20. April 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Zepterübergabe

INSPIRATION: Die Situation ist schwierig, keine Frage. Die neue Führungskraft ist schon im Haus, die alte aber noch nicht weg. Zwar sagen die Experten, dass dies eigentlich höchst sinnvoll für die Organisation sei – schließlich könne so vieles leichter vom Vorgänger auf die Nachfolgerin übergehen. Ohne dass letztere ins kalte Wasser geworfen wird. Allerdings, so viel sei vorweggenommen: Das klappt nur, wenn die beiden sich verstehen. Ob man sich schon vorher aus der Organisation kennt bzw. schon vorher zusammen gearbeitet hat oder sich im Rahmen der Übergabe zum ersten Mal begegnet, schein nicht ausschlaggebend zu sein. Auf die Chemie kommt es an.

Worin liegen die besonderen Schwierigkeiten? Die Autorinnen in der neues lernen (Die Gefühle bei der Machtübergabe) beschreiben die Hürden für beide Parteien, dabei geht es vor allem um die Gefühlslage. Die Erkenntnisse stammen aus Interviews und Workshops mit Betroffenen. Interessant: Beide Parteien fühlen sich häufig ohnmächtig und haben den Eindruck, der jeweils andere fühle sich übermächtig.


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Gefühle der Ohnmacht

Die Beispiele sprechen für sich: Da erklärt die Vorgängerin zwar, dass sie sich ab sofort zurückhalte und den Nachfolger machen lasse, ergreift aber bei der ersten Gelegenheit das Wort und schneidet dem anderen vor versammelter Mannschaft das Wort ab. Oder bleibt in ihrem Büro, statt es dem Nachfolger zur Verfügung zu stellen. Und niemand traut sich, eine andere Entscheidung zu fällen bzw. sie aufzufordern, es anders zu handhaben. Oder sie taucht im Büro des Nachfolgers auf, erzählt Anekdoten von früher, hat alle Zeit der Welt, während er auf glühenden Kohlen sitzt und zur Familie will, aber sich nicht traut, klar Stellung zu beziehen. Und sich fragt, ob er überhaupt jemals die Fußstapfen ausfüllen kann, die sie hinterlässt.

Der Vorgängerin aber ergeht es ähnlich – auch sie fühlt sich ohnmächtig. Eine der häufigsten Erfahrungen: Von heute auf morgen ist ihre Meinung nicht mehr gefragt, ihre gesammelte Erfahrung offenbar wertlos. Immer wieder steht sie vor einer Situation, in der sie gerne äußern möchte, dass bestimmte Dinge sinnvoller wären, aber niemand das wissen will. Weil plötzlich alle zu dem Neuen gehen. Sie wird nicht mehr zu Meetings eingeladen, von Mail-Verteilern entfernt, der Nachfolger besetzt ihren angestammten Platz am Besprechungstisch. Übernimmt ihre Vorschläge und präsentiert sie als seine eigenen. Oder äußert vor Dritten, was seiner Meinung nach unter ihrer Amtszeit alles versäumt wurde.

Klare Regeln

Bleibt die Frage, wie es besser geht. Die Antwort ist einfach: Eine Überlappung bei der Übergabe ist wichtig und sinnvoll, aber beide müssen es wollen, ja geradezu Lust darauf haben. Wenn das so ist, brauchen sie einen klaren Plan und klare Regeln, ohne dass Themen ausgespart werden. Alle Erwartungen und Bedürfnisse, aber auch Bedenken müssen auf den Tisch. Und sie brauchen gegenseitiges Feedback – sie müssen auf Augenhöhe miteinander reden und sich offen sagen, wenn etwas nicht gut läuft. Die vereinbarten Regeln sollten auch transparent gemacht werden, so dass auch die Mitarbeitenden wissen, wie die Aufgaben in der Übergangszeit geklärte sind.

Der zweite Tipp: Den Prozess begleiten lassen durch einen Coach, der dann auch hilft bei der Formulierung von Spielregeln. Realistisch? Vielleicht in der Top-Etage – wobei ich fürchte, dass die Egos der dort Tätigen damit eher ein Problem darstellen. Aber vielleicht ist da ja gar nicht mehr so, wäre schön. Auf den unteren Etagen ist das mit der Überlappung sicher eher selten, und wenn doch, dürfte das Gelingen stark von den beteiligten Persönlichkeiten abhängen.

Letzter Tipp: Die offizielle Übergabe von Vorgänger auf die Nachfolgerin vor der Belegschaft als symbolischen Akt gestalten – was sicher nur dann keine Farce oder gar peinlich wird, wenn der oben geschilderte Prozess harmonisch verlaufen ist.

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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