INSPIRATION: Es ist über 10 Jahre her, da berichteten wir zum ersten Mal über die Idee, dass sich zwei Führungskräfte einen Job teilen (Team im Team). Wir haben auch einen WebTalk zu dem Thema mit praktischen Beispielen durchgeführt (Jobsharing bei Führungskräften). Was wir auch über das Modell gelesen haben – die Erfahrungen klangen immer positiv.
Nun finden wir weitere Beispiele, diesmal in der Brand eins (Ein Fall für zwei). Die Namen der Firmen sind prominent: Spotify, Netflix, Oracle, JP Morgan Chase Europa, u.a. So teilen sich zwei Frauen den Vorstandsjob bei Ben & Jerry’s Deutschland, und ihre Begründungen, warum es so gut läuft, klingen vertraut: ”Doppelte Führung bedeutet doppelt so viele Perspektiven.” Außerdem lässt sich der Druck, der heute mehr denn je auf Führungskräften lastet, leichter bewältigen. Gerade Führungskräfte laufen Gefahr, in ihrer Position zu vereinsamen.
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Wirtschaftlich erfolgreich
Es gibt auch gute wirtschaftliche Argumente. Nicht nur, dass der Talentpool größer wird und mehr geeignete Kandidaten einen Führungsjob finden. Von 87 börsennotierten Unternehmen, die sich zwischen 1996 und 2020 eine Doppelspitze leisteten, schnitten 60% besser ab als der Index.
Vor allem Frauen fühlen sich angesprochen, denn nach wie vor tragen sie mit der Gründung einer Familie die Hauptlast der Care-Arbeit. Mit der immer wieder gleichen Folge: Ihre Karriere wird gebremst. Teilen sie sich nun mit einer anderen Person einen Führungsjob, z.B. jeder 2,5 Tage, dann ist auch wieder eine Führungskarriere möglich.
Wenn das doch ein so erfolgreiches Modell ist – warum haben dann nicht viel mehr Unternehmen den Mut, Führungspositionen zu teilen und damit die Last auf mehr Schultern zu verteilen? In Deutschland arbeiten 86% der Führungskräfte in Vollzeit, Teilzeit-Chefs sind extrem selten.
Alte Klischees
Hat offenbar etwas mit Klischees zu tun. Nach wie vor dominiert das Bild des ”rund um die Uhr arbeitenden Chefs, der hinter einem Abwehrschirm aus Sekretärinnen und Assistentinnen ebenso einsame wie geniale Entscheidungen trifft.” Vor allem Männer fürchten einen Statusverlust, wenn sie sich einen Job teilen. Sie könnten als weniger leistungsbereit wahrgenommen werden und vor allem weniger sichtbar sein. Diese Zahl spricht für sich: Lediglich 3 % der männlichen Führungskräfte ist in Teilzeit tätig, bei den weiblichen sind es 32 %.
Meine Hoffnung ist die junge Generation von Unternehmer*innen, die auf Kooperation setzen und offenbar verstanden haben, dass es neben dem Job auch noch andere Dinge im Leben gibt. Gerade wenn es darum geht, ein Familienunternehmen fortzuführen, könnte das Modell höchst attraktiv sein (Viel reden). Wer das konsequent zu Ende denkt, kommt an dem Modell der Doppelspitzen gar nicht vorbei. Mehr noch: Vielleicht gibt es in Zukunft sogar das eine oder andere echte Führungsteam …
