nach wie vor: Einer hat am Ende das Sagen.

Da scheint sich so manches mit der neuen Generation zu verändern (Magie der Zusammenarbeit). Sein Rat: Alle Beteiligten sollten sich darüber im Klaren sein, dass ein Verkauf auch eine gute Alternative ist, das entspannt und verhindert die griechischen Tragödien.

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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