INSPIRATION: In der Tat, manchmal ist es tatsächlich ganz einfach. Und der Gedanke kommt mir immer häufiger, wenn Menschen sich mal wieder beklagen. Über den Zustand der Welt, den Zustand der Gesellschaft, über die Bürokratie, über die Nachbarn, die Kollegen, die Chefs oder über die Mühen ihres eigenen Lebens. Natürlich ist es wichtig, die Dinge, die nicht gut laufen, wahrzunehmen. Sie auch zu benennen und vor üblen Entwicklungen zu warnen.
Aber ”Awareness ist stark überschätzt”, sagt Rutger Bregman. Das Zitat stammt wohl aus seinem neuen Buch ”Moralische Ambition”, ebenso wie weitere Tipps, wie man wirkungsvoll Veränderungen anstoßen kann. Aber dazu etwas weiter unten mehr.
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Das Thema des Titelbeitrags in der managerSeminare lautet ”Vom Purpose zum Impact”, meine erste Befürchtung: Braucht es noch ein Schlagwort? Über die Frage, ob Unternehmungen so etwas wie einen tieferen Sinn benötigen, haben wir bei MWonline mehr als einmal nachgedacht (Lieber ohne Sinn?), dazu ist eigentlich alles gesagt (Streben nach Verbesserung). Auch zu der Frage, ob so etwas wie ein höherer Zweck nicht auch langfristig zu einem größeren wirtschaftlichen Erfolg beiträgt (Management Gimmick).
Einfluss nehmen
Nun also Impact. Was steckt dahinter? Nun, die Idee, dass es (natürlich) nicht genügt, einem Unternehmen einen ”Sinn zu verpassen” (Wir sorgen für eine gesündere Ernährung! Oder: Wir transportieren Menschen sicher von A nach B). Und alle Welt nickt begeistert mit dem Kopf und alle Mitarbeitenden gehen täglich motiviert an die Arbeit. Aber nichts passiert (Impact Washing). Sondern dass aus dem formulierten Zweck auch konkretes Verhalten mit konkreten Ergebnisse entsteht. Menschen wollen etwas Sinnvolles tun, aber sie wollen vor allem, dass ihre Tätigkeit Wirkung zeigt.
Hängt irgendwie zusammen. Denn wenn ich Süßigkeiten produziere, dann erziele ich auch eine Wirkung. Kinder strahlen und die Zahnärzte ebenso. Gemeint sind ”langfristige strukturelle Veränderungen auf gesellschaftlicher Ebene”.
Ziemlich hoch gegriffen? Jetzt soll also jeder Mitarbeitende nicht nur erklären können, wozu sein Unternehmen auf der Welt ist, sondern auch noch erklären können, welche konkreten Veränderungen sein Tun erzielt? Warum nicht. Eigentlich ein ziemlich schöner Gedanke. Dazu aber müssten Organisationen genau das auch erfassen und beschreiben. In dem Beitrag wird das an einem Beispiel von Airbus gezeigt. Dort gibt es eine ganze Reihe von beschriebenen ”Outcomes”. Was sich also dank verschiedener Initiativen tatsächlich auf der Welt oder in der Region verbessert. Wäre doch gut, wenn Mitarbeitende jedes Unternehmens zu Hause und bei Freunden erzählen könnte, was ihr Unternehmen Positives in die Welt gebracht hat. Schöner Hinweis: Das führt eher zu Dopaminausschüttungen als die tägliche Dosis Stresshormon – hätte also auch noch positive Folgen für die Gesundheit der Belegschaft.
Fünf Illusionen
Zurück zu den Dingen, vor denen Bregman warnt. Da ist die erwähnte ”Illusion der Awareness”. Viele Menschen sind gut darin zu erklären, was alles schief läuft und versuchen, bei anderen hierfür ein Bewusstsein zu erzeugen. Aber Bewusstsein mag die Voraussetzung dafür sein, etwas zu ändern, ändert aber selbst erst mal gar nichts. Ebensowenig wie die gute Absicht (Illusion der guten Absicht). Von wegen ”Wir haben es ja nur gut gemeint”. Soll heißen: Man sollte stets auch schauen, ob die angestrebte Wirkung auch eingetreten ist.
Es folgt die Illusion der richtigen Gründe. Wir glauben, dass es doch reichen muss, über die richtigen Argumente zu verfügen. Wir wissen, dass wir Recht haben, wenn wir vor den Folgen intensiven Fleischkonsums warnen. Aber manchmal ist es hilfreicher, nach Argumenten zu schauen, die beim Gegenüber Gehör finden, auch wenn sie mit unserer eigentlichen Motivation wenig zu tun haben.
Dann die Illusion der Integrität. Dürfen wir unsere Prinzipien zurückstellen, wenn es darum geht, Einfluss zum Wohle aller zu nehmen? Manchmal vielleicht ja, indem man mit Partnern zusammen arbeitet, deren Weltbild einem vielleicht nicht wirklich gefällt. Tagesgeschäft eines jeden Politikers. Und viel Stoff für Grundsatz-Diskussionen.
Und schließlich die Illusion von Synergie: Wir können mit unserem Wirken nicht alle Probleme der Welt auf einmal lösen. Lieber kleine Schritte gehen. Das dürfte jeder kennen, der mal Menschen, die über vieles klagen (siehe oben), empfiehlt, doch selbst aktiv zu werden. Und dann zu hören bekommt: ”Was kann ich denn schon bewirken!” Einfach mal auf den Weg machen!
Womit wir wieder beim Impact sind: Ob Konzern, Familienunternehmen, Non-Profit-Organisation. Ob Verein, Nachbarschaftsinitiative oder ”einfacher Bürger”: Es es schön, über einen ”Zweck” (Purpose) zu verfügen. Aber es hilft ungemein, immer mal wieder zu schauen, was man konkret mit seinem Engagement bewegt hat bzw. was sich weiter zum Guten verändert.
Hier noch ein Link zu weiteren interessanten Publikationen.
