KRITIK: Führungskräfte und Mitarbeitende tappen immer wieder in spezifische Denkfallen, so die Klage des grüßenden Kaufmanns. Deshalb ist Abhilfe von Nöten. Ansonsten droht Ungemach – und vor allem: Stillstand.
Am Anfang steht ein Szenario: Ein Unternehmen möchte KI-gestützte Chatbots implementieren, „die Kundenanfragen schneller und effizienter bearbeiten.“ Alle sind sich einig im Strategieteam, aber plötzlich tauchen Fragen auf:
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- Liegen für das Training des Chatbots genügend valide Kundendaten vor?
- Kann das bestehende CRM-System für diese Zwecke liefern oder müsste es zunächst konsolidiert werden?
- Müssten vorab nicht die rechtlichen Bestimmungen und Datenschutzanforderungen abgeklärt werden?
Ziemlich gute Fragen, die von Sachverstand und Verantwortungsbewusstsein zeugen. Doch Autor Möller (Mentale Change-Hürden) sieht hier ein typisches Muster am Werk: „Konkrete Handlungsmöglichkeiten werden an Bedingungen geknüpft, die aktuell nicht erfüllt werden können. Strategische Schritte werden in eine vermeintlich bessere Zukunft verschoben, in der alle Unsicherheiten ‚geklärt‘ sein sollen. Am Ende stehen keine Beschlüsse, sondern weitere Arbeitsaufträge, Analysen, Abstimmungen und ein neuer Workshop.“ Warum? Weil man in Denkfallen reingelaufen sei.
Denkfallen
Wie bitte? Rechtlichen Bestimmungen und Datenschutzanforderungen: Nicht so wichtig. Das bestehende CRM-System liefert keine brauchbaren Daten? Nicht so wichtig. Valide Kundendaten – was auch immer damit gemeint sei – nicht so wichtig. Das könnte und sollte man anders sehen (Net huddele). Also ich würde einen Aktionismus wie ihn der Autor Möller fordert als grob fahrlässig bezeichnen. Arme Geschäftsführung, die dafür haften müsste!
Die Denkfallen, die der Autors auflistet, lauten:
- Der Nirwana-Trugschluss: Ein Perfektionsanspruch schlägt in Entscheidungsvermeidung um.
- Der Tocqueville-Effekt: Die Erwartungen der Mitarbeitenden steigen schneller als die tatsächlichen Fortschritte, es stellt sich Unzufriedenheit ein.
- Das Gesetz der Trivialität: Man widmet Nebensächlichkeiten oft unverhältnismäßig viel Aufmerksamkeit, während die wirklich wichtigen Themen liegen bleiben.
Denkfalle Denkfalle
Ja, es gibt sogenannte „Denkfallen“. Sie werden schon seit Jahrzehnten in der Fachliteratur beschrieben (Kluge Kompromisse). Die sollte man kennen. Und sie werden auch seit Jahrzehnten in Führungstrainings gelehrt und bearbeitet. Bei all dem sollte man ebenfalls lernen, differenziert und situationsgerecht damit umzugehen. Dass dies dem Autor angemessen gelingt, vermag ich nicht zu erkennen.
