7. Juli 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Ruderboot

Parasiten-in-the-Loop

INSPIRATION: Haste mal ‘nen Euro? Kennen wir. Die wohlmeinende Spende wird umgehend in Alkohol oder harte Drogen umgesetzt. Glauben Sie nicht? Schlagen Sie alternativ dem Bettler mal vor, Essbares für ihn zu kaufen …

Das ist bitter. Aber, ich gebe es zu, ab und zu lasse ich doch einen Euro springen. Die Zombies zu erleben, kann mich manchmal echt tief ins Herz treffen, und dann denke ich mir: Stell‘ Dir mal vor, das wäre Deine Tochter, Dein Sohn … Ich mag den Gedanken kaum zu Ende denken, so weh tut er.


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Tja, manche sind auch bereit, für Geld die unglaublichsten Dinge zu tun. Erinnern Sie sich noch an den Film Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo aus dem Jahr 1981 mit der hammerharten Musik von David Bowie? Wochenlang prangte die LP-Hülle auf dem Notenständer in meiner Studentenbutze. Und die Musik – rauf und runter. Letztens habe ich die LP auf dem Flohmarkt verkauft. Für einen stolzen Preis … Bowie ist tot und ich bin 45 Jahre älter.

Gig Work

Nun, es gibt auch heute noch oder wieder Leute, die sich von Gelegenheitsjob zu Gelegenheitsjob hangeln. Man nennt sie Gig Worker. Schon vor zehn Jahren hat sich die damalige Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles mit dem Thema beschäftigt. Man nannte das seinerzeit vornehmer „atypische Beschäftigung“ (Grünbuch Arbeiten 4.0). Das mag in einem reichen Wohlstandstaat wie Deutschland ein Randthema sein. Heutzutage findet man auf der Website des Bundesministeriums unter dem Stichwort „Gig Work“ nur noch drei ältere Einträge. Ein Schelm, der das bemerkenswert findet.

Für viele Menschen im globalen Süden ist das allerdings Teil ihres täglichen Work-Portfolios. Und ich denke jetzt nicht bloß an Uber-Fahrer. Ich denke auch an all die Menschen, die in schlecht bezahlten und ungeschützten Jobs für die großen KI-Firmen arbeiten. Zumeist für Sub-Sub-Unternehmen, die Tech Bros wissen ja angeblich von nichts. Aber profitieren selbstverständlich davon (Gig-Work – eine Verzweiflungstat?). Es geht um das Thema „Training der KI durch digitale Tagelöhner“. Und genau darum geht es auch im Beitrag des Autors (Die unsichtbare Belegschaft).

Ein Selbstversuch

Der Autor, ein Journalist, berichtet über diverse Versuche, sich der KI-Economy als Gig-Worker anzubieten und über die Erfahrungen, die er dabei gemacht hat. Um es gleich zusammenzufassen: Hier werden mehrere konkrete Beispiele gebracht, die die These Pasquinellis (KI – es ist nicht drin, was draufsteht) unterstützen. Und nicht nur allgemein: „Denn tatsächlich arbeiten bereits Millionen von Menschen im Dienste der KI. Manche wissen es, viele nicht. Die Bandbreite reicht von unbezahlten Datenspenden bis zu ordentlich vergüteten Inputs.“

Die KI-Firmen nutzten (manche sagen, vermutlich passsender: klauen) alles, was ihnen Nützliches unter die Finger kommt. Social-Media-Postings, Veröffentlichungen, was auch immer. Hatte ich nicht letztens erst auf Momo und die „grauen Herren der Zeitsparkasse“ (Momo) verwiesen? Nicht dass Sie, meine verehrte Leserschaft, nun denken, ich könne nicht mehr die Gute-Nachtgeschichten für meine Enkel von der „Wirklichkeit“ unterscheiden: Wer zum Beispiel Metas KI-Brillen nutzt, schickt Bild- und Tonmaterial an die Server von Meta. Subunternehmer Sama in Nairobi (Kenia) sichtet und katalogisiert den Content. Die sogenannten menschlichen Annotatoren der Aufnahmen schauen dort – für einen Stundenlohn von weniger als zwei US-Dollar – in das Privatleben der Brillenträger hinein: „Kreditkartennummern, Aufnahmen aus Schlaf- und Badezimmern, pornografische Szenen“ und so weiter. Ähnliches hatte man zuvor auch schon über Siri, Alexa & Co. gehört.

Es gibt sogar „akademische Klickarbeit“. Weil – wie wir ja längst wissen, dass die KI eigentlich dumm ist – braucht sie eben das Tagging, die Beschreibung, Einordnung, Erklärung „richtiger“ Menschen. Mit irgendeinem Muster (was erst einmal elektrisierend klingt) kann sie eben gar nicht so viel anfangen. Ein spezieller Dienstleister spricht daher Fachleute gegen Honorar an: Ärzte, Anwältinnen oder Programmierer. Sie sollen für große KI-Labore Aufgaben erledigen, die die KI-Modelle weiterbringen sollen. Sie helfen folglich bei der Abschaffung ihres eigenen Berufs: Danke für nichts! Denn KI braucht nicht nur Big Data, sondern auch Qualität, und damit sorgfältig von Fachleuten geprüftes Wissen.

Wenn KI nur noch mit KI spricht

Nun sind Menschen teuer. Reinforcement Learning from AI Feedback (RLAIF) könnte den Menschen durch eine andere KI ersetzen. Klingt clever. Aber was ist, wenn die KI auch die Fehler der anderen KI lernt – und das gar nicht realisiert (Aus Fehlern lernen?)? Reinforcement Learning with Verifiable Rewards (RLVR) geht da noch einen Schritt weiter. „Aus Millionen solch automatisch überprüfbarer Aufgaben lernt das Modell komplexes Denken, ganz ohne menschliche Bewertung.“ Allerdings lautet das Ausgabeformat lediglich Daumen hoch oder runter. Den IT-lern reicht das vermutlich. Das hatten wir doch schon einmal: „Die Welt ist, was der Fall ist“ (Wittgenstein). Alles andere stört nur (KI: Ein Rundumschlag).

Das ist doch mal eine witzige Wendung: Von „man in the loop“ zu „man outside the loop“. Oder: Das Ding dreht sich um sich selbst, die Katze beißt sich in den Schwanz. Klingt nach Perpetuum Mobile. So mag Elon Musk auf den Mars gelangen – und von mir aus auch gerne dort bleiben. Hier – in diesem analogen – „Jammertal“ hören Menschen wieder Schallplatten. Vielleicht sollte ich mir doch wieder einen Schallplattenspieler gönnen …

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Thomas Webers

Dipl.-Psych., Dipl.-Theol., Fachpsychologe ABO-Psychologie (DGPs/BDP), Lehrbeauftragter der Hochschule Fresenius (Köln), Business-Coach, Publizist

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