18. August 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Klarer im Kopf

INSPIRATION: Wenn ich die Wettervorhersage für den heutigen Tag betrachte, wird mir ganz anders. 38 Grad werden vorhergesagt, seit Tagen ist es ähnlich. Und geregnet hat es seit Wochen nicht mehr. Es fällt mir schwer, gelassen zu bleiben, obwohl ich weiß, dass ich selbst nichts ändern kann. Aber wenn uns die Gelassenheit abhanden kommt, dann sind wir im Dauerstress. Es fällt uns schwer, gute Entscheidungen zu treffen, wir entwickeln düstere Szenarien und schlimme Befürchtungen. Was unsere Handlungsfähigkeit weiter einschränkt.

Was hilft? Na, eben die erwähnte Gelassenheit. Die man aber nicht mit Gleichgültigkeit verwechseln sollte. Dazu später noch einige Gedanken. Erst einmal zur Frage, wie das mit der Gelassenheit im Alltag funktioniert. Achtsamkeitsübungen und Meditation sind sicher hilfreich, aber hierfür braucht es Zeit und Ausdauer. Geht es auch schneller, einfacher?


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Ja, sagt ein Professor und Experte für das Thema (Entspannende Einsichten). Und verrät uns drei Gelassenheitsprinzipien, die er selbst als eher banal, aber sehr hilfreich bezeichnet. Und in der Tat wollte ich den Beitrag schon zur Seite legen, aber dann kam ich doch ans Nachdenken. Hier also die Tipps, um wieder klar im Kopf zu werden:

Vergangenes abschließen

Kennen wir alle, oder? „Hätte ich doch damals nicht …” oder ”Vielleicht hätten wir letztes Jahr anders entscheiden sollen …” oder ”Wieso habe ich nicht auf den Rat gehört und vor drei Jahren mein Geld in … gesteckt?” Das wird als ”kontrafaktisches Denken” bezeichnet: Wir imaginieren alternative Versionen der Vergangenheit. Ist ja völlig sinnlos, bindet Aufmerksamkeit und Energie und macht uns noch unzufriedener.

Wissen wir natürlich, ist eben banal. Aber genau das, so der Autor, hält uns davon ab, uns anders zu verhalten. Er nennt es die ”Selbstverständlichkeitsfalle”. Wenn uns jemand darauf hinweist, dass es doch keinen Sinn ergibt, sich weiter damit auseinanderzusetzen, winken wir ab und sagen ”Ja, ist mir klar!” Und unternehmen nichts.

Sollten wir aber. Nämlich uns immer wieder bewusst machen, dass die Vergangenheit abgeschlossen ist und wir einen Haken daran machen können. Ganz bewusst.

Keine Sorgen machen

Na prima, damit soll mir mal jemand kommen: ”Hey, mach dir keine Sorgen.” Wie soll das gehen? Nun, hier ganz praktische Empfehlungen. Schreiben Sie mal auf, welche Sorgen Sie sich im Moment machen. Alles, was Sie im Augenblick belastet und was besser nicht passieren sollte. Dann holen Sie den Zettel in einem Monat wieder hervor und schauen mal, was davon wirklich eingetreten ist. Vermutlich nur ein Bruchteil. Könnte zumindest etwas helfen, die eigenen Befürchtungen nicht ganz so ernst zu nehmen.

Die anderen Tipps sind bekannt. Sich die folgenden Fragen stellen: Was genau ist es, das ich befürchte? Wie sicher bin ich, dass es passiert? Was ist Fakt und was nur Annahme? Was ist das Schlimmste, was passieren kann? Die letzte Frage ist in der Tat meist ziemlich hilfreich, es ist meine Lieblings-Gelassenheits-Hilfe.

Für andere Verständnis aufbringen

Hier geht es um einen speziellen Anlass für fehlende Gelassenheit: Wenn wir uns über andere aufregen. Sehr beliebt (warum eigentlich?) Wenn jemand auf der Straße dicht auffährt … Wenn jemand mal wieder einen E-Scooter mitten auf dem Bürgersteig abgestellt hat … Wenn der Nachbar seinen Radiowecker morgens nicht ausgestellt hat und dieser ununterbrochen läuft …

Zum aus der Haut fahren! Warum? Wir unterstellen demjenigen Absicht, Boshaftigkeit, Blödheit, Rücksichtslosigkeit und Ähnliches. Begehen damit den fundamentalen Attributionsfehler, indem wir das Verhalten anderer auf seinen Charakter und negative Eigenschaften zurückführen.

Dabei sind in Wahrheit äußere Faktoren viel häufiger die Ursache von Verhalten. Also vermuten wir besser: Der andere hat in der Regel seine Gründe, sich so zu verhalten. Der Drängler hat Panik, einen Termin zu verpassen, dem Scooter ging der Strom aus und der Fahrer war ein Leichtgewicht, zu schwach, ihn beiseite zu stellen. Der Nachbar war im Stress und hatte angenommen, den Wecker längst ausgestellt zu haben.

Wer sich solche Ursachen überlegt, der ist automatisch gelassener. Selbst wenn sie nicht stimmen und der Drängler notorisch auffährt, der Scooterfahrer ein Idiot und der Nachbar ständig Dinge vergisst – uns hilft dieses Denken, eben zu genau dem, worum es hier geht: Zur Gelassenheit.

Aus der Zukunft zurückblicken

Für mich einer der besten Tipps: Sich vorzustellen, es ist ein Jahr später und sich dann fragen: Werde ich mich auch in einem Jahr noch darüber ärgern? Falls man da nicht so sicher ist, mal umgekehrt überlegen: Worüber habe ich mich vor einem Jahr geärgert? Da wird uns meist nichts mehr einfallen.

Noch mal zum Thema ”Gleichgültigkeit”. Diese sei nicht zu verwechseln mit Gelassenheit, sagt der Professor. Ist das so? Wenn ich also sage, dass mir die Waldbrände Sorgen bereiten und die Antwort erhalte: ”Na ja, Waldbrände hat es immer wieder gegeben …” – dann hilft es mir schon, wenn ich mir überlege, dass derjenige nun mal situativ argumentiert, und seine Antwort wohl keine Gleichgültigkeit ist, sondern eher ein Ausdruck seiner eigenen Ratlosigkeit.

Aber die Frage, was das Schlimmste sei, das passieren kann, ist in diesem Fall auch keine gute Idee. Da stehe ich nun und bin weiter alles andere als gelassen.

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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