6. September 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Weil wir es wollen

INSPIRATION: Der Inhaber eines kleinen Betriebes hat sich fest vorgenommen, ein Jahr Auszeit zu nehmen und mit seiner Familie auf Segeltour zu gehen. Den Starttermin legt er mit seiner Frau fest, damit er nicht in Gefahr gerät, das Vorhaben immer wieder aufzuschieben. Die Mitarbeitenden ahnen erst mal nichts (Chef ahoi!). Denn bevor er sein Vorhaben verkündet, muss er erst einmal so einiges umstellen. Zum Beispiel seine Stellvertreter festlegen: Es werden der Vertriebsleiter, der Produktionsleiter und der kaufmännischer Leiter.

Sie beteiligt er zunächst einmal an allen möglichen Vorgängen, damit sie mehr Einblick in das Unternehmen bekommen. Denn mit der Idee wird ihm bewusst, dass er jahrelang alle wichtigen Entscheidungen allein getroffen hat. Außerdem sieht er die Notwendigkeit, bestimmte Prozesse schriftlich zu fixieren – so etwas gab es vorher offenbar noch nicht.


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Ein Jahr, bevor es losgeht, informiert er die Belegschaft über sein Vorhaben. Die Reaktion? Durchweg positiv. Auch die drei Stellvertreter reagieren wie erhofft. Sie erhalten für die Zeit seiner Abwesenheit die Geschäftsvollmacht. Entscheidungen sollen sie nach dem Prinzip des konsultativen Einzelentscheids fällen – jeder für seinen Arbeitsbereich allein. Und einmal pro Monat sollen sie ihn über die Lage des Unternehmens in Kenntnis setzen: Auf einer Seite, mit einer Ampel am Anfang. Grün steht für „alles okay“, gelb für „Schwierigkeiten“, rot für „die Existenz steht auf dem Spiel“.

Das Umfeld reagiert weniger verständnisvoll, eher nach dem Motto: „Da bauen drei Generationen ein Unternehmen auf, die vierte geht segeln.“ Über die Begründung tauscht sich das Ehepaar mit einem Coach aus und kommt über die Frage: „Warum macht ihr das?“ zu der einfachen Antwort: „Weil wir es wollen“.

Die Sache geht gut aus. Einmal, während der Corona-Zeit, steht die Ampel auf gelb, fast wäre ein Rot daraus geworden. Aber die Stellvertreter bekommen die Sache in den Griff, der Chef kann seine Reise fortsetzen.

Konsequenzen für das Unternehmen

Interessant der zweite Fall. Hier nimmt sich der Geschäftsführer einer IT-Beratung eine dreieinhalbjährige Auszeit und reist mit seiner Familie per Wohnmobil durch Europa. Das Besondere an diesem Unternehmen (Cologne Intelligence) ist, dass die Gründer es bei ihrem Rückzug an die Mitarbeitenden in Form einer…

Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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