INSPIRATION: Möchten Sie ein guter Mensch sein? Gut im Sinne von ”das Richtige tun”, ”Ihren Werten treu bleiben”, ”anständig handeln”, ”sich ethisch korrekt verhalten”? Vorausgesetzt, das ist Ihr Anspruch, dann hilft als erstes so etwas wie ”moralische Demut”, erklären die Autoren im Harvard Business Manager (Das Richtige tun).
Gemeint ist, sich darüber im Klaren zu sein, dass wir alle in der Lage sind und immer wieder versucht sein werden, eben genau das nicht zu tun. Also Gesetze und Regeln übertreten können und werden, egal wie hoch unser Anspruch ist.
Wenn wir uns dagegen wappnen wollen, empfehlen die Autoren ein Drei-Schritte-Programm. Wobei dies eigentlich mehr eine Sammlung von einzelnen Empfehlungen ist, von denen jede für sich schon nützlich sein kann – sie alle zu befolgen dürfte selbst den besten Menschen überfordern 😉
Gute Vorsätze
Alles fängt damit an, dass wir uns klarmachen sollten, was wir wirklich wollen. Es mag zwar sein, dass wir die Idee haben, uns anständig zu verhalten, aber in konkreten Situationen doch das tun, was uns in diesem Moment einfacher, angenehmer, reizvoller erscheint. Wir haben ein ”ethisches Trugbild” von uns selbst.
Wie können wir dem auf die Schliche kommen? Da hilft ein Blick auf die Lebenslauf- bzw. Trauerrede-Tugenden. Erstere sind diejenigen, die sich gut im Lebenslauf machen: Zielstrebig, fleißig, lösungsorientiert, erfolgreich usw. Zweitere sind die Dinge, für die wir am Ende unsere Lebens von anderen in Erinnerung behalten werden möchten. Wie ein verstorbener Professor für sich formulierte, die für ihn die wichtigste Kennzahl seien die Menschen, ”deren Leben ich berührt und beeinflusst habe”.
Wenn-Dann-Pläne
Auch sehr nützlich: Wenn-Dann-Pläne. Wenn wir unsere Stärken, aber vor allem auch unsere Schwächen kennen, dann könnten wir z.B. formulieren: ”Wenn mein Chef mich dazu auffordert, geschönte Zahlen zu präsentieren, dann werde ich Folgendes antworten: …!”
Auch das sind natürlich nur Vorsätze, und wie alle Vorsätze können sie an der Realität scheitern. Aber die Wirkung ist eine andere als wenn wir uns vornähmen: ”Ich werde nie wieder geschönte Zahlen präsentieren!” Wichtig ist natürlich, diese Sätze zu formulieren, bevor die Situation auftritt. So ist man besser vorbereitet.
Sich bekennen
Noch ein Vorsatz: Über das zu sprechen, was man sich vorgenommen hat. Eine gute Idee? Ich stelle mir vor, man erklärt anderen Menschen: ”Ich habe mir vorgenommen, ein besserer Mensch zu werden!” Kommt seltsam rüber, oder? Aber man könnte durchaus erzählen, wenn man in einem moralischen Dilemma gesteckt hatte, wie man dieses gelöst hat. Das könnte natürlich auch selbstgerecht wirken, aber vielleicht auch zum Nachdenken anregen.
Und zuletzt: Wenn Sie in einem Bewerbungsgespräch sind und am Ende gefragt werden, ob Sie noch Fragen haben – wie wäre es mit dieser: ”In welches ethisches Dilemma könnte ich auf dieser Stelle geraten?” – ”Gibt es dazu Vorgaben in Ihrem Unternehmen?”
Richtig entscheiden
Teil 2 des ”Programms”: Was tun, wenn wir vor einer schwierigen Entscheidung stehen, die eine ethische Herausforderung darstellt? Hier hilft vor allem erst einmal, sich nicht unter Zeitdruck setzen zu lassen. Genau dann nämlich handeln wir oft unethisch – und argumentieren später, dass wir uns ja schnell entscheiden mussten.
Aber die wenigsten Entscheidungen müssen in genau diesem Moment getroffen werden, die berühmte Nacht, um darüber zu schlafen, ist (fast) immer möglich.
Gute Fragen
Und diese Zeit nutzen wir gut, indem wir uns die eine oder andere kluge Frage stellen. Hier eine Auswahl:
- Wie viele Menschen sind hiervon betroffen? Welche Entscheidung würde mehr Menschen schaden bzw. nutzen?
- Welche Regel ist hier relevant (Respekt, Ehrlichkeit, Anstand)?
- Welche Entscheidung würde am besten zu einer rechtschaffenen Person passen?
- Wie würde es mir gehen, wenn meine Entscheidung morgen in der Zeitung oder Internet veröffentlicht würde (Zeitungstest)?
- Wie würde es sich anfühlen, wenn meine Entscheidung allen anderen Menschen als Präzedenzfall dienen würde (Verallgemeinbarkeitstest)?
- Würde ich die Person, die ich nach dieser Entscheidung im Spiegel sehen würde, mögen (Spiegeltest)?
- Mit wem könnte ich über mein Dilemma sprechen? Vielleicht kennen Sie ja jemanden, den Sie zu Ihrem ”Ethikmentor” machen können.
Sozialem Druck standhalten
Noch ein Problem: Wenn wir uns ethisch anständig verhalten, könnte das dazu führen, dass wir unter sozialen Druck geraten. Menschen werden uns zu überreden versuchen, doch eine Ausnahme zu machen. Mal an die Folgen für sie zu denken. An unseren Gemeinschaftssinn appellieren …
Dann könnten folgende Fragen helfen:
- Hat dieser Mensch das Recht, so etwas von mir zu verlangen?
- Was wollen diese Menschen eigentlich bewirken? Und könnte ich dieses Ziel auch anders erreichen?
- Wie kann ich ihre Forderungen ablehnen, ohne dass sie ihr Gesicht verlieren?
Selbstreflexion
Teil 3 des ”Programms” ist, sich stetig weiter zu entwickeln. Wir werden und können uns nie komplett nach ethischen Maßstäben korrekt verhalten. Aber wir können nach schwierigen Entscheidungen darüber nachdenken, welche Konsequenzen wir hieraus ziehen. Noch besser aber ist, darüber mit jemandem zu reden, dem wir vertrauen. Der noch mal einen anderen Blick auf die Situation wirft und uns hilft, beim nächsten Mal eine bessere Entscheidung zu treffen.
