INSPIRATION: Ein neues Coaching-Programm will es Klienten ermöglichen, positiver mit Stress umzugehen. Sie sollen Job-Crafting nutzen, um proaktiv entweder die Anforderungen ihres Jobs zu reduzieren oder ihre Ressourcen stärker zu nutzen.
Oder beides. Konzeptionell setzten die Autor:innen (The crafting for stress management coaching (CSMC) program) auf die Job-Demands-Resources-Theorie (JD-R) von Bakker und Demerouti. Seit zirka 20 Jahren erfreut sich diese Theorie wachsender Aufmerksamkeit, weil sie Stress nicht bloß negativ versteht, sondern seine aktivierende Funktion würdigt. Und zudem zeigt, dass Belastung und Beanspruchung steuerbar sind.
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Und zwar nicht so platt wie das populär in Unternehmen gerne behauptet wird mit dummen Sprüchen wie „An apple a day keeps the doctor away“. Oder in Resilienzpredigten angeblich begnadeter Trainer, die sich aber bloß an das Individuum richten – und dieses dann oft genug hilflos und beschämt zurücklassen. Sondern ganzheitlich: Durch aktive Arbeitsgestaltung zur Reduktion von Belastung und Beanspruchung, durch unterstützende Führung, durch Teamkooperation sowie durch persönliche Ressourcenaktivierung. Was den letzten Aspekt betrifft, greifen die Autorinnen auf die rational-emotive Verhaltenstherapie zurück. Hier geht es um die Entwicklung positiver Emotionen und Kognitionen.
Visualisierung von „Stress“
Zentral ist die Annahme der JD-R-Theorie, dass Ressourcen die Beziehung zwischen Anforderungen und negativen Folgen wie Burnout abfedern können. Und dann wäre es doch hilfreich, so die Autor:innen, wenn man dem Klienten den Verlauf seiner Stresszustände (positive wie negative; Di- und Eustress) über die Zeit visualisieren würde. Dadurch bekäme er unmittelbares Feedback und könnte seine Aktivitäten und Anstrengungen, besser mit seiner Situation umzugehen, zeitnah verfolgen.
Dazu ist Job-Crafting der Hebel (Goldschürfer fördern). Der Klient wird „vom Opfer zum Täter“, verändert aktiv seine Arbeitssituation und erlebt Selbstwirksamkeit. Dadurch erhöht sich sein Arbeitsengagement, was wiederum positiv auf die Selbstwirksamkeit wirkt. Eine Aufwärtsspirale.
Das Coaching-Programm
Das auf dieser Basis entwickelte Coaching-Programm versteht sich als ein kurzfristiges Programm. Es besteht aus fünf anderthalbstündigen Sitzungen und einer Pause von bis zu zwei Wochen zwischen den einzelnen Sitzungen. Die Programmentwickler (The crafting for stress management coaching (CSMC) program) gingen dabei methodisch innovativ vor.
1. Sitzung
Den Start macht eine Einführung in das Konzept (Psychoedukation) und eine persönliche Zielformulierung für das Coaching. Am Ende wird ein täglich auszufüllender Fragebogen ausgeteilt. Damit sollen in den nächsten 14 Tagen die Arbeitsanforderungen, die Ressourcen sowie die positiven wie negativen Stresslevel erhoben werden. Das bedeutet für den Klienten einen Zeitaufwand pro Tag von fünf bis zehn Minuten.
