4. August 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Erfahrung weitergeben

INSPIRATION: Dieser Beitrag richtet sich an alle, die kurz vor der Pensionierung stehen oder gerade aus dem Berufsleben ausgeschieden sind. Also an sehr viele Menschen. Bis 2040, so das Statistische Bundesamt, wird fast ein Drittel der Beschäftigten in Deutschland das gesetzliche Rentenalter erreichen. Wobei zwar niemand wissen kann, wie das bis dahin wohl aussieht – aber das ist ein anderes Thema.

Statistisch gesehen haben Menschen, die mit 65 in den Ruhestand gehen, noch ca. 20 Jahre vor sich. Wie will man diese verbringen, lautet die Frage. Wenn ich diese Frage in meinem Umfeld stelle, erhalte ich unterschiedliche Antworten: ”Ach, da mache ich mir keine Sorgen. Ich habe schon jetzt genug Ideen, die kann ich gar nicht alle in die Tat umsetzen.” Dann gibt es diejenigen, die glaubhaft versichern: ”Aufhören zu arbeiten? Warum sollte ich?” Das sind eher die Selbstständigen. Aber auch: ”Aufzuhören kann ich mir gar nicht leisten!”


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Oder: ”Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, das wird sich zeigen.” Und schließlich diejenigen, die nachdenklich reagieren und wissen, dass die Zeit für sie schwierig werden wird. Was kann man ihnen empfehlen? Weiterarbeiten wäre die bequemste Variante. Warum? Weil Arbeiten Struktur bietet und Status verspricht. Beides geht meist verloren, wenn der Ruhestand eintritt. Andererseits enden zu dem Zeitpunkt auch viele Dinge, auf die man gerne verzichtet.

PERMA-Modell

Von denjenigen, die nach der Pensionierung noch einer Erwerbstätigkeit nachgehen, haben laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 97% Spaß an der Arbeit. Finanzielle Motive spielten bei 43% eine Rolle, eine sinnvolle Aufgabe und soziale Kontakte waren bei 90% von Bedeutung (Lust auf eine Zugabe). Womit schon die entscheidenden Faktoren für Zufriedenheit genannt sind: Positive Emotionen, befriedigende Aufgaben, gute Beziehungen, Sinnerleben und Selbstwirksamkeit. Auch als PERMA-Modell bekannt.

Wer sich also daran begibt, die Zeit nach dem bisherigen Job zu planen, könnte sich hieran orientieren (Spüren, wofür man aufsteht). Um vielleicht festzustellen, dass es nicht unbedingt eine Erwerbstätigkeit sein muss. Im Ehrenamt kann das genauso gut gelingen. Die Beispiele in dem Beitrag der Wirtschaftswoche laufen – mal wieder – auf eine spezielle ”Karriere” hinaus: Auf eine beratende Tätigkeit. Liegt ja auch nahe – wer viel Erfahrung angesammelt hat, ist eigentlich bestens geeignet, diese weiterzugeben. Entweder in Expertennetzwerken wie dem Senior Expert Service. Oder für seinen alten Arbeitgeber.

Plötzliches Ende vermeiden?

Woran liegt es eigentlich, dass die Journalisten auf der Suche nach Menschen, die aussteigen – ob freiwillig oder gezwungen oder wie hier aus Altersgründen – in der Regel solche finden, die als Berater oder Coach arbeiten? Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies eine besonders große Gruppe darstellt. Ich würde eher vermuten, dass viele die Erfahrung machen, dass ihre Erfahrung gar nicht so sehr angefragt wird und sie, kaum dass sie das letzte Mal die Bürotür hinter sich geschlossen haben, feststellen, dass alles auch ohne ihr Zutun weiter funktioniert.

Daher glaube ich, dass der beste Weg eigentlich der des langsamen Übergangs ist. Arbeitszeit schrittweise reduzieren und schauen, was sich parallel dazu ergibt. Sicher, vielen steht diese Option gar nicht offen – aber ich kenne auch viele, die fragen erst gar nicht danach. Weil sie einfach davon ausgehen, dass ihr Arbeitgeber da nicht mitspielen wird. Ein Versuch ist es aber allemal wert.

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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