27. Juli 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Angst in Richtung verwandeln

INSPIRATION: Wieder mal so ein Beitrag, in dem Rezepte verkündet werden, dachte ich. Nach dem üblichen Muster: Fünf praktische Schritte für Führungskräfte in einer Welt, in der nichts mehr vorhersehbar erscheint. Und tatsächlich klingen die Tipps eher abstrakt. Aber die Praxisbeispiele haben mich dann doch interessiert, denn sie machen schon deutlich, was hilft, wenn Angst das Handeln bestimmt.

Denn das lässt sich kaum noch leugnen: Wenn von heute auf morgen ein einzelner Post in einem dieser unsäglichen sozialen Netzwerke Milliarden an Aktienwert vernichten und die Androhung von Zöllen sämtliche Strategien über den Haufen werden kann, dann fühlt sich nicht nur der Normalsterbliche überfordert. Und dann noch die Verheißungen der KI, deren Auswirkungen niemand so wirklich vorhersehen kann. Wie soll man da vernünftig planen?


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Die Autoren im Harvard Business Manager (Fürchte dich nicht) erklären, dass Angst die Wahrnehmung verschiebt. Statt auf kreative Lösungen konzentrieren wir uns auf das Erkennen und Vermeiden von Gefahren – wir sehen keine Chancen mehr, sondern nur noch Bedrohungen. Also schieben wir Entscheidungen auf und warten darauf, dass sich irgendwas klärt. Wir kontrollieren immer mehr, um Verluste zu vermeiden. Und wir verlieren unsere Ziele aus den Augen.

Kleine Experimente

Was wäre besser? Ich orientiere mich mal an den Fallbeispielen und leite etwas andere Tipps daraus ab als die Autoren. Da ist als erstes die Firma, die einen wöchentlichen Signalbericht einführt. Ein kleines Team schaut sich alle Entwicklungen an – ob das politischen Ankündigungen sind, neue Vorschriften oder Gerichtsurteile. Und dann schaut sich das Management jeden Montag die Ergebnisse an und entscheidet zwischen ”Nichts tun”, ”Vorbereitungen treffen” und ”Sofort handeln”. So fühlt man sich stets auf dem Laufenden und bleibt aktiv, statt nur zu reagieren.

Wenn eine große Entscheidung ansteht, kann man sich in endlose Diskussionen verlieren. Oder aber man setzt auf kleine Projekte, in denen die möglichen Alternativen getestet werden. Bei einem Unternehmen mit einem anstehenden Plattformwechsel gab es drei kleine Pilotprojekte mit klaren Zielen und begrenztem Budget in unterschiedlichen Marktsegmenten. Da stellte sich rasch heraus, welches von ihnen die beste Lösung darstellte.

KI-Doktrin

Die Angst vor der KI – sei es, dass sie Arbeitsplätze vernichtet, das Unternehmen gleich ganz überflüssig macht oder sei es, dass man fürchtet, den Zug zu verpassen. Ein Unternehmen entwickelte eine KI-Doktrin. Sie enthielt rote Linien, wo KI nicht eingesetzt werden sollte, drei priorisierte Anwendungsfälle und die Zusage, dass Umschulung den Vorrang vor jeder Neugestaltung von Aufgaben haben würde. Klarheit reduziert Ängste.

Wenn der Blick auf das große Ganze verloren geht, weil nur noch Brände gelöscht werden, hilft ”Visionszeit”. Eine Managerin reservierte in ihrem Kalender feste Zeiten für Strategie und bat auch die nächste Ebene darum, solche ”Visionsblöcke” einzurichten. Sie ließ sich einmal monatlich hierüber Bericht erstatten.

Krisenszenarien durchspielen

Gegen geopolitische Verschiebungen lässt sich kaum etwas unternehmen. Immerhin: Eine Firma spielt vierteljährlich Krisenszenarien durch und definiert primäre Reaktionen, einen Back-up-Plan und die jeweiligen Kosten. Dazu sitzen die jeweiligen Bereichsleiter sowie die Finanzchefs und die Kommunikationsverantwortlichen zusammen.

Etwas dabei, dass auch für Sie Sinn ergibt? Dann mal los.

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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