28. August 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Sechs Arten von Mut

INSPIRATION: Wie würden Sie ”Mut” definieren? Vermutlich ganz einfach als die Fähigkeit zu handeln, auch wenn dieses Handeln mit einem Risiko für Sie persönlich verbunden ist. Wobei dieses Risiko eine gewisse Angst auslöst. Nun ist es ja nicht gerade eine Stärke von Managern, ein Gefühl wie Angst zuzugeben – und da sind wir schon bei einer von sechs Arten von Mut.

Bevor ich die einzelnen beschreibe, wie sie in dem Beitrag von Alex Budak im Harvard Business Manager vorgestellt werden (Ihr Krisen-Playbook – seltsamer Titel), eine kurze Überlegung, warum es überhaupt sinnvoll sein kann, verschiedene Mut-Arten zu unterscheiden. Ich denke, es hilft, sich in schwierigen Situationen darüber klar zu werden, was genau einen zögern lässt. Denn wahrer Mut liegt dann vor, wenn ich mir des Risikos bewusst bin, eine Angst verspüre, dass etwas schiefgehen kann und dann mich der Angst und des Risikos zum Trotz aktiv entscheide.


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Nun denn, welche Arten gibt es? Und wie kann ich den jeweiligen Mut trainieren? Klingt erst mal seltsam, aber mutiger zu handeln ist sicherlich ein Wunsch, den wir alle hin und wieder verspüren.

Moralischer Mut

Dieser liegt vor, wenn ich vor einer Entscheidung stehe, die mich vor ein moralisches Dilemma stellt. Entscheide ich mich gegen das günstigere Angebot, weil ich weiß, dass der Anbieter gegen Umweltstandards verstößt, diese mir aber sehr wichtig sind, auch wenn ich damit riskiere, finanziellen Schaden zu erleiden?

Privat vielleicht noch eher machbar, aber als Manager, der für die finanzielle Sicherheit seines Unternehmens verantwortlich ist? Empfehlung des Autors: Führungskräfte, die ihre Werte im Vorfeld klar kommunizieren und ankündigen, im Zweifel entsprechend dieser Werte zu entscheiden, tun sich leichter.

Also: Die eigenen Werte klären und im Umfeld kommunizieren. Am besten auch mit praktischen Beispielen in Form von ”Wenn-dann …“-Formulierungen, vielleicht aus der Vergangenheit: ”Wenn ein Lieferant günstigere Konditionen bietet, aber hierbei bestimmte Standards ignoriert, werde ich einem Wechsel nicht zustimmen.”

Sozialer Mut

Gemeint ist, sich zu positionieren, auch wenn sich die Angst vor Ablehnung und Ausgrenzung meldet. Oder klar ist, das man mit seiner Haltung der Gruppenmeinung entgegensteht.

Tipp: Als Führungskraft dieses Verhalten vorleben und wenn andere dieses Verhalten zeigen, es zu wertschätzen: ”Ich weiß, dass es Ihnen nicht leicht gefallen ist, eine andere Meinung zu äußern und danke Ihnen daher ausdrücklich dafür.”

Emotionaler Mut

Damit sind wir bei dem oben angesprochenen Beispiel. Es geht darum, eigene Gefühle wahrzunehmen, zuzulassen und öffentlich zu machen. Auch wenn sie unangenehm sind. Sei es ein Bedauern oder Reue oder eben Angst: ”Ich sehe ein, mit meiner Entscheidung daneben gelegen zu haben und bedauere, dass ich Ihre Bedenken nicht ernst genommen habe!”

Der Tipp zum ”Training”: Wenn Sie vor einem schwierigen Meeting stehen, horchen Sie in sich hinein, welche Gefühle sich melden. Notieren Sie diese und nehmen sich vor, eines davon anzusprechen. Sie müssen sich nicht jedes Mal umfassend offenbaren – wichtig ist eine solche Äußerung, wenn sie für mehr Klarheit sorgt.

Intellektueller Mut

Hier geht es darum, die eigenen Überzeugungen immer mal wieder in Frage zu stellen. Einzugestehen, wo man Wissenslücken hat, keine Ideen oder vielleicht auch Vorbehalte, die sich als falsch erwiesen haben. Das fällt umso schwerer, je mehr man seine Identität mit den eigenen Überzeugungen verbindet. Man kann noch derselbe sein, auch wenn sich einzelne Anschauungen als fragwürdig herausgestellt haben.

Tipp: Hin und wieder in Diskussionen Überzeugungen selbst in Frage stellen, Zweifel benennen und andere auffordern, den Status quo zu hinterfragen: ”Ich bin nach wie vor überzeugt, dass die Umstrukturierung sinnvoll ist, aber auch ich habe hin und wieder Zweifel an einzelnen Entscheidungen. Wo sehen Sie das Vorgehen eher kritisch?“

Kreativer Mut

Egal wie scheinbar selbstverständlich ein Vorgehen, ein Plan, ein Entwurf ist – wenn Ihnen ein auf den ersten Blick abwegiger Gedanke, eine Idee kommt, die so gar nicht dazu zu passen scheint, diese zu äußern – das wäre kreativer Mut.

Der Tipp wäre, hierfür Räume zu schaffen: ”Bevor wir das Vorgehen so verabschieden und in die Tat umsetzen, lassen Sie uns mal noch so abwegige Ideen sammeln – egal, wie absurd sie im ersten Moment erscheinen.” Und natürlich – immer wieder genannt: Hier und da kleine Experimente wagen und damit signalisieren: Kreativer Mut ist erwünscht.

Physischer Mut

Nein, Sie sollten sich weder als Manager noch privat in für Sie gefährliche Situationen begeben, um diesen Mut zu trainieren. Oder vielleicht doch? Als Beispiel nennt der Autor, dass man als Führungskraft vor Ort auftauchen sollte, wohlwissend, dass die Stimmung nicht gerade rosig ist. Vielleicht sogar feindselig.

Das kann jeder von uns trainieren. Statt dem Kollegen, der gerade mächtig sauer auf uns ist, eine Mail zu schicken oder gar ihn ganz zu meiden, das persönliche Gespräch suchen. Allein die Vorstellung dürfte so manche Ängste auslösen. Oder zumindest Unbehagen. Aber wir können sicher sein, dass, egal wie kritisch der oder die andere uns sieht, wir für diesen Mut Hochachtung ernten werden.

Das wäre der generelle Tipp: Suchen Sie sich eine der genannten Arten aus und gehen Sie kleine Schritte. Wo fällt es Ihnen weniger schwer, Risiken einzugehen? Und damit starten.

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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