KRITIK: Machen die modernen Technologien das Leben einfacher? Bezogen auf den Bewerbungsprozess sicherlich, sollte man meinen. Denkste! Im Schwerpunktheft des Harvard Business Managers von März 2026 geht es vor allem darum, mit was Bewerber heutzutage rechnen müssen, und wie sie sich auf die Bewerbungssituation vorbereiten können.
Das liest sich ziemlich gruselig. Vor allem, wenn es um die Rolle von künstlicher Intelligenz in dem Prozess geht. Offenbar nutzen beide Seiten deren Möglichkeiten. Arbeitgeber lassen Bewerbungsschreiben und Lebensläufe von KI analysieren und filtern auf diese Weise schon mal etliche Bewerber aus. Mehr noch: Sie lassen die KI die ersten Interviews, z.B. per Video, führen (Trainingssache). War ja irgendwie zu erwarten, da wirken die Interviews am Bildschirm der bitteren Komödie ”Up in the Air” schon fast rührend.
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In solchen Interviews hat der Bewerber je Frage maximal 3 Minuten Zeit zu antworten. Von Experten wird hier aber empfohlen, nicht mehr als 2 Minuten zu reden. Das gilt dann als Beleg, dass man sich auf das Wesentliche konzentrieren kann. Die KI wertet die Antworten aus, dabei achtet sie auf bestimmte Schlüsselwörter. Wie sie dies auch mit Lebensläufen und Anschreiben macht. Übrigens: Bei beiden sollten Sie sich nicht allzu sehr von der KI helfen lassen, denn das birgt die Gefahr, dass die Gegen-KI das erkennt. Außerdem wird sich Ihr Anschreiben dann kaum von denen Ihrer Mitbewerber unterscheiden. Also doch lieber wieder selbst formulieren – und maximal von der KI ”verfeinern lassen”.
Schlüsselwörter
Konsequenz für die Interviews: Überlegen Sie sich vorab, auf welche Schlüsselwörter es ankommt. Etwa solche, die zur Stellenausschreibung passen oder in dieser vorkommen. Und bauen Sie diese in Ihre Antworten ein (Erinnert irgendwie an die Zeiten, in denen Webseiten vor allem zentrale Begriffe enthalten mussten, damit die Suchmaschinen sie finden – SEO). Damit das auch glaubwürdig für die KI ist, sollten Sie vorab fleißig üben. Wer unterstützt Sie dabei? Natürlich KI. Es gibt offenbar schon eine Reihe solcher Trainingsprogramme. Einige geben sogar Feedback zu Körpersprache und Stimmlage. Nettes Geschäftsmodell – fragt sich, wie sich die KI-Modelle gegenseitig austricksen.
Wer es dann geschafft hat, mit entsprechenden Trainings die ”gegnerische” KI zu überzeugen, der sitzt dann hoffentlich irgendwann ”echten” Recruitern gegenüber. Dann helfen ihm die Schlüsselwörter nicht mehr weiter, dann muss er konkrete Antworten geben. Auch hierfür gibt es jede Menge Tipps. Zentrale Empfehlung: Bereiten Sie sich auf ”STAR”-Fragen vor (Erzählen Sie doch mal!).
STAR einsetzen
STAR haben wir bei MWonline schon vorgestellt – als Empfehlung für die Interviewer. Dass sich die Kandidaten entsprechend vorbereiten, ist vernünftig. Es geht darum, dass Recruiter – hoffentlich – nicht nur angesagte Floskeln und angebliche Kompetenzen hören wollen (teamfähig, kommunikativ, entscheidungsfreudig, unternehmerisch denkend usw.), sonder…
