INSPIRATION: Da hat mir der Autor mal so richtig aus dem Herzen gesprochen. Oder besser: Ein Thema aufgegriffen, das in der Tat an vielen Stellen für Unwillen sorgt. Es geht darum, sich klar und präzise auszudrücken. So, dass mein Gegenüber meine Gedankengänge nachvollziehen kann und sich gleichzeitig nicht jedes Detail und jeden Umweg anhören muss.
Warum drücken wir uns häufig so unklar aus? Verlieren uns in Nebensträngen, bauen komplizierte Sachkonstruktionen und flechten möglichst imposant klingende Fachbegriffe ein – wohlwissend, dass wir damit unserem Gegenüber das Verstehen erschweren? Der Beitrag in der Wirtschaftswoche (Komm doch mal zum Punkt) liefert hierfür einige interessante Erklärungen:
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- Wir nehmen an, dass wir einen Sachverhalt verstehen, fangen an zu sprechen und stellen dann fest, dass wir doch nicht so ganz den Durchblick haben (Die Illusion des Verstehens). Dann wird der Zuhörer ”unfreiwillig Zeuge eines unfertigen Denkprozesses”.
Erst nachdenken und dann reden, könnte der Hinweis lauten. Konkreter: Wenn wir uns vorbereiten, hilft es, die Kernbotschaft mal in einem einzigen Satz zu formlieren.
Zu viel Wissen?
- Wenn wir uns in einer Sache auskennen, dann möchten wir all dieses Wissen auch an den Mann bringen. Vor allem aber: Wir glauben, dass jedes Detail, jeder Sonderfall, jeder Zusammenhang wichtig sei für das Verstehen (Der Fluch des Wissens).
- Wir sind so damit beschäftigt, unsere Botschaft an den Mann zu bringen, dass wir nicht mitbekommen, ob dieser diese mitkommt. Das ist auch nicht so leicht zu ändern. Es sei denn, man strukturiert von vornherein seine Botschaft so, dass wir sie vom Empfänger her denken. Anspruchsvoll. Vielleicht hilft auch einfach hin und wieder der Blick zum Gegenüber, meist spricht seine Mimik Bände.
Kompliziert ist nicht intelligent
- Ach ja, das ist auch sehr beliebt: Wir formulieren kompliziert, um intelligent zu klingen (Das Akademiker Paradox). Und bürden ”damit dem Zuhörer die kognitive Arbeit auf”. Keine gute Idee, aber weit verbreitet. Tatsächlich zeigt die Forschung, dass ”brillante Ideen an Glanz verlieren, sobald sie hinter der Fassade aus Imponiersprache verschwinden”.
Unser Gehirn interpretiert solches Wortgeklingel als ”mangelnde Klarheit – beim Absender”. Wir erscheinen also nicht intelligenter, sondern sogar als weniger kompetent. Warum, so darf die Frage erlaubt sein, wird das ”Wortgetöse” immer noch belohnt und akzeptiert? Warum steht niemand auf und sagt: ”Würden Sie das bitte noch einmal so formulieren, dass die Botschaft glasklar ist!” Naja, zum einen, weil dieses Gehabe meist von ”denen da oben” gepflegt wird, da möchte man nicht anecken. Und weil man glaubt, dass alle anderen kein Verständnisproblem haben und man selbst offenbar begriffsstutzig ist. - Schließlich: Dinge, die in wenigen Sätzen übermittelt werden könnten, werden umfangreich ergänzt – nicht, weil sie dann verständlicher werden, sondern weil man sich absichern will. Das Prinzip: Ich überlege mir, was wohl alles an Einwänden und Argumenten kommen könnte und sichere mich dagegen ab. Es geht darum, sich unangreifbar zu machen. ”Mails enthalten nicht das Wesentliche, sondern das Vertretbare.”
Tipps für Mutige
Hier eine Empfehlung für Sender: Fragen Sie doch einfach hin und wieder mal diejenigen, die Ihren Ausführungen ausgeliefert sind, ob diese klar, präzise und verständlich waren. Auf welche Informationen sie hätten verzichten können. Was sie sich für das nächste Mal wünschen. Wenn Sie mutig sind …
Und eine für Empfänger: Wenn mal wieder jemand Ihre kostbare Zeit verschwendet hat, fragen Sie ihn, ob er die Kernbotschaft noch einmal in maximal drei Sätzen wiederholen könnte. Oder, wenn Sie noch mutiger sind: ”Ich bin nicht sicher, ob ich verstanden habe, was Sie uns mitteilen wollten – könnten Sie das Wesentliche noch mal in einfachen Worten wiederholen?” Die anderen werden es Ihnen danken.
