17. Februar 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Stopp-Momente

INSPIRATION: Wenn wir unter Druck geraten, dann greift unser Gehirn auf alte Muster zurück. Routinen, die wir uns irgendwann angeeignet haben. Emotionale Abkürzungen, die aus Prägungen aus der Kindheit stammen. Empfindlichkeiten, Neigungen, Präferenzen, was wir als gut oder schlecht bewerten. Keine neuen Erkenntnisse, die der Führungsexperte Shlomo Ben-Hur im Harvard Business Manager zum Besten gibt (Die Verwandlung).

Das Problem: Viele Menschen sind sich dieser Dynamik nicht bewusst, kennen ihre ”roten Knöpfe” nicht. Weil sie tatsächlich im Verborgenen schlummern. Das gilt natürlich auch für Führungskräfte. Die meisten wissen zwar, dass es solche Prägungen gibt und dass wir ihnen nicht entkommen können. Dummerweise sind manche dieser Prägungen leider heute nicht mehr so sinnvoll wie sie es vielleicht zu der Zeit waren, als sie entstanden sind. Und deshalb kommen sie uns in die Quere, erschweren uns das Leben. Auch das als Führungskraft.


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Entscheidende Fragen stellen

Was tun? Auch banal: Ihnen auf den Grund gehen, ”selbstbewusst” werden. Am IMD (International Institute for Management Development) nutzt man das ganze Arsenal an ”Hilfsmitteln“: Fallstudien erfolgreicher Manager, Persönlichkeitsanalysen, Simulationen, 360-Grad-Feedbacks. Und das alles vor dem Hintergrund majestätischer Berge in der Schweiz – das hilft, die wichtigen Fragen zu stellen. Und welche sind das?

  • Was möchte ich hinterlassen?
  • Was hält mich nachts wach?
  • Was hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin?
  • Wer waren meine Vorbilder?
  • Wie zufrieden bin ich mit meinem Leben?

Diese Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie ist wichtig, dazu aber muss man bereit sein. Das geht nicht „ohne ein gewisses Maß an Schmerz …, um den Wunsch nach Veränderung hervorzurufen.“ Damit sind in der Regel Krisen gemeint. Wenn die Karriere stockt, ein Projekt scheitert, man in Ungnade fällt, das Team nicht mehr hinter einem steht. Es hilft aber schon, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen „und kompromisslos Feedback einzuholen„.

Praktische „Hacks“

Tja, nur wer macht das schon? Die Erfahrung des Psychologen: Das Feedback heterogener Gruppen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen erhöht das Reflexionsniveau, damit sind wohl die Lerngruppen an seinem Institut gemeint.

Nun wird aber nicht jeder zum IMD pilgern, um eine bessere Führungskraft oder gar ein besserer Mensch zu werden. Also gibt der Professor auch praktische „Hacks“, als da wären:

  • Stopp-Momente vor wichtigen Meetings oder Entscheidungen einplanen. Um die automatischen Reaktionen zu unterbrechen.
  • Täglich oder zumindest wöchentlich stille Spaziergänge ohne digitale Ablenkung durchführen.
  • Mit vertrauenswürdigen Feedback-Partnern regelmäßig persönliche Themen besprechen – vor allem nach Rückschlägen.
  • Und sich immer wieder die Frage stellen: Warum verhalten ich mich gerade so?

In einem weiteren Beitrag im gleichen Heft (Sperre im Kopf) finden sich weitere Anregungen. Eine Coachin erklärt, dass es gar nicht so viele Muster gibt, die im Verborgenen wirken. Und rät dazu, sich immer dann, wenn wir uns mal wieder über andere oder über die Umstände aufregen, zu fragen, welchen Anteil wir selbst an der Situation haben. Besser: Welches Muster uns da gerade blockiert.

Typische Blockademuster

Laut Muriel Wilkins (Sperre im Kopf) sind die sieben häufigsten:

  • „Ohne mich geht es nicht“ – daher muss ich überall involviert sein.
  • „Ich brauche das jetzt sofort“ – daher mache ich ständig Druck.
  • „Ich weiß, dass ich recht habe“ – deshalb kann es ohnehin niemand anderes besser.
  • „Ich darf keine Fehler machen“ – deshalb muss ich alles ganz genau überprüfen.
  • „Wenn ich das schaffe, schaffst du das auch“ – deshalb erwarte ich immer zu viel von anderen und blockiere ihre persönliche Entwicklung.
  • „Ich darf nicht Nein sagen“ – deshalb ist es kein Wunder, dass ich chronisch überlastet bin.
  • „Ich gehöre hier nicht hin“ – das bekannte Hochstaplersyndrom.

Es gibt natürlich noch weitere, wie Roland Kopp-Wichmann in seinem „Coaching mit Lebensthemen“ so schön beschreibt. Leider sind diese Muster in der Regel nicht so offensichtlich, dass man sie selbst erkennt. Und wenn, dann fällt es schwer, dazu zu stehen. Da kann es helfen, sich zu fragen, was sie wohl verursacht haben könnte? Wenn Ihnen stets alles leicht gefallen ist, dann ist es naheliegend, dass Sie immer Recht zu haben glauben. Wenn man Ihnen wieder und wieder vermittelt hat, dass man alles schafft, was man sich vornimmt, dann werden Sie Schwächen bei anderen auch nicht akzeptieren.

Alternative Glaubenssätze

Und dann? Dann gilt es, alternative Glaubenssätze zu finden. Auch das hat Kopp-Wichmann anschaulich dargestellt. Wenn man so ein Thema entdeckt hat, dann passiert Erstaunliches, wenn man laut das Gegenteil ausspricht. Z.B. ”Ich darf Fehler machen!”

Es soll im Coaching vorkommen, dass Menschen dieser ”neuen Glaubenssatz” erst gar nicht über die Lippen kommt oder nur mit viel Überwindung. Womit auch klar ist, dass die Suche nach solchen Blockaden ohne Coach schwierig bleiben wird.

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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