13. August 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Versteckt in grauen Kästen

INSPIRATION: Ich bin nicht sicher, ob der folgende Beitrag eher inspirierend oder mehr frustrierend ist. In der Serie „Musterbrecher“ setzen sich Stefan Kaduk und Dirk Osmetz mit der Frage auseinander, was eigentlich davon zu halten ist, dass plötzlich „Non-Konformität“ das neue „Normal“ ist, alle Welt über den Tellerrand hinausschaut (Out-of-the box), überall die Komfortzone verlassen wird (Against all Odds). Schaut man hinter die Kulissen sieht die Sache ganz anders aus. Dort nämlich ist vom „Aufbruch zu neuen Ufern“ keine Spur.

Ihre Erkenntnis: Schaut man sich die Abläufe vor Ort an, kommt man nicht darum vorbei festzustellen, dass überall die gleichen Systeme, die gleichen Prozesse und Strukturen und Instrumente existieren. Die Probleme mit den Prozessen sind auch die gleichen, ebenso die Sorgen der Betroffenen. Führungskräfte verbringen 80-90% ihrer Zeit damit, „im System zu arbeiten, also das Bestehende nach konventioneller Logik zu verbessern.“ Und das ist unabhängig von Branche oder Art der Organisation – ob Handelskonzern, Behörde oder Mittelstand.


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Das ist schon bitter – andererseits: Ist es nicht logisch? Menschen tun sich zusammen, damit nicht jeder das Rad neu erfinden muss, und wenn etwas funktioniert – warum sollte man das dann ständig ändern – egal, was auch immer die Veränderungspropheten erzählen?

Feldverweis?

Dazu kommt ein weiteres Phänomen: Organisationen sehen sich ständig mit Erwartungen von außen konfrontiert, sie müssen sich gegenüber der Gesellschaft legitimieren. Zum Teil sogar höchst formell, wie das z.B. bei der ISO-Zertifizierung der Fall ist. Wer sich da nicht anpasst, der „muss damit rechnen, vom Feld verwiesen zu werden.“ Womit sich dann niemand wundern darf, wenn Führungskräfte mit dem Verweis auf die „faktischen Zwänge“ jede Forderung, doch mal zu experimentieren und gegen die Regeln zu handeln, ablehnen?

Was hat es nun damit auf sich, dass gleichzeitig alle damit „prahlen“, eben doch ganz anders zu sein? Kommen sie damit nur einer weiteren Erwartung nach, nämlich der, sich (zumindest äußerlich) von allen anderen zu unterscheiden, eben einzigartig zu sein? Und was ist von solchen „Plastikwörtern“, die immer wieder fallen, zu halten: Angstfreiheit – kollektive Intelligenz – Mut – Authentizität … Nur Bullshit-Sprache, notwendige „Scheinheiligkeit“, wie sie Stefan Kühl im gleichen Heft postuliert (Nützliche Heuchelei)?

Witzige Erkenntnis: Meist stammen sie aus dem Reich der Wissenschaft (wie z.B. Angstfreiheit aus dem Konzept der psychologischen Sicherheit), werden als Imperativ übernommen, weil sie konsenstauglich sind (wer will schon widersprechen, wenn jemand erklärt, dass es wichtig sei, in seinem Unternehmen ohne Angst zu hab…

Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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