9. September 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Gesang der Sirenen

KRITIK: Ich tue mich schwer mit dem Thema „Künstliche Intelligenz“, speziell auf dem Gebiet des Personalmanagements. Die Verheißungen klingen vertraut: Alles geht schneller, wird billiger und der Personaler wird in seiner Arbeit entlastet. Dazu kommt: Personalarbeit wird weniger subjektiv, endlich kann auch der Personaler faktenbasiert entscheiden und muss sich nicht mehr auf seine Intuition verlassen. Und für die Bewerber geht es fairer zu – zumindest, wenn die Algorithmen vorurteilsfrei entscheiden (was vielerorts bezweifelt wird).

Ein bisschen ist das so wie mit Testverfahren: Sie bieten verlässliche Ergebnisse und sind, anders als z.B. Einstellungsgespräche, nicht abhängig von der Subjektivität der Beurteiler. Dank künstlicher Intelligenz können nun aber noch viel mehr Prozesse automatisiert und objektiviert werden. Das beginnt schon bei der Erstellung der Stellenanzeigen, die von Robotern passend zur Jobfamilie verfasst, mit den richtigen Begriffen (Keywords) versehen und auf dem Jobportal platziert werden, das die geeignetsten Bewerber erreicht (Roboter sucht Kollegen). Mehr noch: KI sucht aktiv nach Kandidaten im Internet, z.B. in allen sozialen Netzwerken und pickt sich die geeigneten heraus (Active Sourcing).


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Alles vollautomatisch?

Wenn diese sich nun bewerben, werden ihre Unterlagen „gescreent“, nach Kriterien durchforstet und bewertet und dann eine Vorauswahl getroffen. Nicht auf eine Stelle passenden Bewerbern werden automatisch Alternativen angeboten.

Dann nimmt der Roboter Kontakt zum Bewerber auf, führt ein erstes Bewerbungsgespräch, wertet die Reaktionen, die Stimme, Tonlage und Pausen aus und erstellt „eine automatisierte Persönlichkeitsanalyse“. Am Ende übernimmt er natürlich auch die Erstellung des Arbeitsvertrags.

Verlockend, oder? Man ist die lästigen Arbeiten los und fühlt sich sogar besser, weil all das ja viel zuverlässiger und mit weniger menschlichen Fehlern behaftet ist. Das Geniale an der künstlichen Intelligenz der neuen Generation ist nämlich, dass sie lernfähig ist. Anders als bei den Chatbots (das sind die Maschinen, die uns am Telefon oder in Chaträumen begrüßen und unsere Fragen beantworten) von heute, die uns durch ein Gespräch leiten und lediglich vorgefertigte Antworten von sich geben, erkennen die Roboter Muster in unseren Antworten. Sie merken, wann wir uns ärgern, ratlos oder erfreut sind, reagieren dann mit Alternativen. Sie merken sich, was funktioniert und ziehen eigene Rückschlüsse. Nach und nach werden sie immer besser, bis wir gar nicht mehr merken, dass wir es mit Maschinen zu tun haben.

Wie im Paradies?

All das liest sich so, als könne der gesamte Prozess der Einstellung von Mitarbeitern Maschinen…

Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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