2. September 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Richtig Scheiße

INSPIRATION: Es ist wirklich noch nicht lange her, dass ich jungen Leuten kund tat, wie gut sie es doch hätten. Bei dem demografischen Wandel und dem Fachkräftemangel könnten sie sich die Jobs aussuchen und sogar die Bedingungen diktieren. 

Schnee von gestern. Es gibt „eine dramatische Jobkrise der Berufseinsteiger“ (Bereit zum Abflug). Einen Hochschulabschluss in der Tasche und keine Anstellung in Sicht. Das kommt unsereinem doch sehr bekannt vor. Ohne Ende Bewerbungen schreiben und nichts als Absagen kassieren. Frustrierend. Seit Juni 2022 ist die Zahl der arbeitslosen Akademiker unter 30 Jahren um 119% gestiegen.


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Was nicht nur mit der wirtschaftlichen Situation im Lande zu tun hat, die Unternehmen zum Sparkurs veranlasst. Inzwischen wirkt sich offenbar auch die künstliche Intelligenz auf den Arbeitsmarkt aus. Viele Firmen geben an, weniger Juniorpositionen zu schaffen, eben weil KI diese ersetzt. So schnell kann das gehen. Und ganz dramatisch: In der Softwareentwicklung, einst der Bereich, in dem Experten händeringend gesucht wurden, gibt es heute ca. 70% weniger Stellen als 2022. Wenn die KI etwas wirklich gut kann, dann ist das Programmieren.

Und nun? Unter den klassischen Tipps für Berufseinsteiger mit düsteren Aussichten finden sich auch der eine oder andere durchaus praktische Hinweis. Los geht’s:

Das Praktikum ist zurück

So bitter die Erinnerungen, es hilft alles nichts: Experten empfehlen, sich über ein Praktikum den Zutritt zu Unternehmen zu verschaffen. Oder auch eine Stelle annehmen, die auf den ersten Blick so gar nicht zum Traum-Job passt. Um dann, einmal den Fuß in der Tür, sich intern umzuschauen, Kontakte zu knüpfen und die Ambitionen an der richtigen Stelle zu äußern.

KI-Know-how

Wenn KI schon die Jobs killt, dann kann man sie auch nutzen, um an einen Job zu kommen. Soll heißen: Die Unternehmen haben eine Menge Nachholbedarf in Sachen KI, und wer sich hier gut auskennt, dessen Chancen steigen. Allerdings reicht es nicht, hin und wieder mal eine Frage durch eine KI beantworten lassen. Konkrete Projekte sollten es schon sein. Irgendein Tool, dass man mal mit Hilfe von KI gebastelt hat. Dabei hilft auch, bei der Bewerbung diese Erfahrungen herauszustellen, z.B. mit einem Screenshot.

Flexibel sein

Vorbei die Zeit, in der man aushandeln konnte, die meiste Zeit im Homeoffice zu verbringen. Mehr noch: Die Bereitschaft zu pendeln ist gefragt, oder gar die Offenheit, in ganz Europa tätig zu sein. Ebenso die Bereitschaft, die Ärmel hochzukrempeln. Nicht unbedingt im Büro vor dem Bildschirm sitzen zu wollen, sondern als Akademiker auch in die Produktion zu gehen. 

Oder ganz artfremde Jobs anzunehmen. Damit Neugier und Offenzeit – und ein wenig Demut zu zeigen. Wie eine Bewerberin, die mit einem internationalen Masterabschluss schließlich in ihrem Heimatort in der kommunalen Verwaltung landete. Ein Zwischenschritt, wie sie meint. Erinnert mich an die Zeit, als viele meiner Freunde mit Lehramt-Abschluss in völlig artfremden Jobs landeten – und letztlich nie als Lehrer arbeiteten. 

Hartnäckig sein …

… und persönlichen Kontakt suchen. Ein uralter Tipp, aber in Zeiten, in denen die Unternehmen mit KI-Bewerbungen überhäuft werden, kann es nicht schaden, auch mal zum Telefon zu greifen. Zum Beispiel einen Tag, nachdem die Bewerbungsfrist abgelaufen ist. Da kann schon mehr von der eigenen Persönlichkeit vermittelt werden.

Nischen besetzen

Ein interessanter, aber auch riskanter Weg. Wer sich auf ein kleines, aber feines Gebiet spezialisiert, der könnte in der Tat irgendwann sehr gefragt sein. Aber dazu braucht es einen langen Atem. Und das Vertrauen, dass man auf das richtige Pferd gesetzt hat.

Mein Fazit: Die Zeiten, in denen man sich seinen Traumjob basteln konnte, sind vorbei. Jetzt gilt wohl wieder, dass man, egal wo man schließlich landet, versucht, das Beste aus dem Job zu machen und darauf zu hoffen, mit viel Engagement und Ausdauer eine Tätigkeit zu finden, in der man etwas bewegen kann, auch wenn sie so gar nicht den früheren Vorstellungen entspricht.

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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