14. Oktober 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Esoterik

Esoterisches Geschwurbel

INSPIRATION: Die Argumentation mit der Quantenphysik ist seit etlichen Jahren in Teilen der Coaching-Szene beliebt. Insbesondere wird sie gerne zur Begründung der Wirksamkeit bei Organisationsaufstellungen ins Feld geführt.

Und da soll sie genau das erklären: Das Feld. Oder: Die Resonanz. Aber es geht noch doller: Manche sprechen von „Quantenpsychologie“ oder sogar von „Quantenheilung“. Es geht um attraktive Erklärungsmuster mit naturwissenschaftlicher Dignität. Autor Sander (Quantenphysik im Coaching?) legt zunächst dar, was die Quantenphysik tatsächlich beschreibt. Nämlich „das Verhalten atomarer Systeme unter präzisen, kontrollierten Bedingungen“. Unschärferelation, Superposition, Verschränkung, Nichtlokalität sind subatomare Effekte, die experimentell vielfach bestätigt wurden, aber nicht in unserer makroskopischen Welt gelten.


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In populärwissenschaftlichen Diskussionen werde aber genau das gerne gemacht: Quantenphysikalische Phänomene werden auf Makrosysteme wie soziale Interaktionen übertragen. Dieser Analogieschluss ist eine reizvolle Idee: Wie im Kleinen, so im Großen. Er ist aber schlicht unzulässig. Weil es ein kategorialer Sprung, besser: ein Kategorienfehler ist. Es gibt keine Verknüpfung zwischen beiden Beschreibungsebenen. Keine logisch schlüssige Theorie dafür.

Von Äpfeln und Birnen

Alles Spekulation: „Populäre Interpretationen der Quantenmechanik sind das Ergebnis von Missverständnissen.“ Es werden Metaphern überdehnt oder philosophische Unterstellungen gemacht. Doch solche „Resonanzeffekte in Kommunikations- und Interaktionssystemen sind faszinierend und erscheinen manchmal mysteriös, lassen sich aber inzwischen mit Hilfe von Psychologie, Neurobiologie und Sozialforschung auf Basis solider Modelle und empirischer Evidenz robust erklären.“

Implizite Wahrnehmung ist psychologisch schon länger gut erklärt, dafür muss man kein „physikalisches Feld“ annehmen. Erwartungs- und Rahmungseffekte, Spiegelungs- und Resonanzprozesse (Embodiment), Meaning-Response (Attribution) dito. Und dass Wirklichkeit sozial konstruiert werde, sei ebenfalls ein alter Hut.

Ockhams Rasiermesser

Der Autor postuliert deshalb ein „Mehrebenen-Modell der Systemischen Resonanz“, bei dem die Ebenen in iterativen Schleifen interagieren und Resonanz als emergentes Muster erzeugen: Neurophysiologie, Implizite Wahrnehmung, Kognitive Rahmung, Soziale Systemdynamik. Und er zückt das wissenschaftstheoretische Rasiermesser Ockhams: Eine Theorie sollte nicht komplexer sein als nötig. Statt Geschwurbel verlangt die wissenschaftliche Theoriebildung Operationalisierbarkeit, Falsifizierbarkeit und Reproduzierbarkeit.

Daher müsse man festhalten: Auch wenn es in esoterischen Kreisen immer wieder behauptet würde, es gibt bislang keine reproduzierbaren experimentellen Nachweise für solche behaupteten Quanteneffekte im makroskopischen Bereich. „Die Würde des Coachings liegt im professionellen Umgang mit Komplexität,“ so das Schlussstatement des Autors.

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Thomas Webers

Dipl.-Psych., Dipl.-Theol., Fachpsychologe ABO-Psychologie (DGPs/BDP), Lehrbeauftragter der Hochschule Fresenius (Köln), Business-Coach, Publizist

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