INSPIRATION: Wer vor einem Laptop sitzt und Texte verfasst oder Zahlen eingibt, recherchiert oder programmiert, ist damit längst kein Wissensarbeiter (mehr). Nach einer Definition von Frank Wolf (Die Wissensarbeit geht uns nicht aus) hat Wissensarbeit damit etwas zu tun, wie viel man ”vorher weiß, was an welchem Punkt im Prozess passiert.”
Soll heißen: Wenn ich ziemlich genau weiß, was als nächstes zu tun ist, dann kann ich davon ausgehen, dass meine Tätigkeit im Grunde standardisiert werden kann und daher schon bald automatisiert werden wird. Das betrifft jetzt schon oder in naher Zukunft Banker, Buchhalter, Juristen, Finanzanalysten und Berater. Zumindest diejenigen von ihnen, die eben jene sich wiederholenden Tätigkeiten ausüben (Blitzschnelle Praktikanten).
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Sie ahnen es – es geht darum, welche Jobs überhaupt noch sicher sind, welche Tätigkeiten nicht von künstlicher Intelligenz bedroht sind oder von ihr ersetzt werden (Die große Angst). Manch einer, der sich bisher als Wissensarbeiter fühlte, mag inzwischen ins Grübeln gekommen sein. Und wer noch vor der Berufswahl steht, erst recht. Welches Studium, welche Ausbildung ist noch sinnvoll, wenn man anschließend überhaupt nicht mehr benötigt wird?
Vier Rollen
Tatsache ist wohl, dass niemand uns das so genau sagen kann. Vielleicht hilft es, wenn man sich vor Augen führt, welche Aufgaben auch in Zukunft kaum zu standardisieren sind, weil sie nun mal unvorhersehbar sind. Davon gibt es schließlich noch jede Menge. Und dann könnte eine Kategorisierung von Rollen nützlich sein, die die Zusammenarbeit mit der KI betreffen. Als da wären:
- Der Wächter: Was auch immer die KI produziert – es wird Menschen brauchen, die ihr auf die Finger schauen. Da sie von Menschen gemacht ist, wird sie Fehler machen – da braucht es Menschen, die diese Fehler erkennen und eingreifen. So wie bei der Automatisierung in der Industrie: Auch wenn die Produktionshallen menschenleer sind – hier und dort müssen Menschen eingreifen.
- Der Übersetzer: An irgendeiner Stelle benötigt die KI Input. Jemand muss ihr mitteilen, was sie tun soll. Einen ”Prompt” erstellen, der so präzise ist, dass das Ergebnis auch wirklich das gewünschte ist. Hier benötigt es Übersetzer zwischen der realen Welt und der KI – auch wenn die KI in Zukunft viele dieser Übersetzungsaufgaben selbst übernehmen wird.
- Der Gestalter: Menschen haben neue Ideen, sind kreativ, entdecken neue Probleme – die sie dann mit Hilfe der KI lösen. Soll heißen: Egal, mit wie vielen Informationen man eine KI füttert, sie wird keine wahrhaft kreativen Ansätze liefern – hier ist nach wie vor der Mensch gefragt.
- Der Sinnstifter: Menschen, die andere Menschen überzeugen. Die nicht nur eine gute Idee haben, sondern sich für diese einsetzen und andere für sie gewinnen können. Unterstützt durch KI, sicherlich, aber letztlich werden es immer Menschen sein, denen wir zuhören und Glauben schenken.
Nachvollziehbar? Wie man diese Kategorien nun nutzt, um eine Berufswahl zu treffen, weiß ich nicht. Vielleicht helfen diese beiden Beispiele aus dem Bereich ”Weiterbildung” ein wenig:
Zwei Beispiele
LKW-Fahrer oder Paketfahrer haben kaum Zeit, sich notwendige Informationen am Bildschirm anzuschauen. Aber sie können bei ihren Fahrten Podcast hören. Also gibt es diese zu allen wichtigen Themen (neue Regeln, Sicherheitsinformationen, Fahrzeugchecks etc). Erzeugt werden diese von einer KI, längst ist es weder notwendig, Texte per Hand zusammenzufassen noch durch Menschen sprechen zu lassen.
Aber: Auf die Idee muss erst einmal jemand kommen (Gestalter), die Podcasts gelingen nur, wenn jemand der KI genau sagt, zu welchem Thema was benötigt wird (Übersetzer), sie müssen gecheckt werden auf Fehler und Verständlichkeit (Wächter). Und die Fahrer müssen überzeugt werden, wie sinnvoll es ist, sie auch zu hören (Sinnstifter).
Ein zweites Beispiel: Präsenztrainings sind nach wie vor ”Stand der Technik”, trotz Online-Trainings und Blended Learning. Die Idee ist bei allen auch die gleiche: Wir lernen auf Vorrat, wenn wir Zeit haben. Zwar müssen wir nicht mehr warten, bis der Seminartermin steht, sondern können selbst entscheiden, wann wir Zeit für ein Video haben. Aber das Prinzip ist noch das gleiche.
Aber wie oft haben wir uns schon gewünscht, der Trainer, der uns die tollen Tipps im Seminar gegeben hat, säße neben uns und würde uns den entscheidenden Tipp geben, just in dem Moment, in dem wir ihn benötigen? So wie ein Trainer im Sport, der nicht nur einmal im Jahr ein Seminar gibt, sondern regelmäßig unser Training begleitet?
Schon jetzt Alltag
KI wird genau das möglich machen – und macht es jetzt schon. Im Ernst: Wenn ich vor einer Problem stehe, und sei es nur, dass ich in den Kühlschrank schaue und feststelle, dass dort eine Aubergine liegt, in der Kammer noch ein paar Kartoffeln und Zwiebeln, dann gebe ich die Zutaten der KI und bekomme ein Rezept geliefert.
Zu banal? Ich möchte eine CSV-Datei in Excel anders darstellen lassen, habe auch schon mal gelernt, wie das geht, aber längst vergessen. Der Prompt ist denkbar einfach, die Lösung in Sekunden präsentiert. Soll heißen: Wir müssen alle Gestalter, Übersetzer und Wächter werden, egal in welchem Job.
Wie wird man Experte?
Womit ein ganz wichtiger Punkt fehlt: Wie um alles in der Welt erwerbe ich die Expertise, um diese Rollen auch zuverlässig ausfüllen zu können? Woher sollen die Superhirne kommen, die der KI sagen, was sie zu tun hat?
Das wird wohl eine der größten Herausforderungen überhaupt: Wenn die einfachen, grundlegenden Tätigkeiten spielend durch die KI ersetzt werden, wird doch niemand mehr jemanden an diese Aufgaben, z.B. im Rahmen einer Ausbildung, setzen. Wie lernt ein Juniorberater noch Beratung? Ein Anwalt die Juristerei? Ein Buchhalter die Buchhalterei? Ein Steuerberater die kniffligen Details? Um dann mit all ihrer Erfahrung die KI überprüfen, füttern und sinnvoll nutzen zu können?
