INSPIRATION: Up- oder De-Skilling? Die Kontroverse um die Folgen der GenKI-Nutzung ist nicht entschieden. Aber Forschungsergebnisse machen nachdenklich. Die spannende Frage: Eröffnet sich ein Ausweg aus der Malaise?
Was geschieht, wenn zwei heuristisch arbeitende Systeme – Mensch und KI – aufeinandertreffen? Die GenKI rät und assoziiert (Kleine Papageienkunde) und der Mensch bedient sich kognitiver Daumenregeln (Houston, wir haben ein Problem!). Addieren oder quadrieren sich die Fehler? Es ist schon gar mancher mit seinem Auto schnurstracks in einen Fluss gefahren, weil er seinem Navi blind vertraut hat …
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Zuletzt hatte ich die Ergebnisse zum Thema De-Skilling durch GenKI vorgestellt (Denken überlässt man den Pferden …). Offensichtlich hat die Autorin ihre Studie auf einer größeren Untersuchung (The Impact of Generative AI on Critical Thinking) aufgesetzt. Deren Ergebnisse wurden im Frühjahr 2025 auf einer Konferenz in Yokohama (Japan) präsentiert und basieren auf einer Stichprobe von 319 Teilnehmer:innen. Das ist doch eine deutlich breitere Basis als die von der Autorin gelieferte. Und in dieser sehr ausführlichen Studie berichten die Anwender 936 eigene Beispiele für GenAI-Nutzung und dem Einsatz von eigenem kritischem Denken. Es dürfte sich lohnen, diese Studienergebnisse einmal genauer zu betrachten, dachte ich mir – nicht nur für Personalentwickler, sondern für Führungskräfte allgemein.
Verändert KI kritisches Denken?
Wann und wie werden sich Anwender bewusst, dass sie kritisches Denken bei der Nutzung von GenAI einsetzen? Und wann und warum bemerken sie, dass GenAI sie beeinflusst? Generell ist ein höheres Vertrauen in GenAI mit weniger kritischem Denken verbunden, stellte diese Forschergruppe – übrigens mehrheitlich Mitarbeitende von Microsoft aus UK – fest. Zugleich gehen User mit einem höheren Selbstvertrauen in die eigene Kompetenz kritischer mit den GenKI-Ergebnissen um. Doch das ist bloß die Oberfläche.
Bekannt war aus der Forschung bislang: Nutzer, die zur Lösung einer Aufgabe auf GenAI-Tools zugreifen können, erzielen weniger vielfältige Ergebnisse als solche, die bei derselben Aufgabe nicht auf GenAI-Tools zugreifen können. Man könnte das als Faulheit werten. Oder als Beleg dafür nehmen, dass die GenKI ausreichend gute Ergebnisse liefert – beispielsweise gemessen an einem Kriterium wie der 80%-Regel nach Pareto. Doch diese Tendenz zur „mechanisierten Konvergenz“, wie die Forschenden diese geringere Ausbeute der GenKI-Nutzenden nennen, könnte eben auch „einen Mangel an persönlichem, kontextbezogenem, kritischem und reflektiertem Urteilsvermögen“ widerspiegeln. Weil die Nutzenden sich leichtfertig mit den KI-Ergebnissen zufriedengeben.
Die unwiderstehlichen Kartoffelchips
Die Studie zeigt, dass Wissensarbeiter bei der Nutzung von GenAI-Tools vor allem dann kritisches Denken anwende…
