13. August 2026

Management auf den Punkt gebracht!

4 Irrtümer über nonverbale Kommunikation

INSPIRATION: Seit Jahrzehnten lesen wir die immer gleichen „Erkenntnisse“ über nonverbale Kommunikation. Über Körpersprache, Emotionsausdruck, Mimikry und den persönlichen Raum. Aber was ist – wissenschaftlich betrachtet – dran?

Wenig … sehr wenig! So die Autoren (Four Misconceptions About Nonverbal Communication). Das darf man getrost als eine „Hammer“-Nachricht bezeichnen. Denn eine gigantische Trainings- und Ratgeberindustrie lebt schließlich von diesen „Erkenntnissen“, die sie seit Jahren mit enormen Werbedruck ins öffentliche Bewusstsein pumpt. Soll sie nun die Segel streichen?


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Es geht im Detail darum, dass wir angeblich die Körpersprache anderer lesen können. Darum, dass wir den Kontakt mit anderen angeblich über einen stabilen persönlichen Raum regulieren. Und es geht darum, dass sich in unseren Gesichtsausdrücken angeblich universell gültige Emotionen spiegeln. Und zuletzt, dass wir angeblich Gesichter lesen können – wie ein offenes Buch. Schauen wir uns die Argumentationen – und vor allem – die dazu gehörenden empirischen Befunde einmal genauer an.

Die Erde als Scheibe

Über das Thema haben sich schon die „alten Griechen“ ausgelassen und den Nachgeborenen damit eine Hypothek vermacht, die man – schaut man genauer hin, bei vielen anderen Ideen ebenfalls – als schweres Erbe bezeichnen mag. Sie wirken bis heute als sogenanntes Allgemeinwissen, manchmal sogar als „gesunder Menschenverstand“ weiter, der sich nur zu oft gegen Kritik immunisiert hat. Das heißt, man lässt sich kaum mehr durch wissenschaftliche Erkenntnisse erschüttern: Die Erde ist halt eine Scheibe, das sieht doch ein/e jede/r. Nun, stimmt ja auch, jedenfalls bis zum begrenzten (eigenen) Horizont …

Beim Thema Emotionen und Körpersprache lässt sich ein Meilenstein vor 150 Jahren ausmachen: Charles Darwin veröffentlichte sein Werk „The Expression of the Emotions in Man and Animals“ (1872). Das weckte das wissenschaftliche Interesse an nonverbalem Verhalten. Doch bis zur systematischen Erforschung des Themas dauerte es fast ein Jahrhundert. In den 1950er- und -60er-Jahren erlebte das Thema einen Boom, der bis in die jüngste Zeit anhält. Doch sollte es sich um liebgewonnene Vorurteile handeln?

Irrglaube Nr. 1: Wir kommunizieren mit Körpersprache

Die Körpersprache sagt, obwohl sie indirekt ist, mehr über einen Menschen aus als seine Worte. So lautet die Überzeugung, die sich seit den 1970/80er-Jahren etabliert hat. Und deshalb beobachten Kommunikatorinnen von Berufs wegen wie Journalisten, Führungskräfte und Kommunikationstrainer*innen andere, Politiker:innen, Angeklagte, Sportler/innen, serienmäßig und fällen dann ihre Urteile: „Man sieht es ihnen doch an!“

Es hat sich daraus eine „Körpersprache-Industrie“ entwickelt: Mit Ratgeberbüchern, Videos, Seminaren. Und seit der Social-Media-Explosion in Coronazeiten hat sich der Trend exponentiell vervielfältigt. Die Botschaft lautet: Lerne die Körpersprache zu entschlüsseln, und du wirst Liebe, Reichtum und Ruhm finden! Oder – andersherum betrachtet – potenzielle Terroristen, untreue Ehemänner oder halbseidene Gebrauchtwagenhändler entlarven. …

Thomas Webers

Dipl.-Psych., Dipl.-Theol., Fachpsychologe ABO-Psychologie (DGPs/BDP), Lehrbeauftragter der Hochschule Fresenius (Köln), Business-Coach, Publizist

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