15. April 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Wenn Coaching zu wirksam ist

INNOVATION: Seit Jahren hören wir, Unternehmen würden von Coaching sehr profitieren. So drängte sich schon fast der Eindruck auf: Dumm ist, wer es nicht nutzt. Doch es muss nicht immer gut sein, was gut gemeint war …

Nun liest man die Erfolgsgeschichten natürlich gerne. Unternehmen mögen die schlechten Nachrichten auch lieber verschweigen. Wurde dabei das Thema „Risiken und Nebenwirkungen“ also ausgeblendet? Nicht ganz. Unter dem Stichwort „Scharlatanerie“ erschienen immer wieder krasse Horrorgeschichten. Immer noch lesenswert sind der Beitrag von Klaus Werle aus dem manager-magazin oder das Buch „Coaching-Wahn“ von Erik Lindner.


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Doch eine systematische, gar wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema „bad news“ fehlte lange. Carsten Schermuly, Psychologie-Professor an der SRH-Hochschule in Berlin, war einer der Ersten, der hier Grundlagen schuf („Ich brauche meine Zeit, um wieder offen zu sein“). Er berichtet von negativen Effekten des Coachings für Klienten, aber auch für Coaches selbst. Dass tiefergehende Probleme im Coaching offenbar werden, aber nicht bearbeitet werden können, bedauern beispielsweise Coaches an erster Stelle. Klienten selbst benennen am häufigsten, dass sie das Coaching als wirkungslos erleben.

Wenn sich Klienten zu stark entwickeln

Katrin Oellerich, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachgebiet Theorie und Methodik der Beratung an der Universität Kassel, beleuchtet nun die Unternehmensseite (Die Coachingkultur als Wirkfaktor). Ihr wichtigstes Ergebnis: Was der eine negativ bewertet, kann der andere auch positiv empfinden. Alle von ihr interviewten Personen hoben hervor, dass die positiven Wirkungen von Coaching deutlich überwiegen, dass Coaching eine mächtige Maßnahme der Personalentwicklung ist. Manchmal wohl auch zu mächtig. Denn als zentrale negative Effekte nennen die befragten Führungskräfte und HR-Mitarbeiter, dass Coaching-Klienten sich zu stark entwickeln könnten. Das produziere dann Unruhe, Verunsicherung, Konflikte im Unternehmen – und sogar Kündigungen.

Sapperlot! Wenn ein Unternehmen Menschen coachen lässt und diese dann feststellen, dass sie besser gehen sollten, dann ist doch beiden geholfen. Oder? Innerlich gekündigte Mitarbeiter kosten auch Geld und leisten wenig. Das Unternehmen muss nicht mal eine hohe Abfindung zahlen, wenn der Mitarbeiter freiwillig geht. Wer jetzt noch stöhnt, dass die Neubesetzung kostet, könnte sich statt dessen bei Fishermen’s Friends Rat holen: Sind sie zu stark, bist du zu schwach! Vielleicht sollte man neben der Entwicklung von Mitarbeitern auch die Entwicklung der Organisation nicht vergessen, sonst wiederholt sich die Geschichte möglicherweise mit dem nächsten Kandidaten.

Daneben gibt es allerdings auch noch die Sorge um einen unklaren oder zu geringen Return on Investment des Coachings. Dafür werden eine wenig ausgeprägte oder defizitorientierte „Coachingkultur“, mangelnde Auftragsklärung, fehlende Motivation von Klienten und die gelegentlich unpassende Arbeitsweise von Coaches als ursächlich angesehen. Was dagegen hilft, sollte auf der Hand liegen: Professionalisierung. Eben auch in den Unternehmen.

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Thomas Webers

Dipl.-Psych., Dipl.-Theol., Fachpsychologe ABO-Psychologie (DGPs/BDP), Lehrbeauftragter der Hochschule Fresenius (Köln), Business-Coach, Publizist

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