27. Mai 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Komfortzonen-Leadership

INSPIRATION: Es geht mal wieder um Führung, um Macht und wovon es eigentlich abhängt, dass Menschen Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen. Anlass ist ein Gespräch zwischen Gabriele Fischer und Wolf Lotter in der Brand eins, und siehe da, ich habe tatsächlich noch einen neuen Aspekt entdeckt (Führung, Verantwortung und das Märchen von der Augenhöhe).

Zunächst erst mal ein kleines Gedankenexperiment. Sie leben allein und entscheiden für sich, einen Großteil Ihres Ersparten in ein spekulatives Finanzprodukt zu stecken. Egal, wie die Sache ausgeht – am Ende können Sie nur sich selbst verantwortlich machen – entweder sich selbst verfluchen oder feiern.


Anzeige:

Die Arbeitswelt braucht agile Coachs, um Selbstorganisation, Innovation und neues Rollenverständnis zu implementieren. Die Neuerscheinung „Agiler Coach: Skills und Tools“ liefert für jeden agilen Coach eine beeindruckende Bandbreite an Grundlagen, Methoden und Werkzeugen für die Team- und Mitarbeiterentwicklung im agilen Arbeitsalltag. Zum Buch...


Anders sieht die Sache aus, wenn Sie mit einem Partner zusammenleben und ein gemeinsames Konto haben. Sie können sich abstimmen und zu einer gemeinsamen Entscheidung kommen. Sie können die Entscheidung ihm allein überlassen. Oder er überlässt sie Ihnen. ”Macht heißt in der Praxis, entscheiden zu dürfen.” Sie geben ihm Macht oder er Ihnen. Ersteres ist bequem für Sie, zweiteres anstrengend.

Die Frage nach der Schuld

Spinnen wir das noch mal weiter: Sie sind Mitglied in einem Team und könnten mit einem Deal viel Geld verdienen – auch ebenso auch viel Geld verlieren. In einer klassischen Organisation würden Sie vermutlich die Entscheidung Ihrer Führungskraft überlassen. Oder sie zumindest von dieser absegnen lassen. Warum?

Weil in dem Moment, wo sich herausstellt, dass die Sache gründlich in die Hose gegangen ist, die Suche nach dem ”Verantwortlichen” losgeht. Gemeint ist damit immer: Nach dem ”Schuldigen”. Damit sich alle anderen zurücklehnen können.

Von Entlastung und Überlastung

Zurück zu dem Gespräch. In vielen Organisationen läuft die Sache so: Weil es für die Belegschaft entlastend (sprich: die Gefahr senkt, schuldig gesprochen zu werden) ist, überlässt sie den Führungskräften den Großteil der Entscheidungen. Diese sind zunehmend überlastet, aber werden sich hüten, die Erlaubnis, Entscheidungen zu treffen, abzugeben.

Warum? Zum einen ist die Position Führungskraft mit Status verknüpft. Der klassische Weg, Karriere zu machen. Zum anderen mit Geld – je nach Hierarchieebene auch mit sehr viel Geld. Und schließlich ist das Bedürfnis, Einfluss zu nehmen und etwas zu bewirken, ein zutiefst menschliches (Drei Motive) – als Führungskraft fällt das deutlich leichter als in anderen Positionen.

„Wir lassen dich nicht hängen!“

Was müsste sich also ändern, damit Angestellte selbst Entscheidungen übernehmen – Stichwort Selbstorganisation – und damit Führungskräfte auf diese Möglichkeit verzichten? Hier der Aspekt, der mir bislang nicht so bewusst war, aber eigentlich ziemlich banal ist: Die Sicherheit, bei Fehlentscheidungen nicht ins Bodenlose zu fallen, alles zu verlieren. Die Botschaft müsste lauten: ”Egal, wie’s kommt, wir lassen dich nicht hängen.”

Das alte Thema ”Fehlerkultur”. Tatsächlich ist es ja eher so, dass je höher jemand in der Hierarchie aufsteigt, umso geringer ist die Gefahr, komplett abzustürzen. Der Ausstieg wird mit einer dicken Abfindung versüßt, und ganz oben sorgt eine D&O-Versicherung dafür, dass die teuren Fehlentscheidungen nicht teuer zu stehen kommen.

Die Folge der richtigen Botschaft wäre, dass Menschen sich eher trauen, auch riskante Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig könnte man – und das ist jetzt meine Ergänzung – sie dafür besser bezahlen und die Führungskräfte, die dafür ja Entscheidungsbefugnisse abgeben müssten, schlechter.

Wer entscheidet über solche Veränderungen? Tja, eben die mit den entsprechenden Befugnissen und dem dazu passenden Gehalt. Womit sich so schnell dann doch nicht viel ändern wird.

Werden Sie diesen Beitrag weiterempfehlen?
Teile diesen Beitrag:

Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

Alle Beiträge ansehen von Johannes Thönneßen →

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert