PRAXIS: Mal angenommen, Sie sind Teamleiterin. Oder Unternehmer. Oder Vereinsvorstand. Oder Projektleiter. Was auch immer – auf jeden Fall jemand, auf den andere Menschen schauen, weil Sie in Ihrer Rolle irgendwie dafür zuständig sind, dass eine Gruppe von Leuten an einem Strang zieht, auf ein Ziel hinarbeitet oder eine bestimmte Aufgabe übernommen hat.
Nun stellen Sie fest, dass es mit dem Engagement nicht mehr so recht klappt. Irgendwie ist der Wurm drin. Sie appellieren, machen die Dringlichkeit deutlich, gehen mit gutem Beispiel voran – aber eine echte Begeisterung will nicht aufkommen.
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Energiespender suchen
Martin Wehrle empfiehlt in solchen Momenten erst einmal innezuhalten und bei sich selbst nachzuschauen. Zu beschreiben, was uns selbst inspiriert und antreibt (Der Motivationsanker). Nicht abstrakt, sondern ganz konkret. Einfache kleine Handlungen oder Erlebnisse: Wann fühlte ich mich zuletzt wirklich beflügelt? Welche Erlebnisse haben mir Kraft gespendet? Diese Momente nennt er Motivationsanker.
Anschließend erfolgt die Übertragung. Wie könne das, was mich antreibt, auch anderen helfen, frischen Schwung zu erlangen? Und was müsste dafür sich ändern? Bzw. was könnte ich in meiner Rolle tun, damit andere ähnliche Erfahrungen sammeln?
Ziemlich schlicht, dachte ich im ersten Moment. Aber dann fiel mir ein, wie häufig mir von Führungskräften berichtet wird, die höchst seltsame Dinge von ihren Mitarbeitenden erwarten. Oder besser: Die eher gedankenlos Verhaltensweisen zeigen, deren Fragwürdigkeit beim Nachdenken über eigene Motivationsanker sofort augenfällig würde.
Hin und wieder mal nachdenken
Beispiel? Da sitzt der Partner mit einem Juniorpartner beim Kunden und hat diesem zugesagt, dass er die Präsentation halten wird. Bei der ersten kritischen Nachfrage springt er sofort ein, erklärt dem Kunden, wie der Vorschlag gemeint ist und ist ab diesem Moment voll in seinem Element. Der Juniorpartner ist für den Rest des Gespräches abgemeldet.
Mal angenommen, der Partner hätte sich ein wenig mit den eigenen Motivationsankern beschäftigt und dabei herausgefunden, dass er aus der letzten Kundenpräsentation extrem beschwingt hervorgegangen ist. Weil er z.B. in schwierigen Situationen schlagfertig und humorvoll reagiert hatte und der Kunde am Ende schwer beeindruckt war. Könnte es sein, dass er daraufhin dem Juniorpartner mehr Raum gelassen hätte? Klar, das setzt Vertrauen voraus. Aber ohne dieses Vertrauen hätte er die Präsentation wohl kaum dem Junior übertragen.
Nicht nur für Führungskräfte
Denkt man diese kleine ”Übung” zu Ende, könnte das eigentlich etwas für jeden von uns sein. Wann immer wir uns über mangelndes Engagement anderer wundern, seien es Kollegen, Vereinsmitglieder oder Seminarteilnehmer, sich zu fragen: Was inspiriert mich eigentlich? Woher nehme ich meine Energie? Und dann mal schauen, ob man genug Einfluss hat, anderen diese Momente zu ermöglichen.
Wobei ich mir einen Seitenhieb nicht verkneifen kann: Warum so kompliziert? Sicher, das könnte helfen. Aber wäre es nicht einfacher, die anderen einfach zu fragen: Was fehlt euch, um mit Freude und Energie diese Aufgabe anzugehen? Was müsste passieren, dass genau das geschieht? Nur so eine Idee …
