6. August 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Shiny Object Syndrome

INSPIRATION: Schon witzig, wie ständig neue Begriffe für angebliche neue Phänomene auftauchen. Liegt vermutlich daran, dass es irgendwie wissenschaftlich klingt, wenn man einen ”Fachbegriff” vorweisen kann für etwas, das man an sich oder anderen entdeckt und über das man sich im besten Fall etwas wundert. Und dann ganz beruhigt ist, wenn man davon ausgehen darf, dass andere das auch schon erlebt haben oder es etwas ist, das die Wissenschaft bereits entdeckt oder gar erforscht hat. Nach dem Motto: „Ah, das geht also nicht nur mir so!“

Mit dem Shiny Object Syndrome ist gemeint, dass wir gerne neue Dinge in Angriff nehmen, weil sie sehr verlockend klingen und uns ein besseres Leben, einen Durchbruch, einen großen Erfolg oder einfach nur viel Spaß versprechen. Um dann irgendwann das nächste Projekt zu ”entdecken”, während das andere gerade ”auf Eis liegt” oder stillschweigend begraben wird.


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Ewige Anfänger

Es ist leicht, etwas Neues zu beginnen, und das gilt laut Henning Beck auch im Großen (Start-up? Finish-up!). Wir feiern die mutigen Gründer und ihre Ideen. Aber etwas erfolgreich abzuschließen ist weitaus schwieriger. Wirklich erfolgreiche Menschen, so die Behauptung, „haben immer das Ende im Blick, nicht den Anfang.” Damit wir ”anderen” Normalos das auch hinkriegen, gibt es einen Tipp: Nichts Neues anfangen, ehe etwas anderes abgeschlossen ist.

Klingt erst mal banal. Aber ist nicht verkehrt, oder? Ob es tatsächlich auch damit zu tun hat, dass wir uns ständig von neuen und scheinbar spannenden Dingen ablenken lassen? Und so zu ”ewigen Anfängern” werden?

Ein kleiner Test

Hier ein kleiner Test: Wie viele Browser-Tabs haben Sie gerade geöffnet? Wie viele Apps auf Ihrem Smartphone? Wir schauen mal hier, mal dort, entdecken wieder was Interessantes, das wir mal lesen oder anschauen wollen – aber bevor wir damit fertig sind, kommt das nächste um die Ecke. Aus Sorge, etwas zu verpassen, beenden wir das Alte nicht, sondern starten mit dem nächsten.

Es stimmt schon, wir werden ständig abgelenkt. Wenn ich mir die vielen Reiter meines Browsers anschaue, stelle ich fest, dass die meisten tatsächlich deswegen noch geöffnet sind, weil sie für eine geplante Aktivität stehen: Etwas ausfüllen, etwas bestellen, etwas lesen, etwas anschauen. Oder etwas tiefer recherchieren.

Irgendwann mal. Dieses irgendwann kommt dann doch nicht. Bis ich den Browser aus Versehen schließe, oder er abstürzt. Und ich keine Ahnung habe, was ich eigentlich noch machen wollte. Bin offenbar auch ein guter Anfänger …

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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