INSPIRATION: Ärgern Sie sich manchmal über Kollegen, die mal eben was wissen wollen? Oder ständig Mails mit Anfragen versenden, die sie sich selbst beantworten könnten? Oder über Mitarbeitende, die über Kollegen klagen? Oder über Belastungen jammern? Und Ihnen damit Ihre wertvolle Zeit rauben?
Dann müssen Sie jetzt ganz stark sein. Denn die Autoren im Harvard Business Manager erklären, dass Ihr Ärger mehr über Sie selbst verrät als über diejenigen, die sich mit einem Anliegen an Sie wendet (Was will die denn jetzt schon wieder?). Oder mindestens ebenso viel über sich selbst wie über den anderen.
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Warum das so ist? Was wir als nervig oder belästigend empfinden, hat etwas mit unserer Lebensgeschichte zu tun. Manche Anliegen stören uns gar nicht, andere hingegen sehr. Entscheidend, so die Behauptung, ist unsere persönliche Beziehung zu Wünschen und Bedürfnissen.
Bekanntlich gibt es vier Kategorien von Bedürfnissen: Nach Sicherheit, nach Liebe, nach Zugehörigkeit und nach Sinn. Wir alle haben in unserer Kindheit erfahren, was passiert, wenn wir eines dieser Bedürfnisse angemeldet haben.
Bedürfnis nach Liebe
An einem einfachen Beispiel: Habe ich erfahren, dass ich vor allem dann Zuneigung bekam, wenn ich etwas geleistet habe, dann reagiere ich auf ein Anliegen, das meine Zuneigung zum Ziel hat, vermutlich intuitiv mit dem Gedanken: ”Ich musste mir die Liebe auch erst verdienen, und nun kommt er daher und glaubt ernsthaft, er bekommt meine Zuneigung einfach so. Wie unverschämt!“
Jemand, der hingegen in seiner Jugend viel Fürsorge erfahren hat, wird auf Anfragen wie ”Könnten Sie mir hierbei helfen?” oder ”Ich brauche dabei mehr Unterstützung!” oder bei Klagen wie ”Die Rückmeldung war aber unfair!” eher unterstützend und verständnisvoll reagieren.
Bedürfnis nach Sicherheit
In diese Kategorie fallen Anliegen wie ”Ich bin mit der Änderung nicht einverstanden!” – ”Da fühle ich mich überfordert / unsicher…” – ”Ich weiß nicht, wie das geht!” Falls uns solche Fragen nerven, haben wir vermutlich selbst wenig Sicherheit erfahren und Unsicherheit als Schwäche ausgelegt bekommen. Dann werden wir eher so reagieren: ”Erwarte von mir kein Mitgefühl, ich muss mich auch jeden Tag behaupten und kann mir keine Schwäche erlauben!“
Bedürfnis nach Zugehörigkeit
Wenn Menschen sich beschweren, dass sie nicht gehört, ihre Ideen ausgeschlagen, sie nicht zu Meetings eingeladen werden, dann ist ihr Bedürfnis nach Zugehörigkeit unerfüllt. Ärgern uns solche Äußerungen, sieht unsere innere Reaktion so aus: ”Ich habe oft genug erlebt, dass schon die kleinste Äußerung dazu geführt hat, ausgeschlossen zu werden. So ist das Leben nun mal.“
Wer sich hingegen selbst als zugehörig und akzeptiert fühlt, der wird solche Klagen verständnisvoll aufnehmen und hierauf eingehen.
Bedürfnis nach Sinn
Hierunter fallen die Anliegen, in denen der Wunsch nach Anerkennung, Sichtbarkeit, Entwicklung und Beförderung zum Ausdruck gebracht wird. Nervig – aber nur dann, dann wir selbst immer wieder darum kämpfen mussten, das tun zu dürfen, was uns erfüllt.
Mit anderen Worten: Wenn uns die Anliegen der Kolleg*innen oder Mitarbeitenden gehörig auf den Geist gehen, ist das eine Chance zu hinterfragen, was eigentlich bei uns selbst los ist. Um dann ein wenig freier entscheiden zu können, wie wir reagieren. Eben nicht nur unwirsch oder abweisend, sondern vor allem mit – Zuhören.
Das ist alles gut nachvollziehbar, aber doch so schwer umsetzbar. Zumindest in der akuten Situation. Aber wie wäre es, im Nachhinein mal zu reflektieren, was uns eigentlich so gestört hat? Der Weg wäre dann wie folgt:
Selbsterkundung
„Kollege X hat heute wieder in der Tür gestanden und geklagt, dass er mit Arbeit überhäuft wird und er nicht weiß, wo ihm der Kopf steht.” (Beschreibung) „Dahinter steckt vermutlich ein Bedürfnis nach Sicherheit“ (Benennung des eigentlichen Bedürfnisses).
„Mich hat das nicht nur von meinen Aufgaben abgelenkt, sondern ich war kurz davor zu explodieren, weil ich das Jammern nicht mehr hören kann” (eigene Reaktion).
”Könnte es sein, dass ich selbst unsicher bin, ob ich alle Aufgaben schaffen werde? Ob ich überhaupt in der Lage bin, den Job so auszufüllen, wie ich das von mir selbst erwarte?” (Perspektivenwechsel).
Wer einmal so weit gekommen ist, tut sich vermutlich leichter, auf die Anliegen der anderen wohlwollender einzugehen als bisher. Hoffentlich.
