KRITIK: Ich erinnere mich noch gut an die Zeit als Student, in der wir versuchten, uns in Gruppen auf Prüfungen vorzubereiten. Wir verteilten die umfangreiche Literatur, die es wiederzugeben galt, auf die Teilnehmer, jeder stellte sogenannte Exzerpte her und stellte diese den anderen zur Verfügung. So musste nicht jeder alles lesen. Sehr praktisch.
Die Treffen, in denen wir uns gegenseitig erklärten, was es mit den zahlreichen Theorien so auf sich hatte, waren tatsächlich geeignet, uns zu helfen, sie besser zu durchdringen, vor allem aber, sie mit eigenen Worten wieder zu geben. Wir trainierten den ”Ernstfall” – auch wenn dieser dann nur einen Bruchteil von dem erforderte, was wir versucht hatten, unserem Hirn einzuflößen.
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Diese Lerngruppen dienen offenbar als Vorbild für sogenannten ”Learning Circles” (Lernraum statt Laberrunde). Der Beitrag in der managerSeminare ist die Kurzversion des dazugehörigen Buches (Die Kraft der Learning Circles). Wir versuchen, das Konzept hier noch einmal verkürzt darzustellen.
Im Grunde ist der Gedanke so einfach wie die oben beschriebenen Lerngruppen. Menschen tun sich zusammen, um sich neues Wissen oder neue Fertigkeiten anzueignen. Allerdings passiert das in Organisationen nicht von selbst. Warum eigentlich nicht? Wenn ich weiß, dass ich in naher Zukunft einen Vortrag in Englisch halten muss und meine Sprachkenntnisse nicht ausreichen – warum suche ich mir dann nicht ”Leidensgenossen” in meiner Organisation, die vor einem ähnlichen Problem stehen?
Wie man Lernpartner findet
Womit wir schon bei der ”Stellschraube 3” sind – dem Matching. An der Uni war das einfach: Man saß zusammen in Seminaren und Vorlesungen hatte das gleiche Ziel: Zu einem Zeitpunkt X so vollgestopft mit Wissen zu sein, dass es reichte, jede Menge Prüfungen zu bestehen. So etwas bringt Menschen zusammen. Wie könnte das im Unternehmen laufen, wo es diese Art von ”Leidensdruck” eher selten gibt. Wenn ich eine Präsentation zu erstellen, eine wichtige Verhandlung zu führen, mich in eine neue Software einzuarbeiten habe – wie komme ich dann an Kolleginnen, die vor genau der gleichen Herausforderung stehen?
Selbst wenn es diese gibt – sie werden kaum zum gleichen Zeitpunkt vor dem Problem stehen. Wir hätten uns damals auch nicht mit Kommilitonen zusammengeschlossen, die erst zwei Semester später zur Prüfung antreten mussten – sie hatten andere Probleme.
Trotzdem: Man könnte eine Art ”schwarze …
