26. Mai 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Buchcover

Natürlich führen

REZENSION: Gudrun Happich – Nature Inc. Das erfolgreichste Unternehmen der Welt – Was wir von der Natur für das Management lernen können. Campus 2025.

Ganz im löblichen Sinne von „What you see is what you get“ hält das Buch die im Untertitel gegebene Aussage: „Was wir von der Natur für das Management lernen können“ ein. Wobei von diesem Konjunktiv weiter unten noch die Rede sein soll. Doch zunächst einmal etwas Hintergrund und Inhalt:


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Die Autorin stammt aus einem landwirtschaftlichen Familienunternehmen, studierte zunächst Biologie und machte danach rasch Karriere als Führungskraft. Danach wechselte sie die Rolle in Richtung Beratung/Coaching und möchte seither ihre Umwelt allgemein und insbesondere ihre Klient(inn)en von ihrem persönlichen, also besonders naturverbundenen Hintergrund profitieren lassen. Dazu hat sie die sog. „bioSystemik“-Methode entwickelt, mit deren Hilfe erfolgreiche Prinzipien aus der Biologie auf die Geschäftswelt übertragen werden sollen. Der gesamte Inhalt der insgesamt fünfzehn Kapitel beinhaltet dann solche Übertragungen, von denen hier (auch mit Hilfe der Autorin) einige zur Veranschaulichung herausgegriffen werden sollen.

Erfolgreiche Prinzipien der Natur

  • Das Notfall-Prinzip: Erwarte Fehler, statt diese zu vermeiden!
  • Das Wachstumsprinzip: Setze bei der der Wachstumsstrategie nicht nur auf Quantität, sondern auch auf Qualität
  • Moderne Führung nach dem „Wolfsrudelprinzip“ bedeutet wenige, dafür aber besonders klare Spielregeln – und dahinter viel Freiheit für die Ausführenden
  • Ausgesprochen komplexe Probleme lassen sich am besten mit vereinten Kräften lösen
  • Krisen sind der Normalfall, nicht die Ausnahme
  • Nach dem „Kolkraben-Prinzip“ sollte erst Vertrauen angetestet werden, danach aber bestmöglich kooperiert, gleichzeitig aber auch konkurriert werden
  • Für gelingendes Wachstum zählt der Kontext in besonderer Weise; und für Erfolg gilt es, möglichst passende Rahmenbedingungen zu schaffen
  • Nach dem Symbiose-Prinzip ist gemeinschaftliches Von-einander-Profitieren samt Allianzen zielführender als reiner Wettbewerb
  • Geparde jagen als Sprinter, Löwen hingegen mit mehr Ausdauer: Gemäß dem Leistungstypen-Prinzip muss jede(r) seine/ihre eigene Balance zwischen Arbeit und Pausen finden
  • Nach dem Metamorphosen-Prinzip sollte sich jede(r) – vergleichbar dem Schmetterling – auf maßgebliche Veränderungen vorbereiten.

Beispiele aus der Natur

Happich gelingt es zweifelsohne in ihrem Buch, ihre Leserschaft direkt und persönlich anzusprechen. Durch klare Sprache mit viel „Selbstoffenbarung“ und ungezählten Beispielen aus der Natur, dem Zeitgeschehen und insbesondere aus ihrer lebenspraktischen Erfahrung werden die Inhalte anschaulich. Allerdings können diese dann auch kaum als „revolutionär“ gelten: Dass in der Natur und im Business Systeme ganz von selbst entstehen, dürfte sich schon länger herumgesprochen haben. Ebenso zum Beispiel die Bedeutung des Überlebenswillens des Individuums.

Einzelne Gedanken wie das „unscharfe Sehen“ nach Frederic Vester sind recht pointiert: Es lohnt zuweilen, das grobe Muster zu erkennen, anstelle sich von unzähligen Details ablenken zu lassen. Auch explizite Führungsprinzipien wie „Das höchste Ziel definieren und Commitment fördern“, danach „Freiheit und Selbstverantwortung mit Leben füllen“ sind zweifelsohne berechtigt. Andererseits erheblich leichter gesagt als umgesetzt, gerade bei kniffligen Einzelfallabwägungen. Wie in der Natur Krisen zu akzeptieren, ist bestimmt sinnvoller als diese mit dem Beigeschmack der Katastrophe überzubewerten. Oder andersherum zu ignorieren. Nur gibt es halt keine Patentrezepte: Ein Hase stellt sich tot und überlebt dadurch den Angriff des Greifvogels; wird aber vom Mähdrescher tödlich verletzt.

Ratschläge

Und so schließt sich der Kreis zum anfänglich erwähnten Konjunktiv im Buchuntertitel: Aus der Natur insgesamt – und aus dem hier vorgestellten Buch insbesondere – lässt sich sicher eine Menge lernen. Somit gebührt der Autorin Dank dafür, sinnvolle Prinzipien in plastischer (Buch-)Form zusammengestellt zu haben. Andererseits müsste gerade eine gestandene Coachin sehr viel Respekt vor mehr oder weniger ungebetenen Ratschlägen haben: Das System „Der externe Professional erklärt hellsichtig der ausführenden Führungskraft zunächst die Welt und steuert in der Folge dessen Handeln in zielgerichteter Weise“ funktioniert schon in der Coaching-Praxis kaum, im Buchformat noch weniger …

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Klaus Stulle

Dr. Klaus P. Stulle, * 1967, Diplom-Psychologe und lehrt als Professor an der Hochschule Fresenius Köln & Düsseldorf. Dazu Geschäftsführer bei Stulle & Thiel rund um Assessment – Beratung – Coaching.

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